1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kampf gegen Islamisten

Afghanistan prüft Bewaffnung von Zivilisten

Gegner der Initiative warnen vor aggressiven Milizen - die könnten sich dann verselbständigen, sagen sie. Nicht weniger, sondern mehr Gewalt wäre die Folge.

Als Reaktion auf die anhaltende Bedrohung durch islamistische Aufständische erwägt die Regierung in Kabul, Zivilisten zu bewaffnen. Pläne zur Bildung "örtlicher Truppen" würden derzeit geprüft, sagte ein Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Die Truppe würde den Angaben zufolge rund 20.000 Mann zählen.

Ein Sprecher der NATO-Ausbildungsmission "Resolute Support" bestätigte die Pläne. Nach Angaben eines US-Beamten ist der Vorschlag derzeit allerdings noch in der Anfangsphase.

Taliban auf dem Vormarsch

Seit die NATO ihren Kampfeinsatz am Hindukusch 2014 beendete, sind die radikalislamischen Taliban wieder auf dem Vormarsch. Auch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) gewinnt dort an Einfluss. Die afghanischen Sicherheitskräfte haben nur wenig Erfolg im Kampf gegen die Aufständischen.

Auch an diesem Sonntag wurden neue Gewalttaten gemeldet. Mindestens sechs Menschen wurden bei mehreren Anschlägen getötet. Die Taliban übernahmen die Verantwortung für die schwerste Attacke nahe der pakistanischen Grenze. Die Gegend gilt als Hochburg der Islamisten.

Afghanistan Selbstmordattentat in Kabul (Reuters/O. Sobhani)

Immer wieder Attentate: Soldat nach einem Anschlag in der Hauptstadt Kabul im August

Trotz der angespannten Sicherheitslage ist der Vorschlag zur Bewaffnung von Zivilisten höchst umstritten. Privatarmeen und von der Regierung gestützte bewaffnete Gruppen haben in Afghanistan eine lange und kontroverse Geschichte.

"Die Erweiterung der irregulären Truppen durch die afghanische Regierung könnte enorm gefährliche Folgen für die Zivilisten haben", warnte Patricia Gossman von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Demnach befürchten selbst die afghanischen Behörden, dass eine solche Miliz sich zu einer eigenständigen aggressiven Truppe entwickeln könnte.

Afghanistan Selbstmordattentat in Kabul (Reuters/I. Ismail)

Wenig Erfolg im Kampf gegen Islamisten: Einheimische Soldaten nach einem Angriff in Kabul im September

Die Vereinigten Staaten verlangen von der NATO, ihr Truppenkontingent am Hindukusch zu erhöhen. Im Oktober will das Militärbündnis hierüber entscheiden. US-Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Monat angekündigt, die Zahl von derzeit rund 11.000 US-Soldaten in Afghanistan aufzustocken. Im Gespräch ist die zusätzliche Entsendung von 4000 US-Militärs.

Deutschland - der zweitgrößte Truppensteller im Rahmen der NATO-Mission - lehnt eine Erhöhung des Bundeswehrkontingents derzeit ab. Der Bundestag hatte die Mandatsobergrenze 2016 von 850 auf 980 Soldaten erhöht.

jj/haz (dpa, afp)

Die Redaktion empfiehlt