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Terror am Hindukusch

Afghanischer Soldat eröffnet Feuer auf US-Militärs

Wieder ein sogenannter "Insider-Angreifer", aber diesmal konnte er gestoppt werden: Als ein afghanischer Soldat mitten in einer Militärbasis in Nordafghanistan US-Soldaten attackiert, wird er erschossen.

Die US-Armee in Afghanistan sah sich zu einem Dementi genötigt: Nein, ihre vier Militärangehörigen seien nicht getötet worden, sie seien aber verwundet. Bei dem schweren Zwischenfall im Camp Shaheen, das zum Hauptquartier des 209. Korps der afghanischen Armee in Masar-i-Scharif gehört, hat man offenbar die volle Kontrolle behalten. Ein afghanischer Soldat habe das Feuer auf die ausländischen Truppen eröffnet, sei aber umgehend selbst erschossen worden, wurde mitgeteilt.      

Es habe jedoch bei den einheimischen Truppen einen weiteren Toten und einen Verwundeten gegeben, hieß es später von amerikanischer Seite. Deutsche Soldaten waren von dem Schusswechsel nicht betroffen, wie von der Bundeswehr-Einsatzleitstelle in Potsdam verlautete.   

Afghanistan Bundeswehrsoldaten im Feldlager Camp Shaheen (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Auch Bundeswehr am Ort des Anschlags Camp Shaheen tätig (Archivaufnahme)

Erst vor einer Woche hatte ein afghanischer Soldat bei einem gemeinsamen Manöver in der östlichen Provinz Nangarhar drei US-Soldaten getötet. Die radikalislamischen Taliban erklärten, sie hätten den Mann in die Armee eingeschleust. Auch dieser Angreifer war erschossen worden.  

Sogenannte Insider-Attacken sind ein zentrales Problem. Im Februar eröffnete ein afghanischer Soldat in der Unruheprovinz Helmand im Süden das Feuer auf US-Soldaten und verletzte drei von ihnen. Im März wurden in der südlichen Provinz Sabul acht Polizisten von Kollegen erschossen.

Mehr US-Truppen?

US-Verteidigungsminister James Mattis hatte jüngst von Präsident Donald Trump freie Hand bekommen, das Truppenkontingent am Hindukusch zu verstärken. Es gab Berichte, es würden 4000 zusätzliche Soldaten entsandt, um das militärische Patt im Kampf gegen die Taliban-Rebellen zu beenden. Entscheidungen über die künftige Militärpräsenz seien noch nicht gefallen, verlautete dazu aus dem Pentagon. Derzeit befinden sich demnach rund 8400 amerikanische Soldaten in Afghanistan.    

Die Regierungsarmee kontrolliert nach US-Angaben nur noch bestenfalls zwei Drittel des Landes. Die einheimischen Sicherheitskräfte gelten als überfordert. Neben den Taliban machen sich auch die Schergen des dschihadistischen "Islamischen Staats" (IS) in immer mehr Provinzen breit. Zuletzt waren sie durch US-Luftangriffe und eine Bodenoffensive der afghanischen Armee jedoch unter Druck geraten.

Zweite Front gegen den IS 

Erst am Freitag hatten die US-Streitkräfte den Tod des Kommunikationschefs des IS, Dschwad Khan, durch einen Luftangriff bestätigt. Damit werde die Rekrutierung neuer Kämpfer erschwert, erklärte der oberkommadierende General John Nicholson dazu. 

IS-Kämpfer sollen nach Regierungsangaben aus Kabul derweil den legendären Höhlenkomplex Tora Bora im Osten des Landes von den Taliban erobert haben. Dort soll sich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Al-Kaida-Chef Osama bin Laden zeitweilig versteckt haben. Örtliche Stammesführer bestätigten die Einnahme durch die IS-Dschihadisten.  

Im April hatten die USA in der Provinz Nangarhar, in der auch Tora Bora liegt, erstmals ihre größte nicht-atomare Bombe eingesetzt; beim Abwurf sollen laut afghanischen Angaben an die 100 Dschihadisten getötet worden sein.

SC/jj (rtre, afpe, APE, dpa)