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Kultur

Afghanische Medien nach dem Machtwechsel

Das Erscheinen der Eintages-Zeitung Anis versprach eine neue Pressefreiheit in Afghanistan. Doch können diese Hoffnungen erfüllt werden? Ein Blick hinter die Kulissen der Medienwelt in dem zerrütteten Land.

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Als Ende November, zwei Wochen nach dem Machtwechsel in Kabul, die erste Zeitung erschien, wurde dies von der Welt als ein weiteres Zeichen für den Neubeginn nach fünf Jahren Informationssperre durch die Taliban gewertet. Das Foto der unverschleierten Frauen auf der Titelseite schien dahingehend ebenfalls Symbolwert zu haben. Der Haken an der Sache: Anis – so der Titel der Zeitung – gab es nirgendwo zu kaufen. Die Auflage war so gering, dass sie praktisch nur an Behörden und Ministerien verteilt wurde. Und es blieb bei dieser einen Ausgabe. Bislang ist kein weiteres Exemplar erschienen. Michael Weidemann über den Neuanfang ohne Pressefreiheit:

Das Gebäude im Stadteil Micro Rajion, in dem Redaktion und Produktion von Anis untergebracht sind, ist verwaist. Nur Mohamad Aref, der Leiter der Transportabteilung hält hier die Stellungen. Berichte gäbe es schon genug, sagt er ...

"... aber die Journalisten können nicht einfach mit ihren Artikeln hier ankommen und sie ins Blatt rücken lassen. Zuerst müssen sie sie ihrem Sektionsdirektor im Informationsministerium vorlegen. Und erst wenn ihre Berichte dort bestätigt werden, sind sie zum Druck frei gegeben. Bisher hat das Informationsministerium allerdings noch keine neue Ausgabe genehmigt."

Unabhängige Berichterstattung wird angestrebt

Wie sich herausstellt, sind es nicht etwa Beamte der neuen Regierung, die über die Inhalte der Phantomzeitung wachen. Es handelt sich vielmehr um die Mitarbeiter der staatlichen Nachrichtenagentur Bachtar, die dem Informationsministerium angegliedert ist. Und diese zensieren nicht etwa die Beiträge von Anis-Journalisten, denn solche gibt es derzeit nämlich gar nicht. Stattdessen stammen alle Berichte der Eintages-Zeitung direkt aus der Feder der Bachtar-Autoren. Von staatlichem Verlautbarungsjournalismus könne trotzdem keine Rede sein, meint Bachtar-Chefredakteur Sidiku Latour Hidi:

"Wir begnügen uns nicht mit den offiziellen Informationen, die wir aus den Kreisen der neuen Regierung erhalten. Unsere Journalisten machen sich auf den Pressekonferenzen selbst ein Bild und recherchieren eigenständig. Bachtar läßt sich auch keine Beiträge zur Veröffentlichung aufzwingen. Das hat allerdings auch noch niemand ernsthaft versucht."