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Asien

Afghanen begrüßen Partnerschaftsabkommen

Deutschland will mit einem Partnerschaftsabkommen die Zusammenarbeit mit Kabul nach dem Ende des NATO-Einsatzes bekräftigen. Für die Menschen in Afghanistan sind das willkommene Aussichten in unsicheren Zeiten.

Viele Afghanen geraten ins Schwärmen, wenn sie über Deutschland und die traditionsreiche deutsch-afghanische Zusammenarbeit sprechen, die bis in die frühen 20er Jahre des letzten Jahrhunderts zurückreicht. Auch die deutsche Entwicklungshilfe im Gesundheits- und Bildungswesen ist in Afghanistan hoch angesehen.

Die Nachricht, dass die Regierung nach Indien, Frankreich, Großbritannien und den USA in Berlin nun auch mit Deutschland ein Partnerschaftsabkommen unterzeichnet hat, wird von vielen Menschen begrüßt. Die 20-jährige Layloma aus Kabul freut sich über das anhaltende Interesse des Westens an ihrem Land. "Ich befürworte eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Afghanistan und Deutschland sehr. Deutschland ist wichtiges Mitglied der Europäischen Union. Eine Partnerschaft mit so einem Land macht uns Afghanen große Hoffnung."

Gefühl der Sicherheit

Deutsche und afghanische Flagge während der Afghanistan-Konferenz am 04. Dezember 2011 in Bonn (Foto: dapd)

Deutsche und afghanische Flagge während der Afghanistan-Konferenz am 04. Dezember 2011 in Bonn

Hoffnung sei das Wichtigste, sagt Layloma, was die Menschen im Moment in Afghanistan brauchen. "Viele meiner Landsleute haben die große Sorge, dass Afghanistan nach dem Abzug der NATO-Truppen Ende 2014 wieder in die Hände der Taliban fallen könnte", erzählt die Studentin. Jeder Vertrag mit einem wichtigen Land wie Deutschland gebe den Menschen in Afghanistan das Gefühl, auch in den kommenden Jahren auf die Unterstützung der Welt zählen zu können.

Muhammad Baqir, ebenfalls aus Kabul, sieht in der Kooperation mit möglichst vielen Ländern einen Zuwachs an Sicherheit. "Deutschland hat in den vergangenen Jahren Afghanistan unterstützt und nun wird diese Unterstützung fortgesetzt. Dadurch kann verhindert werden, dass Afghanistan wie in den vergangen Jahrzehnten zum Spielball der Nachbarn dieses Landes wird."

Isolation durchbrochen

Nach der Vertreibung der sowjetischen Truppen folgte die Zeit des zerstörerischen Bürgerkriegs der 90-er Jahre, der durch die Taliban beendet wurde, die aber das Land endgültig in die Isolation führten. Diese Zeiten seien endgültig vorbei, sagt Emal Faizi, der Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai. Afghanistan werde, wie das kommende Abkommen mit Berlin zeige, mit seinen Problemen nicht alleingelassen. "Das Abkommen mit Deutschland wird eine neue Epoche der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern eröffnen. Der Vertrag mit Deutschland regelt die Zusammenarbeit im kommenden Jahrzehnt und sendet ein klares Signal, dass Afghanistan nach 2014 nicht allein gelassen wird."

Bundeswehrsoldaten nahe Kundus im Gerspräch mit der Bevölkerung (Foto: picture-alliance/dpa)

Auch nach dem Abzug der Bundeswehr sollen die Menschen in Afghanistan Solidarität aus Deutschland erfahren

Die afghanische Regierung erhoffe sich von der Partnerschaft mit Berlin Unterstützung in den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Sicherheit und bei der Stärkung der afghanischen Staatsorgane, erklärt Faizi. Kabul wünscht sich zudem, dass möglichst viele deutsche Ausbilder auch nach 2014 im Land bleiben. Genaue Zahlen will die afghanische Regierung nicht nennen. "Unsere Partner", heißt es aus Regierungskreisen in Kabul, "kennen unsere Forderungen."

Vertrauen auf Deutschland

Die afghanische Regierung sei dabei mit ihren Forderungen sehr vorsichtig, sagt Faizullah Jalal, Politikwissenschaftler an der Universität Kabul. "Präsident Hamid Karsai weiß, dass jedes Abkommen mit einem wichtigen westlichen Land das Ansehen seiner Regierung und seines Landes in der Welt, aber auch im eigenen Land gegenüber den Taliban, enorm steigert", erklärt Jalal. Vor allem das Abkommen mit Deutschland bringe weitere Vorteile für Kabul. "Das Abkommen mit Deutschland wird auf diejenigen, die bislang gegen eine Partnerschaft zwischen Kabul und Washington waren, beruhigend wirken. Viele Kritiker könnten nun überzeugt werden, dass die Zusammenarbeit mit der Welt im Sinne Afghanistans ist, weil auch Deutschland Afghanistan zur Seite stehen wird."