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Kultur

Afghanistans Hymne in Bonn aufgenommen

Das neue Afghanistan, hieß es aus Kabul, brauche eine neue Hymne. Nach zwei Jahren Suche fand man das passende Gedicht. Nun ist auch die Musik fertig, die instrumentale Fassung wurde in Bonn aufgenommen.

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Straßenszene in der afghanischen Hauptstadt Kabul

Komponiert hat die neue Hymne Babrak Wassa. Er lebt seit über zwei Jahrzehnten in Deutschland. Am Mittwoch (19.4.2006) wurde die instrumentale Fassung der Komposition von Wassa mit dem Bonner Beethoven-Orchester aufgenommen.

Für die 70 Musiker des Bonner Beethoven-Orchesters war es keine alltägliche Aufgabe: Nicht europäische Kompositionen standen auf dem Programm, sondern afghanische: die Nationalhymne und die "Rhapsodia Afghanica", ein aus mehreren Volksliedern zusammengesetztes Stück.

"Eine große Ehre"

Der 57-jährige Komponist Wassa sah es gelassen, dass die Musiker seine Noten vorher nicht einstudiert hatten. Er weiß, sagt er, dass er es mit Profis zu tun hat. Als die erste Probe geglückt ist, ist der Dirigent sichtlich bewegt - Babrak Wassa kennt die Arbeit mit vielen Orchestern. Er hat zwölf Jahre lang am renommierten Tschaikowski-Konservatorium in Moskau studiert. Dennoch bezeichnet er die Arbeit mit dem Bonner Beethoven-Orchester als eine große Herausforderung: "Das Bonner Beethoven-Orchester ist erstklassig und es ist für mich eine große Ehre, als Dirigent mit diesem Orchester zusammen zu arbeiten."

Die Zusammenarbeit mit dem Beethoven-Orchester wurde durch eine Initiative der Deutschen Welle möglich. Der deutsche Auslandsrundfunk ist seit über drei Jahrzehnten in Afghanistan mit Radiosendungen und zuletzt auch mit Fernsehprogrammen präsent.

Selbstfinanziertes Projekt

Den größten Teil der Kosten für dieses Musikprojekt übernimmt die Regierung in Afghanistan selbst. Kabul lehnte wohlgemeinte Sponsoren-Angebote ab. Man wolle nicht, dass der Vorwurf laut werde, selbst die Nationalhymne sei vom Ausland finanziert worden.

Der Text der Hymne handelt von Afghanistan als Heimat verschiedener Stämme. Er ist umstritten, weil nach Meinung vieler Afghanen der Text durch eine Aufzählung vieler Stämme an literarischer Kraft und Tiefe verloren hat. Zudem wird bemängelt, dass er nur auf Paschtu - neben Dari eine der beiden offiziellen Sprachen des Landes - verfasst ist.

Geglückte Aufnahme

Wassa selbst teilt diese Kritik zum Teil auch. Doch für heute ist er einfach glücklich, dass die Aufnahmen geglückt sind. Der zweite Teil der Produktion mit Sängerinnen und Sängern folgt in Kürze - die Basis dazu bilden die Aufnahmen mit dem Bonner Beethoven-Orchester.

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