ADAC: Dieselnachrüstung muss kommen | Wirtschaft | DW | 20.02.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Diesel-Skandal

ADAC: Dieselnachrüstung muss kommen

Die deutschen Autobauer hadern bei der Nachrüstung von Diesel-Autos. Nun hat der ADAC Euro-5-Dieselautos mit neuer Hardware ausgestattet und kommt zu dem Schluss: Es reduziert Schadstoffe und ist finanziell machbar.

Aus Sicht des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) könnte die Hardware-Nachrüstung von Euro-5 Dieselautos die Luftqualität in Stadtgebieten um bis zu 25 Prozent verbessern. Das hat der Automobil-Club in einer Untersuchung errechnet, die nun in Stuttgart vorgestellt wurde.

"Der Test hat die Fake News der Industrie endgültig wiederlegt: Hardware-Nachrüstung funktioniert", sagte Dieter Roßkopf, Chef vom ADAC Württemberg. Die Automobilindustrie lehnt es bislang ab, viel Geld in die Nachrüstung zu stecken. Zuletzt machten Berichte die Runde, wonach die Bundesregierung darüber nachdenke, sich an den Umrüstungskosten zu beteiligen.

Bis zu 80 Prozent weniger Schadstoffe

Der Verbraucher könne erwarten, dass die Hersteller die Verantwortung übernähmen, so Roßkopf. "Die Industrie muss lernen, dass eine Kundenbeziehung nicht mit dem Verkauf des Fahrzeugs beendet ist."

Insgesamt testete der ADAC vier Fahrzeuge: Eine Mercedes-Benz B-Klasse, ein Opel Astra, ein VW T5 und ein Fiat Ducato. Alle bekamen ein sogenanntes SCR-System zur Reduktion von Stickoxiden in Abgasen eingebaut.

Danach lag der Schadstoffausstoß anschließend innerorts um bis zu 70, außerorts sogar um bis zu 88 Prozent niedriger. Zum Vergleich: Das Software-Update, das die Autohersteller als Alternative anbieten wollen, soll eine Reduzierung von etwa 25 bis 30 Prozent bringen.

Hardware statt Software

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), dessen Ministerium die Hälfte der Kosten der Untersuchung getragen hatte, sieht die Hersteller deshalb in der Pflicht. "Sie haben immer gesagt: Geht nicht, funktioniert nicht, ist zu teuer. Jetzt ist bewiesen: Es geht, es funktioniert, es hat den doppelten Effekt wie eine Software-Nachrüstung."

Seit Monaten stünden die Hersteller in der Kritik, sagte Hermann weiter, nun müssten sie die Verantwortung und auch die Kosten übernehmen. Der Preis dafür solle bei rund 1400 bis 3300 Euro pro Fahrzeug liegen.

Das bezweifeln die Autohersteller, sie gehen von höheren Kosten aus. Zudem warnt der Branchenverband VDA, die Umrüstung bedeute einen umfassenden Eingriff in das Steuerungssystem des Autos und in die Fahrzeugarchitektur. Zwei bis drei Jahre seien nötig, um zu prüfen, ob Qualität und Sicherheit bei der Nachrüstung gewährleistet seien, hieß es beim Autobauer Daimler, weil es zu den Auswirkungen solch eines Eingriffs auf die Fahrzeugeigenschaften noch keine langfristigen Erkenntnisse gebe.

nm/stu (dpa)