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Europa

Acht Jahre nach Ende des Terrors

Der zivile Aufbau in Afghanistan kommt nur mühsam voran. Welche Rolle Europa in der neuen Afghanistan-Strategie von US-Präsident Obama übernimmt, haben wir Jan Techau von der DGAP gefragt.

Jan Techau von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik im Porträt (Foto: www.dgap.org)

Jan Techau von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

DW-WORLD.DE: Deutschland gibt Geld für den Aufbau der afghanischen Armee aus und die USA schicken vermehrt eigene Soldaten ins Land. Ist das die Aufgabenteilung zwischen Europa und Amerika, auf die wir uns in den kommenden Jahren einstellen müssen?

Jan Techau: Es sieht ganz danach aus, dass das genau die Arbeitsteilung ist, die jetzt sozusagen das "Zukunftsmodell" für Afghanistan sein soll. Das ganze hat sich schon etwas länger abgezeichnet, nämlich als die amerikanische Regierung ihre Afghanistan-Strategie überprüft hat. Jetzt legt sie langsam die Ergebnisse vor. Es war relativ schnell klar, dass es zunächst um mehr Truppen geht und dann um die Umarmung des integrierten Sicherheitsbegriffs, also die gleichberechtigte zivile und militärische Komponente. Das bedeutet auch, dass die Amerikaner diese Militäraktion am Ende aus eigener Kraft stemmen würden und für die Europäer der zivile Aufbau übrig bleiben würde - und das bestätigte sich jetzt bei der Afghanistan-Konferenz am Dienstag (31.03.2009) in Den Haag.

Sie sprechen von der amerikanischen Strategie, ist es tatsächlich so, dass die Amerikaner die europäischen Konzepte für Afghanistan übernommen haben, so wie es der deutsche Verteidigungsminister immer wieder stolz präsentiert?

Barack Obama und seine Frau winken von der Treppe des Flugzeugs herunter (Foto: AP)

US-Präsident Obama richtet die Afghanistan-Strategie neu aus

Ein bisschen sind sie auf jeden Fall auf Europa zugekommen, allerdings nicht um Europa einen Gefallen zu tun, sondern weil sie selbst erkannt haben, dass ein anderer Ansatz für Afghanistan notwendig ist. Insofern: Ja, da hat es Bewegung gegeben. Die Deutschen waren ganz stolz darauf, dass der integrierte Sicherheitsansatz, den die Deutschen seit Jahren predigen, auch von den Amerikanern übernommen wird. Auf der anderen Seite muss man ganz klar sagen, dass das für die Europäer auch eine Schattenseite hat, denn sie werden ihren Einfluss auf Afghanistan nun weiter verringern müssen. Nur wer die wirklich harten Lasten trägt, also die militärischen Lasten, wird am Ende auch mitbestimmen können und da haben die Europäer keinen Schritt nach vorne gemacht.

Sprechen wir über diese harten Lasten: Bislang ist eine direkte Anforderung unter Präsident Obama an europäische Truppen ausgeblieben. Wie groß sind die Chancen, dass es dabei bleibt?

Es ist zunächst einmal eine Art "Burgfrieden" geschlossen worden. Im Vorfeld hat man bereits im Grunde ausgehandelt, dass die Amerikaner nicht mit den großen Forderungen kommen. Vor allem wären Deutschland und Großbritannien von diesen Forderungen betroffen gewesen, beides Länder die innenpolitisch im schweren Fahrwasser sind. Deutschland geht auf die Bundestagswahl zu und in Großbritannien hat Gordon Brown größte Sorge, dass er die nächste Wahl vielleicht nicht gewinnen kann, weil auch dort der Afghanistan-Krieg äußerst unbeliebt ist. Da will er diese Baustelle nicht auch noch aufmachen. Den Amerikanern war natürlich auch klar, dass sie da nicht so viel an harten Lasten herausholen können. Das heißt aber nicht, dass diese Forderung nicht später noch einmal auf die Agenda kommen könnte, vor allem dann, wenn sich die Lage weiter verschlechtert.

Nimmt man Europa eigentlich als "einheitlichen Block" in Amerika wahr?

Eine Baustelle in Afghanistan mit einem Bauarbeiter (Foto: Sharaf Sharafyar)

Der zivile Aufbau in Afghanistan geht langsam voran - das soll sich nun ändern

Nein, die amerikanische Wahrnehmung ist nicht so. Es gibt keine gemeinsame europäische Strategie. Die Europäer haben alle unterschiedliche Strategien: Frankreich hat sich bisher zurückgehalten, das wird sich nach der Wiedereingliederung in die Struktur der NATO ein bisschen ändern. Die Briten waren von Anfang an sehr prominent dabei, die Deutschen mit den nationalen Vorbehalten, die viel Kritik fanden - das ist keine einheitliche Strategie.

Gibt es da Enttäuschung in Washington, dass diese Strategie noch fehlt?

Es gibt Enttäuschungen in Washington, ganz klar. Man hat sich von den Europäern viel mehr versprochen, zumal die Europäer den Einsatz von Anfang an für wichtig gehalten haben, aber jetzt aus amerikanischer Sicht "nicht liefern". Man könnte sogar sagen, dass die Amerikaner die Europäer aus militärischer Sicht "abgeschrieben" haben, sie selbst schicken jetzt 17.000 Soldaten und 4000 Ausbilder zusätzlich nach Afghanistan, das ist nichts, was Europa auch nur annährend bieten kann. Das zeigt natürlich auch, wie sehr Europa in diesem Einsatz marginalisiert ist.

Das Interview führte Andreas Noll.

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