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Wirtschaft

Abwertung "kein großes Thema"

Die Herabstufung mehrerer europäischer Länder, unter anderem Frankreich, sieht der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer gelassen. Ein Interview von DW-TV.

Demonstranten in Frankreich nach der Herabstufung durch Standard & Poor's (Foto: Reuters)

Demonstranten in Paris nach der Herabstufung von Frankreich

DW-TV: Was bedeutet das Urteil von Standard & Poor's für Europa? Inwieweit verschärft es die Schuldenkrise noch?

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank (Foto: Commerzbank AG)

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank

Jörg Krämer: Die Beurteilung war ja angekündigt: Im Dezember hatte Standard & Poor's angekündigt, dass mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent wesentliche Länder des Euroraumes im Rating herabgestuft werden. Das Urteil kam also nicht überraschend. Für mich ist es auch kein großes Thema. Ich denke, in ein paar Tagen wird keiner mehr davon sprechen. Wir leben in einer Welt, in der die USA oder auch Japan keine Bestnote von dreifach A mehr haben. Zweifach A ist die neue Normalität. Deshalb glaube ich nicht, dass das Urteil ein großes Thema für den Euroraum ist. Entscheidend für den Euroraum ist viel mehr, wie sich die Bonität von den Südländern entwickelt, also von Italien und Spanien. Das ist viel, viel wichtiger als die Bonitätsnote für Frankreich.

Trotzdem sprechen einige Politiker in Europa schon von einer Kampagne der Ratingagenturen. Es ist von einem Art Währungskrieg die Rede. Was halten Sie davon?

Das sind die üblichen Verschwörungstheorien. Aber man darf nicht vergessen, dass Standard & Poor's das eigene Heimatland, die USA, ebenfalls im Rating runter genommen haben und zwar schon im letzten Jahr. Es gibt viele ökonomische Gründe dafür, dass Frankreich kein dreifach A mehr hat. Die Märkte und Investoren haben das Land auch schon seit langem nicht mehr als dreifach-A-Land betrachtet.

Allerdings gibt es ja andere Ratingagenturen, die Frankreich die Bestnote belassen, Fitch zum Beispiel. Warum kommen die denn zu einer anderen Bewertung?

Zum einen ist die Ökonomie keine Naturwissenschaft. Daher kann man natürlich auch zu einer anderen Bewertung kommen. Allerdings glaube ich, dass mittelfristig auch die anderen Agenturen runter gehen werden. Die Anleger, darunter Pensionsfonds und Versicherungen, haben Frankreich ohnehin nicht mehr als dreifach A behandelt, was die Preise ihrer Anleihen anbelangt.

Was bedeutet es nun für die Länder im Euroraum, die ihre Bestnote behalten? Muss beispielsweise Deutschland Geld in den EFSF nachschießen, um dessen Schlagkraft zu retten?

Nein, das Problem sehe ich nicht, denn der EFSF hat ja eine andere Option. Der Rettungsfonds EFSF kann ja sein Rating runter nehmen lassen auf das Rating Frankreichs, auf zweifach A und dann hätte er genau dieselbe Schlagkraft wie vorher. (Allerdings steigen evtl. die Zinsen, die der Fonds auf seine Anleihen zahlen muss - d. Red.) Ich denke, das wird auch passieren. Die Kanzlerin hat ja auch schon in dieser Richtung argumentiert.

Das Interview führte Katja Losch
Redaktion: Insa Wrede

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