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Asien

Afghanistans verschwundene Milliarden

Die Korruption in Afghanistan nimmt immer größere Ausmaße an. Über drei Milliarden Dollar, die für Hilfs- und Wiederaufbauprojekte gedacht waren, sollen allein seit 2007 außer Landes geschafft worden sein.

Hand mit einem Bündel afghanischer Geldscheine (Foto: AP)

Wohin sind die Milliarden geflossen?

Terminal des Kabuler Flughafens (Foto: AP)

Das Geld wurde ganz offen über den Kabuler Flughafen außer Landes gebracht

Korruption und Geldwäsche gefährden immer stärker die Chancen auf Stabilität und Rechtsstaatlichkeit in Afghanistan. Zu diesem Schluss kommt ein Pressebericht des New Yorker "Wall Street Journal". Demnach seien in den letzten drei Jahren über drei Milliarden Dollar (umgerechnet rund 2,4 Milliarden Euro) ganz offiziell am Internationalen Flughafen von Kabul deklariert und dann ausgeflogen worden. Die Zeitung zitiert offizielle Quellen, nach denen ein erheblicher Teil der Gelder aus vom Westen finanzierten Hilfs- und Wiederaufbauprojekten stammen soll. Wie viel Geld darüber hinaus versickert ist und – etwa über andere Flughäfen oder über die Grenzübergänge nach Iran und Pakistan - außer Landes geschafft wurde, ist bislang nicht abzuschätzen. Zu den Verdächtigen zählen unter anderem Mahmud Karsai, ein Bruder des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, und Vizepräsident Mohammed Fahim.

Geld kistenweise aus Kabul herausgeschafft?

Afghanischer Bauer beim Opiumanbau (Foto: dpa)

Auch aus dem Opiumhandel sollen Teile der Gelder kommen

Geradezu abenteuerlich mutet an, was ein ranghoher US-Beamter der Zeitung mitgeteilt haben soll: "Sie haben Kisten im hinteren Stauraum von Flugzeugen. Sie haben Kerle, die im wahrsten Sinne des Wortes Kisten mit Bargeld an Bord der Flugzeuge bringen", beschreibt der namentlich nicht genannte US-Korruptionsexperte. So werde jedes Jahr mehr Geld aus Kabul ausgeflogen als die afghanische Regierung an Steuern und Abgaben einnehme. "Das Geld wächst ja hier nicht auf den Bäumen", flüchtet sich der US-Offizielle in Sarkasmus. Bei diesen Mengen müsse es sich daher um eine Mischung aus westlichen Steuergeldern und Gewinnen aus Opiumverkäufen handeln.

Der Transfer wird den Ermittlern zufolge von sogenannten "Hawala"-Unternehmen organisiert. Hawala kommt aus dem Arabischen und bezeichnet ein Überweisungssystem, das seinen Ursprung im Frühmittelalter hat. Darunter versteht man informelle Geldtransfers, die unabhängig vom offiziellen Bankensystem zwischen Vertrauens- und Mittlerpersonen organisiert werden und sich daher hervorragend zur Geldwäsche eignen.

USA wollen Antikorruptionskampf verschärfen

US-Justizminister Eric Holder (Foto: AP)

US-Justizminister Eric Holder

Der Kampf gegen Korruption und für rechtsstaatliche Verhältnisse habe für die US-Regierung höchste Priorität, erklärte US-Justizminister Eric Holder. Er war am Mittwoch (30.06.2010) persönlich zu Gesprächen mit ranghohen afghanischen und amerikanischen Vertretern nach Kabul gereist. Afghanistan stand 2009 auf der Korruptionsliste von Transparency International an zweiter Stelle. Die ungezügelte Korruption und die mutmaßliche Verwicklung hoher Beamter in den Opiumhandel tragen stark dazu bei, dass die afghanische Bevölkerung sich immer stärker von der Regierung in Kabul abwendet. Noch Anfang des Jahres hatten die Vereinigten Staaten Karsai scharf dafür kritisiert, die Korruption innerhalb seiner Regierung zu dulden. Nachdem der jedoch gleich mit einer ganzen Serie anti-westlicher Erklärungen konterte, sind die USA zu einer stilleren Diplomatie übergegangen.

Unterdessen haben einem Bericht der Washington Post vom Montag zufolge hohe afghanische Regierungsbeamte Korruptionsermittlungen gegen einflussreiche Landsleute verhindert. US-Regierungsvertreter erzählten, dass afghanische Strafverfolger wiederholt angeordnet hätten, die Namen bekannter Afghanen aus Untersuchungsakten zu streichen. Unter Angehörigen der afghanischen Eliten sei es üblich, sich gegenseitig zu decken und Ermittlungen zu unterbinden. So sei es auch im Falle eines nicht namentlich genannten größeren Finanzunternehmens geschehen, das verdächtigt wird, für afghanische Funktionsträger Millionen Dollar nach Übersee geschafft zu haben.

Autor: Thomas Latschan (afp, rtr)
Redaktion: Thomas Kohlmann

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