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Kultur

Abwrackabgesang? – Nein!

Die Abwrackprämie war eine großartige politische Idee, ein Ausnahmeeinfall inmitten von Einnahmeausfällen. Sie lief gut, soeben lief sie aus. Angst kriecht in die Felgen. Was wird folgen? Einer weiß es: Stefan Reusch.

Schrottautos in einem Container (Foto: AP)

Die Abwrackprämie hat sich bewährt - für Autos ...

Zum Schluss ging es ganz schnell: Mittwoch, 2. September 2009 um 10 Uhr 22. "Es stehen keine Mittel für die Umweltprämie mehr zur Verfügung", heißt es auf der Internetseite des Bundesamtes für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (Bafa). Es ist vorbei. Aber es wird weitergehen. So versprach schon am gleichen Mittwoch der Wirtschaftsminister zu Guttenberg in gewohnt gewählter Sprache: "Sie (die Abwrackprämie) ist eine Facette unter vielen Maßnahmen." Die müssen noch ergriffen werden, alle. Viel gibt es noch zu tun. Von den Profis und von der Leyen, sorry: von den Laien. Von uns allen.

Zunächst gilt es Bilanz zu ziehen, damit die im Guttenbergschen Sinne "nächsten Facetten unter den Maßnahmen" auch greifen. Ulrich Höpfner, Gründer des Instituts für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) in Heidelberg ist durchaus kritisch. "Es ist gut, dass die Abwrackprämie jetzt ausläuft", sagt er und fügt hinzu: "So positiv war der Umwelteffekt schließlich auch wieder nicht. Sonst könnten wir ja auch Geld in den Fleischkonsum oder in neue Kühlschränke stecken." Recht so.

Autos waren nur der Anfang ...

Vorschlag: Warum nicht Bundesländer abwracken? Schleswig-Holstein ist schon pleite, wer ist der zweite? Und dann kauft man sich neue Länder und --- Nein: So einfach geht es nicht. Zum einen zeigt die Geschichte, dass gerade neue Länder im Unterhalt recht teuer sein können, zum anderen gibt es ein Entsorgungsproblem. Wohin mit den alten Ländern? In Salzstöcke?

Behörden-Schild mit der Abbildung des Bundesadlers und der Aufschrift 'Bad Bank' am Bundesfinanzministerium in Berlin (Foto: dpa)

... und für Banken ...

Orientieren wir uns am sozial Verträglichen. Möglich wäre heute schon die Abwrackprämie für zehn Jahre lang überzogene Konten. Sie wird jedoch erst mal noch nicht eingeführt. Nur bei sehr sehr überzogenen Konten macht man eine Ausnahme. So etwas passiert zum Glück nur Banken. Denen bietet der Staat einen Schrottplatz, eine Bad Bank, und die Geldinstitute können ganz unbelastet noch mal neu anfangen. Bravo, Sozialstaat!

Hosen ...

Anreize zum Abwracken sollte auch der kleine Mann auf der Straße haben. Wie wäre das: Sie bringen Ihre alte Hose zurück und bekommen dafür eine neue. Gegen geringen Aufpreis – "Hosenpfand" gewissermaßen. Das klingt, zugegeben, ein bisschen albern. Aber eine Regierung, die das Verschrotten intakter Autos nur bei gleichzeitigem Kauf einer neuen Dreckschleuder subventioniert und das dann "Umweltprämie" nennt, hat zumindest Sinn für Humor. Und Abwracken, nebenbei, ist ideal für unser Land. Es gibt die typisch deutsche Wegwerfmentalität. Wo haben wir denn bei der letzten Leichathletik-WM Gold gewonnen? Im Speer- und im Diskuswegwerfen. Sonst in nix!

Brötchen ...

Das gilt es zu nutzen. Beispiel: Das Projekt "Alte Brösel", das die Abwrackprämie im alltäglichen Niedrigpreisbereich verankern will. Das Problem: Alte Brötchen sind oft hart. Das Projekt "Alte Brösel" sieht ihre Rückgabe vor bei Erwerb eines neuen Brötchens. Vorteil: Man zahlt nur noch 15 Cent statt 25 – das hilft. Vielleicht sogar dem Bäcker. Darüber hinaus: Warum nicht das Altbrösel-Teil plus etwas mehr Zuzahlung eintauschen gegen ein leckeres Plunderteilchen? Genau! Und schon nimmt ihren Wunderlauf / die Konjunktur durch Plunderkauf. Und wenn das gute Teilchen übrig bleibt – macht nix: Nach zehn Jahren kann man ja den Tausch gegen einen Jahreswagen streuseln – Entschuldigung: gegen einen Jahresstreusel wagen.

Laugenstangen und belegte Brötchen in einer Berliner Bäckerei (Foto: dpa)

Warum nicht für Brötchen?

Freilich, der siechenden Autoindustrie ist damit nicht geholfen. Dort gilt es neue Kaufanreize zu schaffen. Aber diesmal bitte richtige! Etwa so: Wer zwei Autos kauft, kriegt ein drittes umsonst, wer nicht bis Weihnachten mindestens ein Auto kauft, der kriegt sein altes auch noch abgenommen. Fertig. Kein "Lasst alle Hoffnung fahren". Nein: "Lasst alle fahren – Hoffnung!"


PS:

Wie jetzt bekannt wurde, steht der nächste Coup der Politik schon fest. Ein Gratis-Angebot für alle! Am 27.September kann jeder volljährige deutsche Staatsbürger allein durch das Einwerfen eines Zettels ein komplettes Parlament wählen, mit Regierung, Opposition und allem Pipapo! Wie das geht? Der Bürger muss bloß besagten Zettel abwracken, genauer: in eine Urne werfen. Vorher sollte er eine Partei favorisiert haben mittels eines schlichten Kreuzes an einer eigens dafür vorgesehenen Stelle. Mit etwas Glück bekommt der Bürger als persönliche Abwrackprämie noch am gleichen Tag die von ihm gewünschte Partei als Regierungspartei zugeteilt. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Das wäre für ein Gratisangebot wohl auch zu viel erwartet.

Autor: Stefan Reusch
Redaktion: Claudia Unseld