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Asien

"Afghanische Kräfte müssen die Lücke füllen"

Deutschland beschleunigt den Truppenabzug aus Afghanistan. Im Norden des Landes, dem Verantwortungsbereich der Bundeswehr, sieht man den Zeitplan der Bundeswehr mit gemischten Gefühlen.

Soldaten stehen am Montag (12.11.12) am Internationalen Flughafen in Kabul (Afghanistan) bei einem Besuch von Verteidigungsminister de Maiziere (CDU) neben einem Transportflugzeug Transall vom Typ C-160 (l.). Foto: Oliver Lang/dpa

Symbolbild - Bundeswehr in Afghanistan

1.460 Bundeswehrsoldaten sollen bis Ende Februar 2014 aus Afghanistan nach Hause zurückkehren, so die Planungen, die Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Außenminister Guido Westerwelle am Mittwoch in Berlin vorstellten. Damit wird die Truppenstärke um rund ein Drittel von derzeit 4.760 auf 3.300 verringert. Nach dem Beschluss des neuen Mandats im Kabinett (28.11.) hat im Januar der Bundestag das letzte Wort, er wird damit zum 16. Mal über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr abstimmen.

Skeptische Reaktionen

Für die Menschen in Afghanistan stellt sich die Frage, ob ihre eigenen Sicherheitskräfte der Aufgabe wirklich gewachsen sind. Akhtar Sohail aus der nördlichen Stadt Mazar-i-Scharif , in deren Nähe auch das deutsche Bundeswehrcamp "Marmal" liegt, hat seine Zweifel. "Die Situation im Norden wird in den Medien oft so dargestellt, als wäre die Sicherheitslage gut und besser als im restlichen Teil des Landes. Aber in der letzten Zeit hat sich der Wind gedreht und die Ereignisse zeigen, dass auch der Norden seine Sicherheit verliert", so die Einschätzung des 25-jährigen Schriftstellers. Am ersten Tag des islamischen Opferfestes im vergangenen Oktober hatte ein Selbstmordattentäter über 40 Menschen in einer Moschee im Nordwesten Afghanistans getötet.

Vertrauen auf afghanische Kräfte

Außernminister Westerwelle und Verteidigungsminister de Maiziere auf einer gemeinsamen Pressekonferenz (Foto: REUTERS/Thomas Peter)

Thomas de Maiziere und Guido Westerwelle verkünden den Abzug der Truppen

Die schrittweise Reduzierung des Bundeswehrkontingents ist Teil des planmäßigen NATO-Abzugs aus Afghanistan, der bis Ende 2014 abgeschlossen sein soll. Aber nicht alle Bewohner von Masar-i-Sharif sehen pessimistisch in die Zukunft. Bejan zum Beispiel ist zuversichtlich. Der 25-jährige Jura-Student aus Mazar-i-Sharif glaubt, dass der Abzug keine großen Auswirkungen auf seinen Alltag haben wird.

"Im Norden hatten die ausländischen Soldaten von Anfang an keinen großen Einfluss auf die Sicherheitslage. Hier im Norden hatten hauptsächlich die afghanischen Kräfte die Lage unter Kontrolle." Im Süden könnte die Sache natürlich anders aussehen, so Bejan weiter. Denn die Extremisten sind hauptsächlich im Süden des Landes vertreten, und dort finden auch die meisten Kampfeinsätze statt.

Psychologische Bedeutung

Soldaten der Afghanischen Nationalarmee (ANA) treten zum Appell an (Foto: DW/ Hussein Sirat aus Kabul)

Soldaten der Afghanischen Nationalarmee (ANA) werden die Lücke füllen müssen

Der politische Experte und Journalist Qayum Babak sieht die Auswirkungen der deutschen Pläne zur weiteren Reduzierung ihrer Militärpräsenz eher im Psychologischen. Die deutschen Soldaten seien nicht in großem Umfang an Kampfeinsätzen beteiligt gewesen, "sie hatten aber eine wichtige symbolische Bedeutung, weil sie den afghanischen Kräften das Gefühl gegeben haben, jemanden im Rücken zu haben", so die Einschätzung des 52-Jährigen.

Die Bevölkerung im Norden, so Babak, wisse, dass angesichts der Ankündigung des Rückzugs bis 2014 eine Truppenreduzierung alleine keine Veränderung im Krieg in Afghanistan bringen werde. Wie Babak sieht auch der Händler Sayed Mujtaba Hossaini aus Masar-i-Scharif die Veränderung eher in der Stimmungslage: "Die deutschen Soldaten ziehen nach ihrem Plan ab. Die afghanischen Soldaten werden diese Lücke füllen müssen." Er, Sayed Hossaini, glaube nicht, dass das ein großes Problem darstellen wird. Dennoch sei der Abzug der Deutschen problematisch. "Die Präsenz der ausländischen Soldaten hat den Menschen ein Gefühl der Sicherheit gegeben."

Die Bewohner im Norden Afghanistan haben in den letzten 30 Jahren viele Kampfkräfte kommen und gehen sehen. Hossaini sagt, dass die Afghanen nur eins wollen: Frieden. Das neue Afghanistan-Mandat der Bundeswehr soll eine Laufzeit von 13 Monaten haben. Damit endet es kurz vor der für April 2014 angesetzten Präsidentenwahl in Afghanistan, die für die demokratische Entwicklung des Landes eine weitere Prüfung darstellt.

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