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Asien

Afghanen warten auf den Wiederaufbau

Auch der Wiederaufbau des Landes war Thema auf der Afghanistan-Konferenz. Und er wird noch lange Thema bleiben, meinen die Afghanen. Ein Stimmungsbild.

Wiederaufbau in Herat

Wiederaufbau in Herat

Wenn man in Afghanistan Menschen auf der Straße nach ihrer Meinung über die bisherigen Wiederaufbau-Programme fragt, hört man oft Negatives. Im Norden, wo die Sicherheitslage besser ist, sind zwar auch optimistische Töne zu hören. Im umkämpften Süden des Landes jedoch haben die Bürger kaum Hoffnung. Ein Bewohner von Kundus im Nordosten spricht aus, was viele denken: "Wiederaufbau heißt nicht nur die Stadt aufzubauen. Die Gründung von Fabriken, Schaffung von Arbeitsplätzen gehört ebenfalls dazu. Leute müssen ja ihre Kinder und Familien ernähren können. Sie sollen wenigstens Fabriken gründen. In diesem Fall könnte ich dort arbeiten. Wo gibt es denn hier bei uns Arbeit? Zeige sie mir!"

Platz in Verkehrsmitteln wird nicht verschwendet: Frauen in Kandahar

Platz in Verkehrsmitteln wird nicht verschwendet: Frauen in Kandahar

"Egal, wer König ist..."

Die Regierung von Präsident Hamid Karsai, die viele Afghanen für korrupt halten, hat es nicht geschafft, den anfänglichen Vertrauensbonus zu nutzen. Der Präsident, der von vielen als "König" angesehen wird, kann den Menschen offenbar nicht das Gefühl geben, dass sich ihr Leben zum Besseren wenden wird. "Uns hilft doch niemand", meint ein Straßenhändler in Kabul. "Ich werde genauso wie früher ein Straßenhändler bleiben. Egal wer zum König gemacht wird - an meiner Situation wird sich nichts ändern. Ich werde nie etwas anderes als ein Straßenhändler sein."

Vor allem im kriegsgebeutelten Süden des Landes verlieren die Menschen die Geduld. Das Leben habe sich keinen Deut verbessert, meint Said Wali, ein Geschäftsmann aus Kandahar: "Jeden Tag hören wir in den Nachrichten, dass viel Geld für Afghanistan ausgegeben wird. Doch es passiert gar nichts. In unserem Leben merke ich keine großen Änderungen."

"Zufriedenstellender Aufbau"

Eine Metzgerei in Kabul

Eine Metzgerei in Kabul

Nach offiziellen Angaben flossen bisher 36 Milliarden US-Dollar, umgerechnet fast 28 Milliarden Euro, aus dem Ausland nach Afghanistan. Vor allem in Regionen, wo die Sicherheitslage vergleichsweise stabil ist, wurde dieses Geld in die Infrastruktur investiert. Mazar-e-Scharif im Nordwesten des Landes ist eine dieser Städte. "Der Wiederaufbauprozess der Stadt Mazar-e-Scharif ist zufriedenstellend", sagt ein Bewohner. "Wir sind wirklich froh deswegen. Angesichts von drei oder vier Jahrzehnten Krieg, die wir erlebt haben, ist der Wiederaufbau wirklich nicht schlecht."

Doch nicht alle in Mazar-e-Scharif sind so begeistert wie Obeydullah Shams. Haji Mumin zum Beispiel, kritisiert, dass die internationale Gemeinschaft die Hilfsmittel vor allem in Sicherheitsanlagen gesteckt hat: "Die Straßen sind bis hier zu einem gewissen Grad aufgebaut worden. Aber in den Distrikten sieht alles alt und abgenutzt aus. Hier und da hat man Polizeistationen aufgebaut. Ansonsten sind die Straßen in diesen Gebieten beschädigt, die kleinen Brücken sind unbrauchbar."

Autoren: Mehnosch Entezari/ Cem Sey
Redaktion: Mathias Bölinger