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Wirtschaft

Afghanistans Bank für den kleinen Mann

Im April 2004 eröffnet in Afghanistan die erste private Mikrofinanzbank. Sie soll wichtige Impulse geben für den Aufbau kleiner Unternehmen. Sogar der Drogenhandel könnte durch diese neue Bank eingedämmt werden.

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Rundfunkladen in Kabul: Grundlage für ein Familieneinkommen

Wer in jüngster Zeit in Kabul war, kennt das Bild der Zerstörung. Ganze Stadtviertel wurden dem Erdboden gleichgemacht - man sieht die Ruinen einst eleganter Villen. Am Straßenrand: ausgebrannte Fahrzeuge, ein Flugzeugwrack und ein verrotteter Panzer. Wie soll hier neues Leben entstehen und wer kurbelt die Wirtschaft wieder an ?

Wer weiter auf der Hauptstraße fährt, findet schnell die Antwort. Ein Fahrradreparaturgeschäft, das aus alten Schrotteilen bedürftig zusammengezimmert wurde, erweist sich bei den schlechten Straßenverhältnissen als wichtige Haltestelle. Unweit ein Taxiunternehmen, ein Lebensmittelgeschäft, ein Teppichhändler - kleine Händler, die einfallsreich ihre Geschäfte unter schwersten Bedingungen führen.

Finanzielle Hilfe in Sicht

Für sie kommt jetzt Hilfe: Die erste Mikrofinanzbank in Afghanistan öffnet im April die Türen in Kabul. Peter Woicke, Chef der International Finance Corporation (IFC) in Washington, hat das Projekt mit seinen Leuten betreut und eine Millionen Dollar investiert. "Es geht im Grunde genommen darum, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, dass die Leute Zugang zu Krediten haben, dass sie ihre Waren besser anschaffen können und dass sie dann das Geschäft aufbauen", erläutert Woicke seine Aufgabe. "Ich bin schon der Meinung, dass Mikrofinanzbanken nur erfolgreich werden, wenn sie ihre Kunden von der Grauzone in die offizielle Wirtschaftszone überführen können. Das ist die große Herausforderung der Mikrofinanzbanken der Zukunft."

Geld für Kleinstunternehmer

Den ärmsten Händlern werden Kleinstkredite zwischen 1000 und 5000 Dollar gewährt, für afghanische Verhältnisse ein gutes Startkapital. Der französische Finanzexperte Jean-Lorenz Ehrentrant ist der Geschäftsführer der neuen Mikrofinanzbank. Das Besondere, so sagt er, sei die Tatsache, dass sich seine Mitarbeiter ausschließlich und sehr persönlich um kleinste einheimische Unternehmen kümmern, die von Afghanen - Männer wie Frauen - geleitet werden. 1000 Kunden zähle seine Bank bereits, man wolle Filialen im ganzen Land aufbauen. "Unser Kerngeschäft sind die Menschen in Afghanistan, die bisher zu kurz gekommen sind", sagt Ehrentrant.

Geburtswehen

Die erste Mikrofinanzbank in Afghanistan wird noch einige Anfangsschwierigkeiten überstehen müssen. Die Sicherheit in den ländlichen Gegenden und Provinzen ist nach wie vor ein Problem, das Investoren abschrecken könnte. Peer Stein, Teamleiter der International Finance Corporation, der in Afghanistan mit für den Aufbau zuständig war, sieht jedoch die Zukunft sehr positiv - vor allem was die afghanischen Geschäftsleute anbelangt: "Mich beeindruckt, wie viel Wille da ist, voranzukommen und Einkommen zu generieren für die Familie." Wenn man bedenke, dass in Afghanistan Jahrzehnte lang Krieg herrschte und eine sehr lange Zeit nichts funktionierte, sei dies ein Anlass zu großem Optimismus.

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