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Sport

Afghanen entdecken den Fußball wieder

Über zwei Jahrzehnte wurde in Afghanistan die Entwicklung des Fußballs von den Kommunisten und noch mehr vom Taliban-Regime verhindert. Mit tadschikischer Nachbarschaftshilfe erlebt die Sportart nun einen Aufschwung.

Zweimaliger Landesmeister: Die Mannschaft des Fußball-Klubs Shaheen Asmayee (Foto: DW)

Zweimaliger Landesmeister: Die Mannschaft des Fußballclubs Shaheen Asmayee

Tadschikische Trainer sind in Afghanistan willkommen, wenn es darum geht, Fußball-Mannschaften auf nationale und internationale Spiele vorzubereiten. So wurden sieben von acht Fußballclubs, die sich für die diesjährige afghanische Premier League qualifiziert hatten, von Tadschiken trainiert. Die Saison ist jetzt zu Ende gegangen. Afghanischer Landesmeister wurde der Club Shaheen Asmayee. Das Team wird von Boir Igamberdijew betreut, einem Fachmann von der staatlichen tadschikischen Sporthochschule.

Shaheen Asmayee repräsentiert in der afghanischen Premier League die Region um Kabul. Wie in vielen anderen Regionen des Landes wurde der Club im Jahr 2012 gegründet. In der Saison 2013 wurde er erstmals Meister, nun folgte die Titelverteidigung.

Fußballverband mit Tradition

Ebenfalls im Jahr 2012 wurde die Afghan Premier League gegründet. Jede der fünf Regionen Afghanistans - Osten, Zentrum, Westen, Norden und Kabul - ist in der Liga mit den neugegründeten Vereinen vertreten. Veranstalter der Meisterschaft ist die Afghanistan Football Federation.

Die Föderation entstand 1922. Jahrzehntelang organisierte der Fußballverband eine nationale Meisterschaft, bei der lange Zeit die bekannteste Mannschaft des Landes, Ariana, einen Titel nach dem anderen holte. Doch Mitte der 1980er Jahre, bedingt durch die Invasion und Besetzung Afghanistans durch die Sowjetunion, wurden alle Fußballaktivitäten in Afghanistan für zwei Jahrzehnte unterbrochen. Erst nach dem Fall der Taliban im Jahr 2001 wurden sie wieder aufgenommen. Eine Landesmeisterschaft konnte im Jahr 2012 erstmals wieder durchgeführt werden. Finanziert wird sie von der Afghanischen Fußball-Föderation und Sponsoren.

Kaum Profi-Spieler

Trainer Boir Igamberdijew (Foto: DW)

Boir Igamberdijew: Die meisten Spieler betrachten den Fußball als Hobby

Fußball in Afghanistan sei heute eher etwas für Liebhaber, sagte der tadschikische Sportexperte Boir Igamberdijew im Gespräch mit der Deutschen Welle. Das durchschnittliche Einkommen eines afghanischen Spielers betrage etwa 200 US-Dollar im Monat. Deswegen würden viele Fußballer die Spiele meist nur als Hobby betrachten. Auch alle Spieler des zweifachen Landesmeisters Shaheen Asmayee würden einem Beruf nachgehen.

"Sie arbeiten als Händler auf Märkten, sind Lehrer oder Polizisten. Sport treiben sie in ihrer Freizeit. Für die Teilnahme an der Premier League werden sie für anderthalb Monate vom Dienst freigestellt", erzählte Igamberdijew. Dennoch sei es für die Fußballclubs nicht einfach, Spieler für die Premier League zu gewinnen.

Der Fußball in Afghanistan, so Igamberdijew, beginne sich erst langsam neu zu entwickeln. Im Unterschied zu Tadschikistan gebe es noch keinen Kinder- oder Jugendsport an den Schulen. "Erst spielen die Afghanen auf staubigem Ödland, treten dann meist erst in eine studentische Fußballmannschaft ein, mit der sie in Stadien trainieren können. Dann wird vielleicht der eine oder andere Spieler von einem größeren Fußballclub eingeladen", erläuterte der tadschikische Sportexperte.

Gute Nachbarschaft

Trainer aus Duschanbe in Kabul (Foto: DW)

Eine Gruppe tadschikischer Trainer aus Duschanbe im afghanischen Kabul

Da es in Afghanistan kaum Profis gibt, sieht sich der Fußballverband des Landes oft nach ausländischen Fachkräften um. Viele Trainer kommen aus Tadschikistan. "Die Afghanen machen keinen Hehl daraus, dass ihre Clubs nicht Trainer aus Europa engagieren können. Das ist eine Geldfrage", sagte der Pressesprecher der tadschikischen Fußball-Föderation, Faridum Salijew. Tadschiken seien nicht so "teuer" wie deren europäische Kollegen. Sie würden ein Monatsgehalt in Höhe von 1000 Dollar akzeptieren.

Die Zusammenarbeit mit Trainern aus Tadschikistan basiere auch auf guter Nachbarschaft und engen Beziehungen zwischen den Fußballverbänden beider Länder, so Salijew. Man plane sogar ein gemeinsames Turnier tadschikischer und afghanischer Vereine. Schon nächstes Jahr könnte es in Duschanbe und im Jahr darauf in Kabul stattfinden.

Jetzt gehe es darum, den diesjährigen Sieger der afghanischen Premier League, Shaheen Asmayee, auf die Meisterschaft der Asiatischen Fußball-Konföderation im kommenden Jahr vorzubereiten. Die tadschikische Seite sei auch hier bereit, den Afghanen wieder zu helfen. "Aus Sicherheitsgründen trainiert in Duschanbe schon die afghanische Nationalmannschaft", sagte Salijew. Auch dem Club Shaheen Asmayee könnte in Tadschikistan ein Trainingslager zur Verfügung gestellt werden.

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