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Wissen & Umwelt

Affen als Helfer

Die Organisation "Helping Hands" in den USA bildet Affen als Servicetiere für Behinderte aus. Die Affen schalten CD-Spieler an, oder kratzen wenn's mal juckt. Die Pflege der Tiere ist jedoch auch nicht zu unterschätzen.

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Helping Hands: Affen als Helfer

Es ist heiß in Ned Sullivans Zimmer in Concord, nordwestlich von Boston. Flink springt Kasey aus ihrem Käfig auf die Schulter von Ned, lässt sich auf seinen Schoß herunter gleiten. Kasey ist ein Kapuzineraffe, eine Dame, 29 Jahre alt. Ihr Fell hellbraun, ihr Körper so groß wie der Kopf von Ned. Sie hüpft auf den Boden, hebt die Fernbedienung der Klimaanlage, drückt sie Ned in die Hand. "Prima, mein Mädchen!", sagt Ned und hält ein Stückchen Walnuss für Kasey bereit. Zeit die Klimaanlage kälter zu stellen.

Ned und Kasey sind ein eingespieltes Team. Ein schwerer Autounfall vor neun Jahren nahm Ned seine Beweglichkeit, da war er gerade 22. Als er aus dem Koma erwacht, kann er nur seinen Zeigefinger bewegen. Ein Jahr später kam Kasey. Sie gibt ihm wieder Lebensfreude - und ein bisschen Selbständigkeit zurück. "Kasey hat mir sehr geholfen", sagt Ned Sullivan. "Ich wäre heute nicht hier, würde es sie nicht geben."

Ned mit seinem Kapuzineraffen (Foto: DW/V. Kleber)

Seit knapp 6 Jahren ein Team: Ned und Kapuzineraffe Kasey

Kasey kann Ned sein Telefon und seine Fernbedienungen bringen. Licht, Computer und DVD-Spieler ein- und ausschalten. Brille aufsetzen, Bücherseiten umblättern. Getränkeflaschen öffnen, Strohhalme einsetzen und dann das Getränk so lange halten, bis Ned nicht mehr durstig ist.

Hartes Training in der Affenschule

Dafür hat Kasey lange trainiert. Fünf Jahre war sie in der Affenschule der Organisation

"Helping Hands"

in Boston. Es ist die einzige Affenschule weltweit, die Hilfsaffen für Menschen mit Behinderung ausbildet. Megan Talbert ist Direktorin von Helping Hands, mit ihrem Team trainiert sie die Affen durch positive Bestärkung. Wenn sie eine Aufgabe vormacht, macht der Affe sie nach. "Und wenn es schwierigere Aufgaben gibt, unterteilen wir sie und trainieren sie dann schrittweise."

Megan Talbert mit Kapuzineraffe (Foto: Helping Hands

"Hartes Training und viel Kümmern", so beschreibt die Direktorin der Affenschule Megan Talbert die Ausbildung der Tiere

Doch ein Kapuzineraffe hat auch Ansprüche, braucht viel Zeit und Pflege. "Wie ein dreijähriges Kind", sagt Megan Talbert. Er hat einen strikten Essensplan der eingehalten werden muss, sonst wird der Kapuzineraffe zum Diabetiker. Sein Fell muss geduscht, seine Krallen gekürzt werden. Wer einen Affen haben möchte, der muss Helping Hands nachweisen, dass es jemanden im Haus gibt, der sich um die Pflege des Affen kümmert. Es folgt ein aufwendiger Bewerbungsprozess.

Wer ihn besteht, für den wird ein passender Affe ausgesucht. Doch nicht jeder Bewerber passt zu jedem Affen. "Jeder Affe hat seine Präferenzen", sagt Megan Talbert. "Manche Affen mögen Männer lieber als Frauen. Manche brauchen dominante Partner, andere ruhigere." Ihre Affen kennen die Trainer gut, die Bewerber, ihre Persönlichkeit, Bedürfnisse und ihr Umfeld, lernen sie im Bewerbungsprozess kennen. "Darum wissen wir, wer zusammen passt - und das ist der Schlüssel zum Ganzen", sagt Megan Talbert.

Affen nicht überall erlaubt

Amerika ist das einzige Land, in dem es Affen als Servicetiere gibt. 1979 bildete Helping Hands den ersten Affen aus. Heute sind 32 Kapuzineraffen im Einsatz, weitere 50 in der Affenschule. Doch nicht in allen amerikanischen Staaten sind Affen erlaubt, die Gesetzgebung ist unterschiedlich. Auch in Deutschland ist es verboten, Affen zu Hause zu halten. Lisa Wathne, Expertin für wilde Tiere in Gefangenschaft bei der

Humane Society von Amerika

, findet das richtig. "Affen sind wie Menschen sehr soziale Tiere. Sie brauchen die Gemeinschaft mit anderen Affen", sagt sie. "In der Natur verbringen sie einen Großteil ihrer Zeit in Bäumen. Das ist in einer häuslichen Umgebung nicht möglich."

Kapuzineraffe in Badewanne (Foto: Helping Hands)

Manch Tierschützer bemängelt, dass die Hilfsäffchen zu sehr aus ihrer natürlichen Umgebung gerissen werden

Dass Kasey eigentlich ein wildes Tier ist, das weiß auch Ned. Seine Mutter Ellen Rogers, die sich hauptsächlich um Kasey kümmert, ist sich sicher, dass Kasey sich dennoch wohl fühlt und es genießt, zu helfen. Nicht nur bei kleinen Aufgaben. "Durch ihre Nähe und Neds Willen sie zu streicheln, hat er seine Beweglichkeit in Händen und Armen enorm verbessert", sagt sie. "Therapeuten glauben, dass dieser Fortschritt Kasey zu verdanken ist."

Kapuzineraffe Kasey (Foto: DW/V. Kleber)

Familie Roger glaubt, dass sich Affe Kasey trotz - unnatürlicher - häuslicher Umgebung wohlfühlt

Die Beweglichkeit in seine Händen und seinen Armen hat sich Ned Schritt für Schritt über Jahre zurück erkämpft. Vor seinem Autounfall stand er kurz davor, seinen Bachelor-Abschluss in Kommunikationswissenschaften zu machen. Es sind nur vier Prüfungen, die er noch ablegen muss. "Mit einem Kopiloten wie Kasey", sagt Ned, "schaffe ich das vielleicht bald."

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