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"Weibliche Top-Gun"

Afghanische Pilotin bittet um Asyl in den USA

"Schönste Pilotin der Welt" - Afghanistans erste Luftwaffenpilotin seit Jahrzehnten sollte der Beleg für die neue Freiheit der Frauen nach den Taliban sein. Jetzt will Nilofar Rahmani Asyl in den USA.

Die 25-Jährige habe gerade ein 15-monatiges Training in den USA absolviert und weigere sich nun, nach Afghanistan zurückzukehren, melden US-Medien übereinstimmend. Sie habe schon im Sommer Asyl beantragt.

Selbst die Familie geht auf Distanz

Die Zeitung "Wall Street Journal" berichtet von Todesdrohungen der radikalislamischen Taliban, aber auch aus Rahmanis eigener Familie. Mit ihrer unkonventionellen und mit den Traditionen in Afghanistan nicht vereinbarer Arbeit beschäme sie die ganze Familie. Rahmani fürchte nun um ihr Leben. Der "New York Times" sagte Rahmani, ihre männlichen Kollegen bei der Luftwaffe behandelten sie schlecht. "Die Dinge verändern sich nicht zum Besseren in Afghanistan", sagte sie. Im Gegenteil: "Die Dinge werden schlimmer und schlimmer."

Schon im vergangenen Jahr hatten afghanische Medien berichtet, dass Unbekannte Nilofar Rahmanis Bruder angegriffen hatten. Die Familie musste seither offenbar mehrmals umziehen, um sich zu schützen.

Verärgerung in Kabul

Die afghanische Regierung reagierte heftig auf Rahmanis Weigerung zurückzukommen. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mohammed Radmanisch, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die junge Kampfpilotin habe die Drohungen gegen sie nur erfunden, um Asyl beantragen zu können. "Hätte sie wirklich Probleme gehabt, hätte sie sich bei zahlreichen Stellen beschweren können." Er sagte, Rahmani sei eine Schande. Ein Offizier müsse Tapferkeit im Angesicht des Feindes zeigen und dürfe nicht davonrennen.

Die Pilotin war in Afghanistan und international als Symbol für die neue Freiheit von Frauen in der Zeit nach der Taliban-Herrschaft gepriesen worden. Ihre Geschichte wurde in Dutzenden Magazinen und Zeitungsartikeln in aller Welt erzählt - inklusive großer Fotostrecken, die eine attraktive Frau mit Pilotenbrille, lässig getragenem Kopftuch und im eng anliegenden Fliegeroverall zeigten. "Schönste Pilotin der Welt" oder "weibliche Top Gun", schrieben einige Zeitungen.

Ein alter Kindheitstraum

Schon als Kind habe sie Pilotin werden wollen, es sei ihr großer Traum gewesen, hat Nilofar Rahmani oft erzählt. Ihre Vorbilder seien zwei Hubschrauberpilotinnen, die es während der Sowjetzeit in Afghanistan gab. Die Eltern hätten sie unterstützt. Vor drei Jahren schloss sie schließlich ihre Ausbildung ab. Im vergangenen Jahr verlieh ihr das US-Außenministerium den "Mutige Frauen"-Preis. Michelle Obama hielt die Rede und sagte, Nilofar Rahmani fliege weiter, trotz der Drohungen der Taliban und aus ihrer Familie.

haz/sc (dpa, rtr, NYT)