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Bücher

Adelbert von Chamisso: Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1813)

Adelbert von Chamisso (Porträt: picture-alliance / akg-images, Montage: Philip Kleine / Peter Steinmetz)

"Wie ich in Gedanken dem Tore zu ging, hört ich hinter mir schreien: »Junger Herr! he! junger Herr! hören Sie doch!« - Ich sah mich um, ein altes Weib rief mir nach: »Sehe sich der Herr doch vor, Sie haben Ihren Schatten verloren.« - »Danke, Mütterchen!« ich warf ihr ein Goldstück für den wohlgemeinten Rat hin, und trat unter die Bäume."

Der Autor

Porträt von Adelbert von Chamisso in 'Les Contemporains' (Foto: picture-alliance / maxppp)

Adelbert von Chamisso

Geboren am 30.1.1781 auf Schloss Boncourt (Champagne)
Gestorben am 21.8.1838 in Berlin

"Franzose in Deutschland und Deutscher in Frankreich, Katholik bei den Protestanten, Protestant bei den Katholiken, Philosoph bei den Gläubigen und Heuchler bei den Männern des Ressentiments, Jacobiner bei den Aristokraten und Mann des Ancien Règime bei den Demokraten. Ich habe nichts, wohin ich gehöre, ich bin überall fremd." Adelbert von Chamisso wird seine geistige Heimat in der Literatur und der Wissenschaft finden: Als Naturforscher erkundet er die Welt, als Literat durchwandert er mit Vorliebe Seelenlandschaften.

Das Weltläufige ist ihm schon in die Wiege gelegt: Adelbert wird in eine vornehme Adelsfamilie in der Champagne hinein geboren, getauft auf den Namen: Louis Charles Adélaïde de Chamisso de Boncourt. Die französische Revolution zwingt die Familie zur Flucht nach Deutschland. Der 15-Jährige besucht in Berlin das von Hugenotten gegründete Französische Gymnasium und wird 1796 Page bei Königin Luise von Preußen. Auf Wunsch seiner Familie schlägt er die Militärlaufbahn ein und wird schnell preußischer Leutnant.

Nach dem Exerzieren verbringt er Stunden in der Bibliothek. Dort arbeitet er ganze Werke von Rousseau, Voltaire, der deutschen Philosophen Kant und Leibniz, Goethe, Schiller und aller bedeutenden Naturforscher seiner Zeit durch. Der Krieg gegen Napoleons Truppen stürzt ihn in tiefe Gewissenkonflikte: Als Franzose kann er nicht gegen seine Landsleute kämpfen, aber zum Glück entgeht er den Gefechten. Zeit seines Lebens wird er als Emigrant "zwischen den Fronten" bleiben. 1807 scheidet er aus dem Armeedienst aus und geht jetzt seinen eigenen Weg. Er bewegt sich in romantischen Dichterkreisen, in den Salons und Literatencafés Berlins. Und nennt sich um: in Adelbert von Chamisso. Von nun an schreibt er auf deutsch. Der schüchterne und in Gesellschaft etwas linkische junge Mann ist von Frauen umschwärmt. Für eine Zeit folgt er Madame de Stael in ihr Schloss an den Genfer See.

William Turner, Mont Blanc from Fort Roch in the Val d'Aosta - Aquarell, um 1804, 66 x 100 cm, Privatsammlung (Foto: picture-alliance / akg-images)

"Ich schweifte rastlos auf den höchsten Bergen | Allein und fern von aller Menschenspur"

In der Schweiz entdeckt er sein Interesse für Botanik und durchwandert zu Fuß die Alpen vom Montblanc bis zum Berner Oberland. Danach reist er tief beglückt zurück nach Berlin, mit dem festen Vorsatz Medizin und Botanik zu studieren. Nach drei Studienjahren schließt er sich 1815 als Naturforscher einer Schiffexpedition quer durch den Pazifik an. Die Weltreise führt ihn über Südamerika, in die Südsee bis an die Küste Alaskas. Dort wird sogar eine kleine felsige Insel nach ihm benannt.

