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Medienentwicklung

Afghanistan: Wie unabhängig ist die Berichterstattung?

Mit den kommenden Wahlen und dem Truppenabzug steht Afghanistan vor tiefgreifenden Veränderungen. Wie wirkt sich das auf die Medien aus? Dazu diskutierten Journalisten und Experten auf Einladung von DW Akademie und ARD.

Medien International Afghanistan

V.l.n.r.: Florian Weigand, Leiter der Dari-/Pashtu-Redaktion der Deutschen Welle; Kefa Hamidi, Medienwissenschaftler; Sabine Rau, Moderation; Shikiba Babori, Initiatorin des Journalistennetzwerkes "Kalima"

"Experten und Beobachter sind sich einig: Die Entwicklung der Medien in Afghanistan ist eine Erfolgsgeschichte", sagte Kefa Hamidi auf der Podiumsdiskussion "Medien International" im ARD-Hauptstadtstudio. In den vergangenen Jahren hätten sich neben den staatlichen auch viele private Sender etablieren können. "Die Mediengesetze in Afghanistan gehören zu den liberalsten in der Region", so der Medienwissenschaftler.

Florian Weigand, Leiter der Dari/Pashtu-Redaktion der Deutschen Welle, pflichtete ihm bei, gab aber auch zu bedenken, dass die faktische Pressefreiheit in vielen Bereichen eingeschränkt sei. "Die Medienunternehmen werden häufig von Menschen gesteuert, die eine eigene Agenda haben." Sowohl die Ausübung politischer Machtinteressen als auch religiöse Einflussnahme seien in afghanischen Medien an der Tagesordnung. "Dennoch haben es einige Sender geschafft, sich ein beachtliches Maß an Unabhängigkeit zu erkämpfen", so Weigand.

Mut zur unabhängigen Berichterstattung

Medien International Afghanistan

Martin Gerner und Shikiba Babori

Kritischer Journalismus erfordere in Afghanistan viel Mut, sagte Martin Gerner. Der freie Korrespondent berichtet regelmäßig aus Afghanistan und trainiert auch afghanische Kollegen vor Ort. "Journalisten, die sich um eine unabhängige Berichterstattung bemühen, werden häufig bedroht oder gar Opfer von Gewalt", berichtete Gerner. Dies führe zwangsläufig zu Selbstzensur.

Positiv habe sich in den vergangenen Jahren die Rolle der Frau in den Medien entwickelt, meinte Shikiba Babori, Initiatorin des deutsch-afghanischen Journalistennetzwerks "Kalima". "Anfangs gab es nur sehr wenige Journalistinnen, mittlerweile beschäftigen selbst die Staatssender Moderatorinnen." Der Frauenanteil in den Medien liege derzeit bei knapp 30 Prozent. "Ausschlaggebend ist hier, ob die Familie und das Umfeld den Berufswunsch akzeptieren."

Nachhaltige Medienentwicklung

Dem ISAF-Mandat maßen alle Panelisten eine große Bedeutung zu. "Die Präsenz der internationalen Gemeinschaft sorgt für mehr Pressefreiheit", so Florian Weigand. Den kommenden Rückzug sieht Shikiba Babori als problematisch: "Die Journalisten haben die große Sorge, dass der Westen ihr Land aus den Augen verlieren und mit dem drohenden Erstarken radikaler Gruppen auch die Pressefreiheit gefährdet sein könnte." Eine Kontinuität der Medienentwicklungszusammenarbeit sei jetzt wichtig, sagte Martin Gerner. "Viele unabhängige Medien brauchen weiterhin Unterstützung. Bislang standen vor allem journalistische Trainings im Vordergrund, doch die Medienunternehmen brauchen nun vor allem Managementerfahrung und eine nachhaltige Finanzierung."

Entscheidend für die Zukunft der Medien sei zudem der Ausgang der kommenden Wahlen. "Die Presselandschaft braucht vor allem eine stabile Regierung und eine gute Sicherheitslage", so Shikiba Babori.

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