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Politik

Afghanische Bombenleger leisten "Entscheidungshilfe"

Der Anschlag auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan zeigt, wie gefährlich ihr Einsatz ist. Ihre Mission wird immer mehr in Frage gestellt. Für den Einsatz gilt das Motto "Ganz oder gar nicht", meint Peter Philipp.

Themenbild Kommentar

Philipp Peter

Peter Philipp

Der zehnte Anschlag auf Angehörige der Bundeswehr in Afghanistan innerhalb von anderthalb Jahren schockiert, er wird nun aber mit Sicherheit wieder einmal die Diskussion antreiben und verschärfen, ob der Einsatz deutscher Soldaten am Hindukusch überhaupt sinnvoll ist. Auch natürlich, wie man sich dem Drängen der NATO-Partner erwehren kann, in Zukunft noch entschlossener einzugreifen und sich auch an Kampfeinsätzen im heiß umkämpften Süden des Landes zu beteiligen.

Erst vor einigen Tagen hatte eine britische Untersuchung ergeben, dass die Lage in Afghanistan explosiver und gefährlicher sei als die im Irak. Zumindest in Deutschland für manchen vielleicht überraschend, denn hier war man von offizieller Seite doch immer beruhigt worden, Hauptaufgabe der internationalen Truppen – unter ihnen auch die Bundeswehr – sei es, das Land wiederaufzubauen, ihm Demokratie zu bringen und letztlich dort auch unsere Demokratie zu verteidigen. Dass dieser Einsatz einen Preis haben würde, wurde immer wieder klein geredet: Die deutschen Soldaten seien im Norden eingesetzt und dort herrsche weitgehend Ruhe. Dort könne – und werde – man sich weiterhin auf die besagten Aufbauprojekte konzentrieren.

Das Land ganz abschreiben?

Zehn Anschläge in 18 Monaten hatten auch diese Darstellung längst zur Fiktion werden lassen. Aber die Bundeswehr befand sich bisher eben doch in einer weitaus bequemeren Situation als ihre NATO-Partner im Süden, die einen immer schmerzlicheren Blutzoll haben lassen müssen. Berlin hatte die "Wahl zwischen Cholera und Pest": Entweder man beteiligt sich am Kampfeinsatz und kommt damit seinen Verpflichtungen als Bündnispartner nach – mit allen Konsequenzen, die das bedeutet. Oder aber man versteckt sich weiter hinter den frommen Erklärungen, dass man ja auch in der gegenwärtigen Aufstellung wertvolle Arbeit leiste – obwohl sich in der Bevölkerung längst die Stimmung breit macht, Afghanistan ganz abzuschreiben und die Soldaten zurückzuholen.

Solch eine Radikallösung wird von den Verantwortlichen in Berlin abgelehnt, wohl ist aber keinem dabei. Zumal man natürlich auch in Deutschland weiß, dass die Sicherheitsprobleme in Afghanistan nicht durch Zurückhaltung und Prinzipienreiterei gelöst werden können. So makaber das klingen mag: Die Bombenleger der Taliban dürften mit ihren Überfällen nun den Politikern "Entscheidungshilfe" leisten.

Deutschland muss sich intensiver mit diesem Einsatz beschäftigen

Wahrscheinlich ist das von Seiten der Taliban sogar gewollt, denn die Unschlüssigkeit der Deutschen dürfte sich bis in die Schlupfwinkel der islamistischen Extremisten herumgesprochen haben, die sich anschicken, Afghanistan wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Und sie hoffen, dass Unschlüssige schneller bereit sind, das Handtuch zu werfen und abzuziehen.

Keine abwegige Annahme, die gleichwohl fatale Konsequenzen haben könnte: Noch intensiver wird Deutschland sich nun mit seinem Einsatz in Afghanistan beschäftigen müssen und immer deutlicher wird dabei, dass es nur die Wahl gibt zwischen vollem oder keinem Einsatz. Die vermeintliche Alternative ist, den Anschlägen der Taliban zum Opfer gefallen.