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Sprachbar

Adeliges Allerlei

"Oh welch ein fürstliches Mahl", lobte die Gräfin die Herzoginnenkartoffeln und den Hummer aus kanadischen Hoheitsgewässern. Zur Krönung des Essens gab es noch Kaiserschmarrn. Es gibt allerlei Adeliges im Deutschen.

Edel wirkt Adeliges noch heute, auch wenn die Zeit von Kaisern und Königen vor rund 90 Jahren in Deutschland auslief. Der letzte Adelstitel wurde 1918 vergeben und ein Jahr später alle Bürger, ob Graf, Baron oder Freiherr von und zu vor dem Gesetz gleichgestellt.

Adel klingt gut

Dann war Schluss mit Euer Durchlaucht, Hoheit oder Majestät. Dennoch gibt es wegen des Klangs nach reicher und vornehmer Herkunft weiterhin einen schwunghaften Handel mit allerlei Titeln, bei dem sich Vermittler für eine arrangierte Adoption gut bezahlen lassen, ebenso wie der meist finanzschwache Adelige, der seinen Namen für solche Geschäfte hergibt.

Sprachlich gesehen haben die Aristokraten auf jeden Fall ein reiches Erbe hinterlassen. Alles was irgendwie groß, schön, fein, vornehm oder einfach irgendwie besonders klingen soll, lässt sich mit dem Namen der einstigen Monarchen zieren. Der großzügige Gastgeber lässt ein fürstliches Mal auftischen, eine Blaskappelle spielen und für Tanzeinlagen sorgen, so dass sich seine Gäste königlich amüsieren. Der Einsatz von Monarchentiteln funktioniert aber nicht immer: Weder gibt es baronlich gedeckte Tische, noch eine herzöglich gute Stimmung, auch gräflich wäre hier sträflich falsch angewendet.

Im Schmarrn ist der Kaiser unsterblich

Allerdings gibt es Herzoginnenkartoffeln, die ein spezielles Gericht darstellen, nämlich kleine Portionen gebackenes Kartoffelpüree, das mit Ei und Butter verfeinert wurde. Überhaupt lässt die Küche reichlich Adeliges weiterleben, nicht nur bei Kaisergranat und Königskrabbe, also edlen Krustentieren.

Kaiserschoten (eine Erbsenart) werden in Butter gedünstet, feines Kalbsragout wird in Königinnen-Pasteten aus Blätterteig serviert und zum Nachtisch gibt’s den allseits bekannten Kaiserschmarrn, ein Pfannkuchengericht, das der Legende nach für den österreichischen Kaiser Franz Josef I. bei einem Jagdausflug erfunden wurde. Dazu vielleicht ein Glas Wein vom Kaiserstuhl in Baden-Württemberg?


Mit Königswasser wird nur Gold gewaschen

Mit Königswasser hingegen können Köche gar nichts anfangen, nur Chemiker. Das giftige Gemisch aus Salzsäure und Salpetersäure dient dazu, edle Metalle, nämlich Gold und Platin, von anderem zu lösen. Hoheitsgewässer jedoch bestehen aus reinem H2O und der entsprechenden Menge Meersalz natürlich. So genannt werden allgemein die Meeresküsten, die zum jeweiligen Staatsgebiet zählen, eine Seegrenze mit Dreimeilenzone, also etwa 5,5 Kilometer.

Nun darf man natürlich den römischen Feldherrn Cäsar nicht vergessen. Von seinem Namen ist schließlich der Kaisertitel abgeleitet. Und da Julius der Legende nach nicht auf natürliche Weise geboren wurde, sondern durch eine Bauchoperation, wird er auch für den so genannten Kaiserschnitt verantwortlich gemacht - sprachgeschichtlich gesehen.

Empfindliche Prinzessinnen

Wichtig ist aber auch die Prinzessin auf der Erbse. Die gibt’s nicht nur im Märchen von Hans Christian Andersen, sondern auch sprichwörtlich. Derartig empfindlichen Menschen ist nicht nur jede Matratze zu hart, sondern auch jedes Zimmer zu kühl, die Musik zu laut und ein Spaziergang zu anstrengend. Ständig muss man sie mit Glacé-Handschuhen anfassen, weil sie sonst Migräne und schrecklich schlechte Laune bekommen.

Ganz anders sieht es beim Lügenbaron aus. Dem ist nichts zu schwer und kein Hindernis zu hoch, der schafft jede Anstrengung, meistert jede Aufgabe, bewältigt jedes Problem, zumindest in seiner Erzählung. Eine ganz spezielle Funktion haben so genannte Königsmacher, die heute übrigens nicht mehr Königen auf den Thron helfen, sondern zum Beispiel Politikern ins Präsidentenamt oder Managern auf ihren Posten.

Mit Krone auf dem Königsweg

Souverän ist jener, der den Königsweg findet, einen Kompromiss bietet, mit dem alle einverstanden sind und trotzdem das eigene Ziel und den persönlichen Vorteil nicht außer Acht lässt. Das erfordert meist diplomatisches Feingefühl und viele aufmerksame Gespräche mit sehr unterschiedlichen Menschen. Da darf man sich keinen Zacken aus der Krone brechen.

Fragen zum Text

Wen oder was bezeichnet man als Kaiserschoten?

1. eine in Butter gedünstete Erbsenart

2. die Beine eines Kaisers

3. die unehelichen Kinder eines Monarchen

Königswasser ist …

1. das Badewasser eines Königs.

2. ein besonders edler Wein.

3. ein giftiges Gemisch aus Salzsäure und Salpetersäure.

Das österreichische Pfannkuchengericht wird … genannt.

1. Prinzessinnenquatsch

2. Kaiserschmarrn

3. Königslüge

Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, Sie sind König oder Königin und herrschen über ein kleines Land. Was würden Sie mit Ihrer Macht anfangen? Würden Sie jeden Tag Hummer und Herzoginnenkartoffeln essen? Oder würden Sie neue Häuser für Ihre Bürger bauen? Schreiben Sie einen Aufsatz darüber, wie Sie in Ihrem Reich herrschen würden.

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