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Vereinte Nationen

Achim Steiner: Globaler Bürger im Einsatz für Umwelt und Entwicklung

Achim Steiner, Deutscher aus Brasilien, ist neuer Chef des UN-Entwicklungsprogramms UNDP - zur Freude der Bundesregierung. Umwelt und Entwicklung sind für ihn eins. Ein Porträt von Jens Thurau.

Es wird mit seiner Herkunft und seinem Lebenslauf zusammenhängen, dass Achim Steiner eigentlich nie über Umweltpolitik spricht, ohne Entwicklungszusammenhänge zu erwähnen. Der Schutz des Klimas: nicht nur wichtig, um das Überleben der Menschheit zu sichern, sondern um schon jetzt Armut in den Entwicklungsländern zu bekämpfen. Und nicht jeder wirtschaftliche Fortschritt hilft weiter, jedenfalls nicht dann, wenn natürliche Lebensgrundlagen dadurch bedroht sind.

Globaler Bürger

Deshalb ist es nur folgerichtig, wenn Steiner, der globale Bürger, aufgewachsen in Brasilien als Sohn eines Deutschen, vielsprachig, mit Lebensstationen in London, Deutschland, Afrika und Asien, Student in Oxford, jetzt Leiter des UN-Entwicklungsprogramms wird. Lange Jahre, bis 2016, war er Chef des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) mit Sitz in Nairobi. Umwelt und Entwicklung - das geht nur zusammen, davon ist der unerschütterliche Optimist überzeugt. Und jetzt ist der bald 56 Jahre alte Steiner ranghöchster Deutscher bei den Vereinten Nationen.

Stolz bei der Regierung

Der Stolz auf diese Ernennung ist in der Bundesregierung zu spüren: "Ich freue mich sehr. Für das Amt des UNDP-Chefs ist Achim Steiner mit all seiner Erfahrung, seiner Leidenschaft für Entwicklung und seinem großen Engagement genau der Richtige", sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) erklärte: "Deutschland übernimmt mehr Verantwortung: Das ist die Botschaft, die in der Welt ankommt. Die Wahl von Achim Steiner zum Chef des UN-Entwicklungsprogramms ist eine hohe Anerkennung dafür."

Die Konkurrenz tritt nach

Tatsächlich setzte sich Steiner gegen prominente Konkurrenz durch: Bis zuletzt war auch Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal im Gespräch. Und die trat nach Steiners Ernennung verletzt nach: UN-Generalsekretär Antonio Guterres habe den Job eigentlich einer Frau versprochen, Steiner sei wohl ernannt worden, weil Deutschland ein wichtiger Geldgeber für das Programm sei, das auf freiwillige Gaben der Staaten angewiesen ist. "Ich bedaure das", fügte die Französin hinzu.

Schwieriges Erbe in Nairobi

Dabei hat Steiner derlei Protektion nicht nötig, auch wenn die Finanzierung des Entwicklungsprogramms künftig sicher schwieriger werden wird. Die USA unter Präsident Donald Trump wollen ihre Beiträge von derzeit etwa 325 Millionen Dollar jährlich senken.

E-Learning Screenshot (DW Akademie)

Vor der UN-Klimakonferenz 2013 in Warschau: Virtueller Kursraum der DW-Akademie mit Achim Steiner

Aber allein mit der Aussicht, mehr Geld aus Deutschland zu bekommen, wird Steiners Wahl nichts zu tun haben. Als er im Sommer 2006 sein Amt als Chef des Umweltprogramms antrat, war das ein schwieriges Erbe: Zuvor hatte Klaus Töpfer, der überall vernetzte frühere deutsche Umweltminister, von Nairobi aus Maßstäbe gesetzt und vor allem das Thema Klimawandel in die globale Diskussion gebracht. Unter Steiner stieg das Budget des Umweltprogramms dann von sieben Milliarden auf nun 21 Milliarden Dollar. Nach seiner Zeit in Nairobi bewarb er sich vergeblich um den Posten des UN-Flüchtlingskommissars.

Arbeit an der Basis

Vor und zwischen seinen Posten bei den Vereinten Nationen war Steiner an der Basis aktiv. Bei den Umweltverbänden, etwa bei der weltweit größten Naturschutzorganisation IUNC in Washington. Oder er widmete sich Spezialthemen wie der Frage der Nachhaltigkeit von Staudämmen, als Generalsekretär der Welttalsperrenkommisson (World Commission on Dams, WCD). Im Jahr 2000 legte dieses Gremium einen Bericht vor, in dem Talsperren zwar als wichtig für die Entwicklung bezeichnet wurden, der aber auch auf Gefahren hinwies: in sozialer Hinsicht und für die Umwelt - ein ganzheitlicher, nachhaltiger Ansatz. Genau den wird Steiner nun auch auf seinem neuen Posten vertreten, so viel ist sicher. Seine Aufgabe wird riesig: in den armen Ländern auf gute Regierungsführung drängen, Armut und AIDS bekämpfen, sich für Umwelt-und Klimaschutz einsetzen. Rund 60 Milliarden Dollar, vor allem aus den G7-Staaten, fließen jährlich an das Programm.