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Wirtschaft

Abwrackprämie: eine Bilanz

Der Fördertopf für die Abwrackprämie ist fast leer. Eine Aufstockung wird es nicht geben. War die Subvention ein Segen oder Fluch für die deutsche Autoindustrie?

Geldscheine im Wert von 2500 Euro werden vor Schrottautos gehalten (Foto: dpa)

2500 Euro winken, wenn man ein Altauto gegen ein neues austauscht

Voraussichtlich Mitte September, kurz vor der Bundestagswahl, wird die Abwrackprämie – die populärste Konjunkturmaßnahme der Bundesregierung auslaufen. Mit fünf Milliarden Euro hat sie den Automarkt subventioniert. Doch das Ziel, der Autoindustrie unter die Arme zu greifen, wurde verfehlt.

Am 14. Januar 2009 wurde die Einführung der Umweltprämie zur Förderung des Absatzes von Personenkraftwagen (Pkw) vom Bundeskabinett besiegelt. 2500 Euro bekommt jeder, der sein mindestens neun Jahre altes Auto verschrotten lässt und einen Neu- oder Jahreswagen kauft. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren sollte dadurch die deutsche Vorzeigeindustrie unterstützt und der private Konsum angekurbelt werden.

Der Ansturm übertraf alle Erwartungen, die Fördersumme wurde im Frühjahr auf fünf Milliarden Euro aufgestockt. Nach Angaben des zuständigen Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gehen durchschnittlich 8000 Anträge täglich ein. 770.000 Anträge wurden bereits bearbeitet und ausgezahlt. Das Bundesamt hat eigens 250 Mitarbeiter eingestellt. Die Verwaltungskosten belaufen sich auf 14 Millionen Euro und werden vom Fördertopf abgezogen.

Autohändler jubeln

Verschrottete Autos (Foto: dpa)

Verschrotten für die Konjunktur - Händler reiben sich die Hände

Die Prämie hat dem Pkw-Handel in Deutschland einen Boom beschert. Von Januar bis Mai wurden laut Statistischem Bundesamt fast fünf Prozent mehr Pkws verkauft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Neuzulassungen liegt gar 23 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die enorme Differenz zwischen Umsatz- und Zulassungsplus spiegelt nach Expertenmeinung den Trend zu kleineren und preisgünstigeren Autos wider.

Das ist auch der Grund dafür, warum die staatliche Fördermaßnahme der deutschen Autoindustrie kaum geholfen hat. Deutsche Autohersteller wie BMW oder Mercedes bewegen sich im Premiumsegment. Bei einem Preis von 50.000 Euro fallen 2500 kaum ins Gewicht, auch wenn sie geschenkt sind.

Autobauer seufzen

Volkswagenwerk in Wolfsburg (Foro: AP)

VW profitierte von der Abwrackprämie - eine Ausnahme unter deutschen Autobauern

So sank der Umsatz mit deutschen Autos in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um fast ein Drittel auf knapp 100 Milliarden Euro. Mit 38 Prozent Minus ging es mit dem Export deutscher Autos noch steiler bergab. Der Import stieg hingegen um rund zwölf Prozent.

Kritiker der Abwrackprämie bemängeln, dass die Autosubvention eher japanische und französische Hersteller nach vorne gebracht habe und deutsche Autobauer auf dem Binnenmarkt benachteilige. VW bildet die einzige Ausnahme. Da VW auch kleinere Wagen anbietet, kletterten die Verkaufszahlen in Deutschenland dank der Abwrackprämie in die Höhe. Allein im Juli wurde ein Umsatzplus von mehr als 25 Prozent verzeichnet.

Sorge um die Zukunft

Viele Kunden dürften wegen der Prämie ihren geplanten Autokauf vorgezogen haben. Experten erwarten daher für 2010 einen Absturz auf dem deutschen Automarkt. Ferdinand Dudenhöffer malt dabei das düsterste Bild: Eine Million weniger Autos würden nächstes Jahres verkauft, prognostiziert der Wissenschaftler von der Uni Duisburg-Essen. Mit anderen Worten, das Problem der Überkapazität in der Autoindustrie wurde durch die Prämie nicht gelöst, sondern hinausgezögert. Der Härtetest für die Hersteller und Zulieferer wird noch kommen.

Geschadet hat die Prämie schon jetzt dem Gebrauchtwagenmarkt und den Autowerkstätten. Denn viele Autos, die dem Zwang zur Verschrottung zum Opfer gefallen sind, wären sonst auf dem Gebrauchtwagenmarkt gelandet oder zur Reparatur gebracht worden. So mussten die Werkstätten von Januar bis Mai ein Umsatzminus von vier Prozent hinnehmen.

Umweltprämie – eine Mogelpackung

An einem Container für Schrottautos ein Plakat für Umweltprämie (Foto: AP / DW)

Umweltprämie - der offizielle Name

Andere Branchen kritisierten die Bevorzugung der Autoindustrie. Möbelverkäufer beispielsweise beklagen, dass sie herbe Verluste verkraften müssten, da viele Konsumenten für einen Autokauf auf neue Möbel verzichtet hätten. Kritik kam von Anfang an auch von Umweltverbänden. In ihren Augen ist es ein blanker Hohn, dass die Subvention offiziell Umweltprämie heißt. Denn nicht nur die Verschrottung der Altautos bläst Unmengen Gift in die Luft, der Großteil der Umweltschäden, die ein Auto im Laufe seines Lebens verursacht, entsteht bei der Produktion.

Konsum auf Pump

Schuldenuhr in Berlin tickt(Foto: AP)

Bei soviel Schulden - wen jucken da die fünf Milliarden?

Das größte Problem der Abwrackprämie liegt jedoch darin, dass die Bundesregierung die Fördersumme von fünf Milliarden Euro gar nicht hat - sie ist schuldenfinanziert. Die Freude der knapp zwei Millionen Bürger, sich mit Hilfe des Staates einen Neuwagen geleistet zu haben, werden künftige Generationen bezahlen müssen. Allerdings wirken die fünf Milliarden bei einer Gesamtverschuldung von inzwischen fast 1,7 Billionen Euro wie Peanuts.

Bei aller berechtigten Kritik hat die Abwrackprämie von allen Konjunkturmaßnahmen am schnellsten gewirkt und ist inzwischen zum Exportschlager geworden. Frankreich, Japan und die USA - immer mehr Länder finden Gefallen am Fördern durch Verschrottung.

Autorin: Zhang Danhong
Redaktion: Andreas Becker

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