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Asien

Afghanischer Flüchtling bot Menschen bei Amoklauf Schutz

Für andere ist es eine Heldentat, für ihn selbst "keine große Sache": Während der Massenpanik beim Amoklauf in München bot Amir Najiarazadeh 200 Menschen Schutz. Ein Gespräch mit ihm über den Tag und die Folgen.

DW: Seit Kurzem sind Sie in den deutschen Medien in den Schlagzeilen. Wie ist es dazu gekommen?

Amir Najiarzadeh: Es war eigentlich keine große Sache. Ich habe einfach aus Menschlichkeit gehandelt. Ob Deutscher oder Flüchtling, für mich sind alle Menschen gleich. Wenn ich gekonnt hätte, hätte ich den Amokläufer dingfest gemacht und ihm die Waffe abgenommen, aber das lag nicht in meiner Hand. Was ich jedoch tun konnte, war, die vielen Menschen in Sicherheit zu bringen. Die Polizei sagte uns, dass es möglich sei, dass der Angreifer sich im Gebäude befindet und deshalb bin ich mit den Menschen zusammen in den Keller gegangen, zwei Etagen tiefer. Unter den Menschen, die von draußen bei uns im Nebengebäude des Olympia-Einkaufszentrums Schutz suchten, waren auch einige Kinder ohne Begleitung und eine schwangere Frau. Nachdem ich sie in Sicherheit gebracht hatte, begab ich mich wieder nach oben in den Laden, um die Sicherheit auch hier zu gewährleisten.

Was hat Sie in diesen Minuten angetrieben?

Ich hatte keine spezielle Motivation. Ich hatte einfach selbst Angst. Überall hört man von den grauenvollen Taten des IS und anderen Terroristen in anderen Ländern und mir gingen diese Bilder durch den Kopf. Ich hatte nicht Angst um mich, sondern um die Menschen. Die ganze Zeit befürchtete ich, dass der Täter auch in dieses Gebäude kommt und unschuldige Menschen angreift. Mein eigenes Leben war mir in dem Moment nicht wichtig. Ich arbeite als Sicherheitsmann und es ist meine Aufgabe, andere zu beschützen.

Viele der jüngsten Terrorattacken werden von Menschen verübt, die ursprünglich aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Pakistan oder dem Iran kommen. Ging Ihnen das auch durch den Kopf?

In den Medien hörte ich von dem Axt-Angreifer in Würzburg. Erst hieß es, er sei Afghane und dann doch, dass er eigentlich aus Pakistan kam. Während des Amoklaufs im München habe ich die ganze Zeit gehofft, dass es kein Afghane oder Muslim ist. Diese Menschen beschmutzen den Namen des Islam und ihre Herkunftsländer. Sie sind eine Schande für uns.

Fühlen Sie sich als Held?

Ich freue mich darüber, dass ich im Namen aller Afghanen eine gute Tat vollbringen konnte. Ich möchte, dass die Menschen wissen, dass wir Afghanen keine Terroristen sind und dass nicht wir es sind, die den Terror in der Welt verbreiten. Deutschland soll wissen, dass wir Afghanen so etwas nicht tun. Wenn wir etwas bekommen, dann geben wir auch etwas zurück. Das konnte ich hoffentlich zeigen.

Der aus Afghanistan stammende Amir Najiarzadeh arbeitet als Sicherheitsmann in München.

Das Interview führte Amanullah Jawad.

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