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Politik

Afghanische Polizei "weitgehend unfähig"

Einem US-Bericht zufolge ist die afghanische Polizei nicht in der Lage, Routineaufgaben zu erfüllen. Unterdessen verschlechtert sich die Sicherheitslage weiter.

Afghanische Soldaten neben einem durch einen Selbstmordanschlag beschädigten Nato-Fahrzeug

Afghanische Soldaten neben einem durch einen Selbstmordanschlag beschädigten Nato-Fahrzeug

Die von den USA ausgebildete afghanische Polizei ist nach einem jüngsten Washingtoner Regierungsbericht "weitgehend unfähig", ihre Routine-Aufgaben zu erfüllen. Die für das Ausbildungsprogramm Verantwortlichen könnten nicht einmal sagen, wie viele Polizisten derzeit im Dienst seien, heißt es in einem gemeinsamen Report des Pentagons und Außenministeriums, über den die New York Times am Montag (4.12.2006) berichtete. Insgesamt werden in dem Bericht weit verbreitete Inkompetenz und Korruption angeprangert.

Unklar sei auch, wo tausende Fahrzeuge und andere Ausrüstungsgegenstände geblieben seien. Die meisten Polizeieinheiten hätten weniger als die Hälfte der ihnen zugestandenen Ausrüstung in ihrem Besitz. Die praktische Ausbildung der Polizei sei mehr als mangelhaft und müsse stark verbessert werden. Die USA haben bisher 1,1 Milliarden Dollar (etwa 830 Millionen Euro) für das Polizeitraining in Afghanistan ausgegeben. Das meiste Geld floss an eine private Firma aus dem US-Bundesstaat Virginia, die auch den größten Teil der Polizeiausbildung im Irak übernommen hat.

Schwere Kämpfe am Wochenende

Bei Kämpfen in Afghanistan sind unterdessen in den vergangenen Tagen über 70 Menschen ums Leben gekommen. Zuletzt ist eine Patrouille der Bundeswehr im nordafghanischen Kundus beschossen worden. Das Verteidigungsministerium in Berlin teilte am Montag mit, niemand sei bei dem Angriff am Vorabend verletzt worden. Die Soldaten hätten das Feuer erwidert. Eines der drei geschützten Patrouillen-Fahrzeuge vom Typ Dingo sei leicht beschädigt worden, habe aber weiter fahren können. Die Soldaten hätten auch zurück geschossen, sagte ein Ministeriumssprecher. Der Anschlag zeige, dass auch im Norden Afghanistans die Lage weder ruhig noch stabil sei. Man habe es auch hier mit einer hohen Gefährdung zu tun.

Bei schweren Kämpfen in Südafghanistan wurden nach Angaben der Internationalen Schutztruppe ISAF mindestens 70 radikal-islamische Rebellen getötet. ISAF-Sprecher Luke Knittig sagte am Montag in Kabul, das vierstündige Gefecht in der Provinz Helmand sei am Vortag von einem Angriff der Rebellen ausgelöst worden. Soldaten der NATO-geführten ISAF und der afghanischen Armee hätten das Feuer erwidert. Die ISAF habe Kampfhubschrauber eingesetzt und die Rebellen aus der Luft beschossen. Zwischen 70 und 80 Aufständische seien getötet worden. Über getötete oder verwundete Soldaten wurde nichts bekannt.

Schwere Vorwürfe gegen NATO-Truppen

Afghanistan ISAF Soldaten aus Deutschland Nördliche Provinzen

Deutsche Soldaten in ihrer Basis in Masar-i-Sharif (Archivbild)

Bereits am Wochenende wurde in der südafghanischen Stadt Kandahar ein Selbstmordanschlag auf die Internationale Schutztruppe ISAF verübt. Nach dem Anschlag sind schwere Vorwürfe gegen die NATO-geführte ISAF laut geworden. "Kurz nach dem Anschlag haben die NATO-Kräfte damit begonnen, wahllos auf die Einheimischen zu feuern", sagte ein Parlamentsabgeordneter am Sonntag. Mehrere Zivilisten seien getötet worden. "Das Volk und ich als Parlamentsabgeordneter verurteilen diese Tat." Die NATO-Truppen "behandeln jeden als Terroristen". Die ISAF teilte mit, sie untersuche Vorwürfe, wonach ISAF-Soldaten nach dem Anschlag vom Sonntag "Warnschüsse" abgegeben und Zivilisten getötet hätten.

Bei dem Anschlag auf die ISAF im belebten Stadtzentrum hatte der Attentäter zwei afghanische Zivilisten mit in den Tod gerissen. Besonders im Süden und Osten Afghanistans kommt es immer wieder zu Anschlägen und schweren Kämpfen mit Rebellen. Nach ISAF-Angaben sind in diesem Jahr mindestens 227 afghanische Zivilisten und 17 ISAF-Soldaten bei rund 100 Selbstmordanschlägen im Land getötet worden.

Sicherheitslage so schlecht wie nie

Die Bundeswehrführung befürchtet nach einem "Spiegel"-Bericht verstärkte Taliban-Angriffe in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Unter Berufung auf einen vertraulichen Lagebericht schreibt das Magazin, "militante Oppositionskräfte" hätten angekündigt, im Winter den Kampf "auf die großen Städte des Landes zu konzentrieren". In zwei Bezirken, die "Vorbereitungs- und Aufstellungsraum" für Angriffe in Kabul seien, verschlechtere sich die Lage so sehr, dass sich afghanische Sicherheitskräfte nachts nicht mehr auf die Straße trauten. In "Gruppen von bis zu acht Mann" würden Kämpfer durchgeschleust.

Insgesamt ist die Sicherheitslage in Afghanistan so schlecht wie nie seit dem Sturz der Taliban. Seit Jahresbeginn kostete der besonders im Süden und Osten tobende radikal-islamische Aufstand mehr als 3900 Menschen das Leben, mehr als vier mal so viele wie im gesamten vergangenen Jahr.

Der Mohnanbau zur Gewinnung von Rohopium in Afghanistan hat in diesem Jahr trotz aller Bemühungen zur Eindämmung einen Rekordstand erreicht. Nach einer Untersuchung der US-Regierung wurden im Laufe der vergangenen elf Monate 5644 Tonnen Opium produziert - ein Anstieg um 26 Prozent. Zugleich wuchs auch die Anbaufläche für Mohnpflanzen um 61 Prozent, zitierten US-Medien am Samstag aus der Studie der Washingtoner Drogenbehörde. Aus Rohopium wird Heroin gewonnen. Das Opium aus Afghanistan macht nach Schätzungen mehr als 90 Prozent des weltweiten Heroin-Aufkommens aus. (rri)

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