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Asien

Afghanen skeptisch nach Obamas Abzugsplänen

US-Präsident Obama will die 34.000 US-Soldaten, etwas mehr als die Hälfte der jetzigen Stärke, binnen eines Jahres aus Afghanistan abziehen. Die Regierung Karsai begrüßt die Entscheidung als überfällig.

Das Präsidialbüro des afghanischen Präsidenten gab in einer Erklärung bekannt, dass Afghanistan sich seit längerem eine solche Ankündigung gewünscht habe und dass der Abzug internationalen Truppen sicherlich dabei helfen werde, Frieden und Sicherheit in Land zu gewährleisten. Zahir Azimi, Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, ergänzte: "Wir werden bis Ende 2013 die Sicherheitsverantwortung für ganz Afghanistan übernehmen." Die afghanischen Sicherheitskräfte besäßen die dafür nötige Fähigkeit und Stärke.

Zurzeit leisten in Afghanistan 157.000 Soldaten und 190.000 Polizisten ihren Dienst. Die Gesamtzahl der Sicherheitskräfte soll bis 2014 auf 352.000 steigen. Die afghanische Seite betont, dass die eigenen Sicherheitskräfte bereits jetzt schon für 80 Prozent des Landes die Verantwortung trügen und die Sicherheit gewährleisteten.

"US-Hilfe weiterhin nötig"

Toryalai Wesa, Gouverneur der Provinz Kandahar (Foto: DW)

Toryalai Wesa, Gouverneur der Provinz Kandahar, sieht USA in der Pflicht.

Wegen fehlender Ausrüstung sind die afghanischen Truppen in punkto Luftunterstützung jedoch weiterhin von den internationalen Kräften abhängig. Die USA haben die wiederholten Bitten Afghanistans um Ausrüstung für seine Luftwaffe bislang abschlägig beschieden.

Toryalai Wesa, Gouverneur der Provinz Kandahar, wo die Taliban traditionell stark sind, sieht die Amerikaner weiterhin in der Pflicht: "Die USA müssen Afghanistan im Rahmen eines verantwortungsvollen Prozess verlassen und zur Stärkung des Friedensprozesses jede mögliche Hilfe leisten", sagte er gegenüber der Deutschen Welle. "Sie müssen uns bei Ausrüstung und Ausbildung unserer Truppen behilflich sein."

Afghanische Militärexperten sind, anders als die Regierung, skeptisch, was die Aussichten für Frieden und Sicherheit im Land betrifft. Der afghanische Ex-General Atiqullah Barialai sieht vor allem innenpolitische Gründe für Obamas Entscheidung. "Aber in Afghanistan geht der Krieg unvermindert weiter und die Zahl der Angriffe durch die Taliban ist immer noch sehr hoch. Zudem gibt es keine vertrauenbildenden Maßnahmen für Kompromisse und Versöhnung", so Barialai gegenüber der Deutschen Welle.

Politisch-militärisches Vakuum

Präsident Karsai mit seinem pakistanischen Amtskollegen Asif Ali Zardari (Foto: dapd)

Präsident Karsai mit seinem pakistanischen Amtskollegen Asif Ali Zardari. Das Misstrauen gegenüber dem Nachbarn wird durch den US-Abzug noch verstärkt.

Wird Afghanistan mit dem Abzug der internationalen Truppen ein weiteres Mal, wie nach dem Abzug der Sowjetarmee 1989, in Bürgerkriegschaos abgleiten und zum Spielball ausländischer Interessen? Das befürchtet wie viele andere Afghanen auch Mohammad Omar Sati, Mitglied des Friedensrates der Provinz Kandahar: "Leider sind wir von lokalen Feinden und feindlichen Nachbarn umgeben, die auf der Lauer liegen und uns mit ihren Intrigen in die Falle locken wollen."

Die Taliban reagierten auf Obamas Ankündigung mit der bekannten Forderung eines sofortigen Truppenabzugs. Die Probleme im Land würden nur mit dem schnellen Abzug internationaler Truppen und durch die Afghanen selbst gelöst, wurde Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid von westlichen Agenturen zitiert.

Was bleibt nach 2014?

Beerdigung von Arsala Rahmani in Kabul (Foto: AEP/Amiri)

Müssen Hoffnungen auf Frieden mit den Taliban zu Grabe getragen werden?

Beobachter glauben jedoch, dass die Taliban an einer friedlichen Löِsung nicht interessiert sind, sondern den Abzug der ausländischen Truppen abwarten, um ihre Angriffe zu intensivieren. Militärexperte Barialai liefert eine pessimistische Einschätzung: "Die Taliban planen die Ausweitung ihrer Angriffe und die Besetzung weiterer Gebiete. Die afghanischen Sicherheitskräfte werden es nicht schaffen, den Aufständischen Einhalt zu gebieten."

Nun ist man in Afghanistan gespannt, welches Ergebnis die aktuellen Verhandlungen über ein Sicherheitsabkommen mit den USA bringen werden. Denn darin geht es um die Details der Ausbildung und Ausrüstung der afghanischen Armee durch die USA und um den Umfang einer auch nach 2014 verbleibenden Anti-Terror-Truppe der USA.

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