1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Achterbahnfahrt an der Wall Street

Nach einem dramatischen Kurseinbruch des Dow-Jones-Index wird fieberhaft nach den Ursachen gesucht. War es die große Nervosität, bedingt durch die Griechen-Krise? Oder womöglich nur ein Tippfehler?

Aktienhändler an der Wall Street vor einer Kurstafel (Foto: AP)

Abwärts gings an der Wall Street.

Es war gut anderthalb Stunden vor Börsenschluss an der Wall Street: Der Dow-Jones-Index, das wichtigste Börsenbarometer, lag da am Donnerstag (06.05.2010) zwar schon mit drei Prozent im Minus, doch angesichts der instabilen Lage in Griechenland war das noch im grünen Bereich. Dann aber riss es den Index innerhalb von acht Minuten um weitere 650 Zähler in die Tiefe - zusammen ein Minus von 1000 Punkten: Das ist der nach Punkten größte Rückgang während eines Handelstages in der über hundertjährigen Geschichte des Dow Jones.

"Das ist doch hier nicht Kasachstan!"

Aktienhändler an der Wall Sreet verbirgt Gesicht hinter seinen Händen (Foto: AP)

Blankes Entsetzen - zumindest für eine kurze Zeit

Erfahrene Händler, die schon viele Jahre auf dem Parkett der Wall Street ihren Dienst verrichten, konnten sich nicht an ein ähnliches Szenario erinnern. "Es war der verrückteste Tag, den ich je erlebt habe", sagte beispielsweise Mark Galorenzo von TMT East. Und Joseph Saluzzi vom Brokerhaus Themis Trading sprach von einem "Witz". "Das ist der Markt der Vereinigten Staaten von Amerika, das ist nicht Kasachstan oder so", wetterte er im Fernsehen.

100 Prozent Minus

Es kam viel zusammen an diesem denkwürdigen Handelstag: Die Griechenland-Krise ist natürlich auch an der Wall Street ein Thema. So mancher spricht da schnell von Panikverkäufen. Sogar Nachrichten aus Deutschland beeinflussten den Handel: Die vom Bundestag beschlossene Kürzung der Solarförderung ließ die Papiere der Branche zweistellig einbrechen. Als dann der große Absturz kam, erwischte es zum Beispiel Aktien des Konsumgüterkonzern Procter & Gamble mit einem Abschlag von satten 40 Prozent. Und ganz ohne Beispiel waren Titel von Boston Beer: Sie fielen zeitweilig um 100 Prozent - von 48 US-Dollar auf Null. Auch die Vorzeigepapiere von Apple verbilligten sich in dieser Phase um 14 Prozent.

Nur ein Tippfehler?

Hektisches Treiben auf dem Parkett (Foto: AP)

Normal: Hektisches Treiben auf dem Parkett

Es ist die brutale Logik der Märkte, die am Donnerstag wie im Reagenzglas zu beobachten war: Unterschreiten bestimmte Indizes bestimmte Grenzen nach unten, beginnen Computerprogramme automatisch, Aktien zu verkaufen. Eine maschinelle Kettenreaktion setzt ein. Bis ein Mensch merkt: Irgendwas kann hier nicht stimmen, eigentlich ist da draußen gar nichts passiert. Dann wird korrigiert und wieder gekauft, denn natürlich setzten sofort wilde Spekulationen ein über eine andere Ursache des Einbruchs: Der Wirtschaftssender CNBC berichtete von einem großen Marktteilnehmer, der einen Fehler gemacht habe: Statt Aktien im Wert von 16 Millionen (englisch: Million) Dollar habe er Aktien im Wert von 16 Milliarden (Billion) verkauft: Ein einziger verwechselter Buchstabe könnte so die Ursache für den Crash gewesen sein. Die US-Börsenaufsicht SEC untersucht den Fall jetzt. Die Börsenbetreiber NYSE und Nasdaq teilte schon mit, man werde alle in der fraglichen Zeit getätigten Transaktionen mit einem Verlust von mehr als 60 Prozent rückgängig machen.

Am Ende des Tages war beinahe alles wieder im Lot: Der Dow Jones ging zwar mit einem kräftigen Minus aus dem Handel: Aber 3,2 Prozent klingen eben doch ein bisschen entspannter als knapp zehn Prozent.

Autor: Henrik Böhme (mit rtr,apn,dpa)
Redaktion: Jutta Wasserrab

Audio und Video zum Thema