1819 wird ihm der Ehrendoktor der Universität Berlin für seine wissenschaftlichen Forschungen verliehen – er gilt als der Mitentdecker des Generationswechsels bei Manteltierchen. Und er bekommt eine gut bezahlte Anstellung als Kustos im Botanischen Garten und später am Königlichen Herbarium. Nur wenige Wochen nachdem er ein Gesuch auf Pensionierung eingereicht hat, stirbt er - mit 57 Jahren.

In Erinnerung an den gebürtigen Franzosen, der auf deutsch schrieb, wird seit 1985 der Adelbert-von-Chamisso-Preis an Autoren nicht-deutscher Muttersprache vergeben, die mit ihrem Werk einen wichtigen Beitrag zur deutschsprachigen Literatur leisten.

Der Text

Adelbert von Chamisso, Peter Schlemihls wundersame Reise, Titelblatt der 4. Auflage, Nürnberg, 1842 (Foto: picture-alliance / akg-images)

Durch einen Zufall kommt Peter Schlemihl in die Gesellschaft des reichen Kaufmanns Thomas John. Bei einem Gartenfest lernt er dort einen unscheinbaren, grau gekleideten Herrn kennen, der auf Wunsch der Gäste Kostbarkeiten aus der Tasche zaubert. Schlemihl macht er den merkwürdigen Antrag: Er solle ihm seinen Schatten verkaufen. Dann bekäme er den "Glückssäckel". Peter stimmt zu und glaubt, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Aber schon bald begegnen ihm seine Mitmenschen mit Schreck und Misstrauen wegen seiner unheimlichen Schattenlosigkeit. Sein Diener Bendel hilft ihm, sein Leben mit diesem Makel einzurichten, aber als er die schöne Försterstochter Minna heiraten will, fliegt alles auf. Peter muss fliehen. Nach Jahresfrist erscheint der graue Mann wieder – und verlangt als Preis für die Rückgabe des Schattens Peters Seele. Aber der verwirft beherzt den üblen Teufelspakt und macht sich mit "Siebenmeilen-Stiefeln" auf die Reise ...

Adelbert von Chamisso hat "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" als Märchennovelle angelegt, im Stil der romantischen Erzählweise seiner Zeit. Nicht nur er, auch seine Dichterkollegen des deutschen "Vormärz" waren damals stark beeinflusst durch die Französische Revolution: Freiheitsliebe und Knechtschaft waren ein weit verbreitetes Thema. Zu seiner Zeit war Chamisso einer der populärsten Lyriker. Viele seiner Balladen wurden vertont und in hohen Auflagen gedruckt. Sein "Schlemihl" gehört heute zu den Klassikern der Weltliteratur.


Der Sprecher

Der Schauspieler Markus Scheumann

Markus Scheumann

Markus Scheumann, geboren am 26. November 1969 in Düsseldorf, hat sein Handwerk an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg gelernt. Er gehört zu den Stars der "jungen Wilden" unter den deutschen Nachwuchs-Schauspielern. 2007 wurde er zum "Schauspieler des Jahres" gewählt. Sein Rollenrepertoire ist weit gefächert: aber die wildromantischen, dramatischen Kämpfernaturen, von "Don Carlos" bis "Hamlet", liegen ihm besonders. Texten aus der Zeit der Romantik, wie hier dem "Peter Schlehmihl", gibt Markus Scheumann mit seiner leicht angerauten Stimmlage ein besonderes Zeitcolorit – vor allem im Radiostudio.

Die Intendantin des Düsseldorfer Schauspielhauses, Amelie Niermeyer, hat Scheumann vom Kölner Schauspielhaus an die Bühne seiner Heimatstadt geholt. Dort spielt er derzeit mit großem Erfolg im festen Ensemble. Mit dem Theater in Mülheim an der Ruhr von Roberto Ciulli hat er auch in Zentralasien Theater gespielt: im Iran, Irak und Turkmenistan. Er arbeitet mit großem Erfolg als freier Radiosprecher für verschiedene Sender. Auch dort ist sein Repertoire weit gespannt: vom Sachfeature, über feingeistige Poesie bis zum Hörspielkrimi.

Die Klassiker - Adelbert von Chamisso: "Peter Schlemihls wundersame Geschichte"
Sprecher: Markus Scheumann
Produktion: interface studios, Köln
Regie: Heike Mund
Online-Realisation: Claudia Unseld
Redaktion: Gabriela Schaaf

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