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Asien

Afghanistan/Pakistan: Kindermedien verbinden!

Ein Vernetzungsworkshop in Dubai brachte afghanische und pakistanische Medienverantwortliche zusammen. Die DW Akademie arbeitet in beiden Ländern an besseren medialen Angeboten für Kinder.

DW-Konferenz zu Kindermedien in Afghanistan & Pakistan

Neue Ideen für Kindermedien: Der Workshop in Dubai gab den Anstoß für zukünftige Projekte

Die Begrüßungsworte der Teilnehmer am ersten Tag des Workshops im Dezember 2014 klingen etwas steif und verhalten. Eine Woche sollen die Vertreter der Medienorganisationen aus Afghanistan und Pakistan, mit denen die DW Akademie das ganze Jahr an der Verbesserung ihrer medialen Angebote für Kinder gefeilt hat, gemeinsam nach Möglichkeiten der Kooperation suchen. Kein leichtes Unterfangen, denn traditionell herrscht diesseits und jenseits der Grenze ein großes Misstrauen dem Nachbarn gegenüber. Ursache sind nicht nur die Streitigkeiten um den Grenzverlauf, sondern vor allem die Diskussion, ob Pakistan den Taliban und anderen radikalen Gruppen als Rückzugsort dient. Seit jeher wird das Thema in den Medien auf beiden Seiten diskutiert. Doch schnell wird während des ersten Workshoptages klar: Kulturell sind sich Afghanen und Pakistaner viel näher als gedacht.

Gemeinsamkeiten überwiegen

In der ersten Gruppenarbeit geht es darum, Unterschiede zwischen den beiden Ländern sowie Gemeinsamkeiten zusammenzutragen. Die Teilnehmer stellen fest: die Gemeinsamkeiten überwiegen. "Das so klar aufgelistet zu sehen, war für einige doch eine Überraschung", so Volker Rosendahl, Trainer und Moderator des Workshops. Pakistan und Afghanistan sind beide Krisenländer, die eine sehr junge Bevölkerung haben. Für die durch die langen Jahre des Konflikts traumatisierten Kinder gibt es wenig Angebote, die kindgerecht aufbereitet sind. Themen wie Gewalt, Traumata, Krieg und Vertreibung sind im Leben vieler Kinder und Jugendlicher auf beiden Seiten der Grenze allgegenwärtig. Obwohl mehr Menschen in Pakistan Urdu und in Afghanistan Dari sprechen, wird zum Beispiel Paschtu in beiden Ländern gesprochen. Und ganz banal: Beide Länder sind muslimisch und die Familienstrukturen noch sehr traditionell.

Wie ähnlich die Bedürfnisse von Kindern in Kriegs- und Krisenländern sind, verdeutlicht der zweite Tag. DW Akademie-Projektmanager Nasir Al-Jezairi stellt die Kindersendung "Yalla Nehna" vor, an deren Aufbau er beteiligt war. Die Sendung wird vom syrischen Oppositionssender Orient TV in Dubai produziert. Das Highlight des Vernetzungsworkshops ist der anschließende Besuch im Studio von "Yalla Nehna" und der Austausch mit der Redaktion. "Es ist spannend zu sehen, was man trotz geringer finanzieller Mitteln erreichen kann", sagt Shirkhan Ahmadzai, von Arezu TV aus Kabul, beeindruckt. "Man muss nur kreativ sein." Und auch die Kollegen von "Yalla Nehna" freuen sich über den Besuch, die Wertschätzung und die Diskussion trotz Sprachbarrieren.

Das Projekt

DW Akademie-Konferenz zu Kindermedien in Afghanistan & Pakistan (Foto: Wakeel Rahimi/ Nighat Aman).

Kreative Planung: Die Teilnehmer entwarfen eine Roadmap für Kooperationen

Im vom Auswärtigen Amt finanzierten Projekt "Wissen macht Spaß: Kindermedien in Afghanistan und Pakistan" hat die DW Akademie 2014 in Afghanistan mit drei Fernsehsendern - Aria TV, Arezu TV und Saba TV - an der Verbesserung der bestehenden Kinderformate gearbeitet und auch Pilotformate erstellt. Dabei wurde zunächst theoretisches Hintergrundwissen zu Themen wie Konzentrationsfähigkeit von Kindern, Sprache von kindgerechten Programmen bis hin zu den speziellen Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen in Krisengebieten vermittelt. Neben Reportern und Moderatoren nahmen auch Kameraleute, Cutter und Producer an den Beratungen teil.

In Pakistan arbeitete die DW Akademie mit dem Radionetzwerk Power 99 an einem Bildungsprogramm, das an Schulen im Unterricht eingesetzt werden soll. Die Nichtregierungsorganisation "The Little Art" mit Sitz im pakistanischen Lahore hat sich zum Beispiel durch ein internationales Kinderfilmfestival einen Namen gemacht und mit Hilfe der DW Akademie ein Netzwerk der Medien für Kinder in Pakistan ins Leben gerufen. "Kinderthemen genießen einfach noch zu wenig Priorität. Medien für Kinder werden nicht als wichtig empfunden", so Shoaib Iqbal, Gründer von "The Little Art" nachdenklich. "Umso wichtiger ist unser Einsatz."

Netzwerke und Kooperation

Mitglieder der Gruppe Awaaz-e-Dosti (Foto: Wakeel Rahimi/ Nighat Aman).

Tauschen sich über Facebook aus: Mitglieder der Gruppe "Awaaz-e-Dosti"

Mit Feuereifer entwickeln die Teilnehmer an den letzten beiden Tagen eine Roadmap für die zukünftige Kooperation. Wakeel Rahimi, Produktionsmanager bei Aria TV in Kabul, gibt zu, dass er anfangs etwas skeptisch war, was bei dem Treffen in Dubai herauskommen würde: "Aber jetzt habe ich verstanden, dass eine engere Zusammenarbeit für beide Seiten sehr vorteilhaft sein kann. Ich werde in meinem Sender für die Kooperation mit unseren pakistanischen Kollegen und Freunden werben." Einige der Ideen sind schon umgesetzt: Noch während der Konferenz gründen die Teilnehmer das Facebook-Netzwerk "Awaaz-e-Dosti" (Stimmen der Freundschaft), auf dem sie Neuigkeiten aus den jeweiligen Organisationen, sowie Sendungen aber auch kinderspezifische Informationen miteinander teilen. Reisen in das jeweilige Nachbarland, Austauschprogramme für Praktikanten sowie die Adaption von Beiträgen sollen 2015 vorangetrieben werden. Ein weiteres großes Ziel: ein Kinderfilmfestival in Afghanistan. Mathis Winkler, Leiter Asien und Europa bei der DW Akademie, sieht die Vernetzung und den Austausch als große Chance: "Wir haben die Möglichkeit, mit diesem afghanisch-pakistanischen Netzwerk etwas Nachhaltiges und Einzigartiges zu schaffen. Diese Chance sollten wir nicht verstreichen lassen.

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01_02_2012 Themenbild für Newsletter Ansprechpartner für weitere Verwendungszwecke: Sabrina.Tost@dw-world.de

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