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Aktuell Europa

Adria-Fähre vollständig evakuiert

Nach dem Brand auf der "Norman Atlantic" werden immer mehr Leichen geborgen. Über 420 Passagiere wurden gerettet. Aber der Verbleib vieler anderer ist unklar. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen auf.

Als letzter verließ der Kapitän das Schiff. Er übergab das Kommando an italienische Marine-Offiziere. Sämtliche Passagiere, die das Unglück überlebt haben, und die Crewmitglieder konnten nach offiziellen Angaben von der havarierten Adria-Fähre "Norman Atlantic" gerettet werden. Damit gingen für viele anderthalb Tage mit Angst ums nackte Leben zu Ende.

Nach jüngsten Angaben der italienischen Marine wurden bislang zehn Leichen entdeckt und geborgen. Zur Identität der Toten gab es noch keine genauen Angaben. 427 Menschen seien in Sicherheit gebracht worden, hieß es von Regierungsseite in Rom. Der Verbleib vieler anderer ist jedoch unklar.

Die Passagierliste weist offensichtlich zahlreiche Ungereimtheiten auf. Auch Verkehrsminister Maurizio Lupi meinte, die Liste mit den 478 Namen sei möglicherweise nicht korrekt. Einige Passagiere hätten die Fahrt eventuell gar nicht angetreten. Zuvor hatte es Vermutungen über illegale Reisende gegeben, zum Beispiel Flüchtlinge.

Dramatische Bergung

Aus noch unbekannter Ursache war am frühen Sonntagmorgen auf einem Autodeck des Schiffes Feuer ausgebrochen. Bis zum Sonntagabend konnte der Brand weitgehend unter Kontrolle gebracht werden. Die Fähre war in der Meerenge zwischen Italien und Griechenland nördlich der Insel Korfu in Seenot geraten. Während der dramatischen Bergungsarbeiten trieb sie in Richtung der albanischen Küste.

Sturmböen und starker Seegang hatten die Arbeit der Einsatzkräfte erheblich erschwert. Bei meterhohen Wellen konnte kein anderes Schiff an die "Norman Atlantic" anlegen. Daher mussten die Menschen aufwändig per Hubschrauber von Bord geholt werden. Die Fähre soll nun in einen Hafen geschleppt werden.

Chaos, Panik, Schuldvorwürfe

Passagiere berichteten von Chaos und Panik, nachdem der Brand bemerkt worden war. "Es gab keinerlei Koordination", sagte eine Passagierin. "Niemand hat die Leute beruhigt. Das Personal war praktisch nicht sichtbar." Andere berichteten von ihrer Verzweiflung: "Mein Mann und ich waren über vier Stunden im Wasser", sagte die Frau eines Todesopfers. "Wir sterben, wir sterben!" habe er gerufen. "Ich wollte ihn retten, habe es aber nicht geschafft", so die Witwe.

Die Staatsanwaltschaften im italienischen Bari und in Brindisi leiteten Ermittlungen ein. Geprüft werden unter anderem Vorwürfe, wonach bei der Fähre vor der Unglücksfahrt Mängel festgestellt wurden und das Autodeck überfüllt war. Die "Norman Atlantic" fährt unter italienischer Flagge, sie wird von der griechischen Gesellschaft Anek Lines zwischen Patras und dem italienischen Hafen Ancona eingesetzt.

Erinnerung an "Costa Concordia"

In Italien wecken die Berichte Erinnerungen an die Havarie der "Costa Concordia" vor drei Jahren. Das Kreuzfahrtschiff war damals mit mehr als 4200 Menschen an Bord auf einen Felsen vor der Insel Giglio aufgefahren. Es gab 32 Tote. Dem Kapitän Francesco Schettino wird derzeit der Prozess gemacht.

jj/SC (dpa, afp, rtr)