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Afghanistan

Afghanistans Ex-Kriegsfürst Hekmatjar nach Jahrzehnten wieder in Kabul

In den 1990er Jahren - in der Zeit des afghanischen Bürgerkrieges - war der Milizenchef als "Schlächter von Kabul" gefürchtet. Nun kehrte Gulbuddin Hekmatjar mit großem Gefolge in die Hauptstadt zurück.

In einem Konvoi von mehreren hundert mit Waffen ausgerüsteten Fahrzeugen ist der frühere afghanische Milizenführer Gulbuddin Hekmatjar (Artikelbild, M.) nach zwei Jahrzehnten Exil in die Hauptstadt Kabul eingezogen. Der Ex-Regierungschef nutzte die im September vereinbarte Straffreiheit, um begleitet vom Jubel seiner Anhänger sein politisches Comeback zu feiern. Präsident Aschraf Ghani wollte Hekmatjar noch im Laufe des Tages empfangen. Wie afghanische Medien berichteten, will der 69-Jährige bereits am Freitag eine Kundgebung in der Hauptstadt Kabul abhalten.

Hekmatjar zählte zu den führenden Köpfen der Mudschaheddin, die in den 1980er Jahren gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans kämpften - mit Unterstützung durch die USA und Pakistan. In den 1990er Jahren war er für die Belagerung Kabuls mitverantwortlich, bei der ein Drittel der Stadt zerstört und zehntausende Zivilisten getötet wurden. Seither trägt er bei seinen Kritikern den Beinamen "Schlächter von Kabul".

Plakate zur Begrüßung des früheren Warlords Gulbuddin Hekmatyar in der Hauptstadt Kabul (Foto: Reuters/O.Sobhani)

Plakate zur Begrüßung des früheren Warlords in der Hauptstadt Kabul

Künftige politische Rolle Hekmatjars noch unklar 

Im September 2016 wurde jedoch für Verbrechen der Vergangenheit eine juristische Immunität vereinbart, im Februar beschloss auch der UN-Sicherheitsrat, die wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verhängten Strafmaßnahmen gegen Hekmatjar aufzuheben. Als die afghanische Regierung den Friedensschluss mit Hekmatyar bekanntgab, kam es in der Hauptstadt dennoch zu spontanen Protesten.

Nach der Machtübernahme der Taliban 1996 floh Hekmatjar aus Afghanistan. Er soll sich in den vergangenen Jahren in Pakistan aufgehalten haben. Am Samstag hielt er vor Anhängern in der Provinz Laghman eine Rede, es war der erste öffentliche Auftritt in Afghanistan seit mehr als 20 Jahren. Das Friedensabkommen zwischen der afghanischen Regierung und Hekmatjars Miliz Hesb-i-Islami sieht vor, dass die Gruppe ihren bewaffneten Aufstand beendet. Die Straffreiheit für den Milizenchef wird von Menschenrechtsgruppen und Hinterbliebenen der Opfer kritisiert. Unklar ist, wieweit Hekmatjar, der in den vergangenen Jahren stark an Einfluss verloren hat, den stockenden Friedensprozess mit den Taliban wieder vorantreiben kann. 

sti/kle (afp, epd)

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