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Politik

Achtung: Polizei

Die Weißen Nächte in St. Petersburg sind ... die Hauptsaison für Taschendiebe. Wer sich nach einem solchen Vorfall an die Polizei wendet, könnte allerdings eine böse Überraschung erleben.

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Man kennt das Problem in allen großen Metropolen: Dort, wo sich viele Touristen aufhalten, wittern auch Taschendiebe ihr großes Geschäft. St. Petersburg, das Venedig des Nordens und Russlands zweite Hauptstadt, zieht jedes Jahr Millionen Touristen an. Besonders zu den Weißen Nächten im Frühsommer, wenn die Sonne nur kurz untergeht und die ganze Stadt magisch leuchtet, sind die Hotels mit Gästen aus aller Welt ausgebucht. Dann blüht nicht nur das Tourismusgeschäft, auch Taschendiebe und Trickbetrüger reiben sich die Hände.

Beliebteste Aufmarschgebiete der Langfinger sind der Newskij-Prospekt, Lebensader und Hauptflaniermeile sowie die Petersburger Metro. Furore machte der Fall einer Reisegruppe britischer Senioren, die vor einem Jahr an zwei aufeinanderfolgenden Tagen von Straßenkindern regelrecht umzingelt wurden und am hellichten Tage ausgenommen wurden wie die Weihnachtsgänse.

Womit man jedoch in der Regel nicht rechnet, sind Ordnungshüter in Uniform, die den ausländischen Besucher auf der Straße um Bargeld und Mobiltelefon erleichtern. Denn inzwischen häufen sich die Fälle, in denen die Miliz, wie hierzulande die Polizei heißt, vor allem nachts Jagd auf ausländische Touristen macht. Die Beutezüge der Polizisten laufen meist nach dem gleichen Schema ab: Touristen, die allein oder in kleinen Gruppen einen der vielen Clubs im Zentrum verlassen, sehen sich plötzlich von einer Gruppe von Milizionären umringt.

Ausweiskontrolle und die Suche nach Drogen, so wird dem verdutzen Ausländer der unerwartete Polizeieinsatz erklärt. Man wird aufgefordert, die Brieftasche zu zeigen, die angeblich auf Inhalt von Drogen untersucht wird. Dass dabei dann Bargeld verschwindet, merken die Opfer in der Regel erst zu spät. Das rüde Auftreten der Räuber in Uniform schüchtert ein und lenkt vor allem ab. Ein westlicher Geschäftsmann, der seit Jahren in St. Petersburg lebt, berichtet, dass ihm bei "Kontrollen" schön häufiger die Kalaschnikow an den Bauch gehalten wurde.

Hotelmanager, Reiseveranstalter und die ausländischen Konsulate in St. Petersburg kennen die Klagen von überfallenen Ausländern in- und auswendig. Übereinstimmend heißt es, dass Beschwerden bei den Behörden und der Stadtverwaltung im Sande verlaufen. Trotz des immensen Imageschadens für den eigenen Tourismusstandort scheint die Stadtverwaltung nicht bereit, ernsthaft gegen die kriminellen Raubritter in Uniform vorzugehen.

Ausländische Geschäftsleute, die in St. Petersburg leben, scheuen sich ihrerseits, die Justiz einzuschalten, denn der vermeintlich sichere Rechtsweg könnte sich rächen und zu "Unannehmlichkeiten" durch die "Organe" im Geschäftsalltag führen.

So haben in St. Petersburg ansässige Westler nur einen Tipp für das richtige Verhalten bei nächtlichen Kontrolle durch die Miliz: Man sollte das Bargeld aus der Brieftasche nehmen, bevor man diese zur "Inspektion" den Milizbeamten reicht. Laut Presseberichten planen Polizei und die Stadtverwaltung nun den Druck einer Informationsbroschüre für Ausländer mit Ratschlägen zur persönlichen Sicherheit in St. Petersburg. Ob darin auch die - wichtigste - Warnung vor nächtlichen Polizeikontrollen aufgenommen wird, ist unwahrscheinlich, denn das wäre rufschädigend.

  • Datum 03.08.2004
  • Autorin/Autor Stephan Hille
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  • Permalink http://p.dw.com/p/5OcY
  • Datum 03.08.2004
  • Autorin/Autor Stephan Hille
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