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Asien

Abu Sayyaf als Trittbrettfahrer des IS

Die philippinische Untergrundorganisation Abu Sayyaf sucht die propagandistische Nähe zum "Islamischen Staat". Aber laut Experten hat sie keine starken ideologischen Gemeinsamkeiten mit dem IS.

Die philippinische Islamistenmiliz Abu Sayyaf hat nach eigenen Angaben wieder eine kanadische Geisel ermordet. Die Regierung in Manila hat am Dienstag die kursierenden Medienberichte bestätigt. Der Kanadier Robert Hall war im September 2015 zusammen mit drei weiteren Menschen, darunter ein weiterer Kanadier, aus einem Strandhotel im südlichen Mindanao entführt worden. Die Islamisten hatten die Ermordung ihrer Geiseln angekündigt, sollten ihre millionenschweren Lösegeldforderungen nicht akzeptiert werden.

Bereits im Jahr 2014 hatten Abu Sayyaf im Süden der Philippinen ein deutsches Seglerpaar als Geiseln festgehalten. Die Extremisten forderten vier Millionen Euro Lösegeld und den Rückzug Deutschlands aus dem Kampf gegen das Terrornetzwerk "Islamischer Staat" (IS). Manila schickte daraufhin Soldaten und Suchtrupps auf die Insel Jolo. Am 17. Oktober 2014 kamen schließlich die deutschen Geiseln frei. Unklar ist bis heute, ob ihren Lösegeldforderungen stattgegeben wurde.

Abu Sayyaf hat den Kanadier Robert Hall (l.) ermordet. (Foto: picture-alliance/AP Photo)

Abu Sayyaf hat den Kanadier Robert Hall (l.) ermordet

Organisierte terroristische Bewegung?

Abu Sayyaf, zu Deutsch: "Schwertkämpfer", ist eine radikal-islamische Terrororganisation im muslimischen Süden der Philippinen. Seit Anfang der 1990er waren die Kämpfer auf der südlichen Insel Mindanao aktiv und dort für zahlreiche Entführungen und Terroranschläge verantwortlich. Den Kern der Gruppe bilden circa 200 Mitglieder, landesweit soll es insgesamt rund 2000 Unterstützer geben. Die Abu Sayyaf Terrorgruppe war aus der "Nationalen Befreiungsfront der Moro" (MNLF) hervorgegangen. Sie war eine Rebellengruppe, die seit den 1970er Jahren für einen eigenständigen islamischen Staat auf den Südinseln der Philippinen kämpfte. Die Mitglieder der Abu Sayyaf lehnten die gemäßigte Linie der MNLF ab. "Seit dem Tod ihres Anführers Abdurajak Janjalani im Jahr 1998 fehlt der Abu Sayyaf allerdings eine ideologische Ausrichtung", sagt Joseph Franco, Sicherheitsexperte an der S. Rajaratnam School of International Studies (RSIS) in Singapur. Die ASG sei mittlerweile tief gespalten und eher eine "Ansammlung bewaffneter Gruppierungen als eine organisierte terroristische oder sezessionistische Bewegung", so Franco weiter. Für Tony La Viña, Dekan der Ateneo School of Government in Manila, ist Abu Sayyaf lediglich "eine Banditengruppe, die sich durch kriminelle Aktivitäten, vor allem durch erpresserische Entführungen, finanziert."

Ausschluss von Friedenspakt

Im März 2014 hatte die philippinische Regierung einen Friedensvertrag mit der "Islamischen Befreiungsfront der Moros" (MILF), der größten muslimischen Rebellenfront der Philippinen, unterzeichnet. Die MILF hatte sich Ende der 1970er von der "Nationalen Befreiungsfront der Moros" (MNLF) abgespaltet. Andere islamistisch geprägte Organisationen, wie MILF-Splittergruppen, die Terrorgruppe "Bangsamoro Islamic Freedom Fighters" (BIFF) und Abu Sayyaf selbst waren an dem Abkommen im Frühjahr allerdings nicht beteiligt. "Abu Sayyaf hat keinerlei politische Forderungen, deshalb ist die Gruppe auch nicht Teil Friedensverhandlungen", so der Jurist La Viña.

Die philippinische Flagge wurde von Regierungssoldaten in einem eroberten Camp der Rebellen gehisst. (Foto: dpa)

Die philippinische Flagge wurde von Regierungssoldaten in einem eroberten Camp der Rebellen gehisst

Das Friedensabkommen gilt als das bisher vielversprechendste, um den jahrzehntelangen Konflikt zwischen der Regierung des mehrheitlich christlichen Landes und seiner muslimischen Minderheit zu beenden. Vorgesehen war eine größere autonome muslimische Region im Süden, genannt Bangsamoro (“Nation der Muslime”), die rund zehn Prozent der Landesfläche ausmachen soll. Allerdings wurde das dafür notwendige Grundgesetz des neuen muslimischen Teilstaats ("Bangsamoro Basic Law") bis heute nicht vom philippinischen Kongress verabschiedet. Zusätzlich gefährden Abu Sayyaf und andere Terrorgruppen nach wie vor den Friedensprozess in Mindanao und auf den Inseln des Sulu-Archipels.

Manila setzt auf militärische Antwort

Die philippinische Regierung in Manila hat wiederholt deutlich gemacht, dass sie auf keinerlei Verhandlungen mit Abu Sayyaf setzt und stattdessen eine verstärkte militärische Antwort bevorzugt. Die Aquino-Regierung hat seit 2014 ihr Militäraufgebot in der Region deutlich verstärkt. "Wir verhandeln nicht mit Terroristen", ließ damals der philippinische Verteidigungsminister Voltaire Gazmin verlauten. "Abu Sayyaf macht nur Propaganda. Unsere Regierung wird nicht auf die Forderungen dieser Terroristen eingehen. Wir werden uns von derartigen Gesten und Aktionen nicht einschüchtern lassen", so Gazmin weiter.

Auch der designierte Präsident Rodrigo Duterte drohte Abu Sayyaf auf einer Pressekonferenz kürzlich mit einer "Abrechnung", sollte die Gruppierung ihre Geiseln nicht freilassen und sich ergeben. Konkrete Maßnahmen gegen Abu Sayyaf nannte Duterte nicht. Er wolle sich nach seiner Amtseinführung am 30. Juni damit auseinandersetzen. Derzeit befinden sich noch mehr als 20 Einheimische und Ausländer in der Hand von Abu Sayyaf.

Die andere Rebellengruppe Moro National Liberation Front (Foto: picture-alliance/AP Photo/N. Butlangan)

Die andere Rebellengruppe "Moro National Liberation Front"

Tendenz zur Verbrüderung mit IS bislang gering

Bekannt ist, dass Abu Sayyaf seit langem intensiven Kontakt zu anderen islamistischen Terrororganisationen wie Al Kaida pflegt. So war der mittlerweile verstorbene Gründer der Abu Sayyaf, Abdurajik Janjalani, ehemals Kämpfer im afghanischen Bürgerkrieg mit der Sowjetunion. Viele Mitglieder der Abu Sayyaf wurden auch in Lagern in Pakistan, Afghanistan und Saudi-Arabien ausgebildet.

Zwar haben einige Persönlichkeiten der Miliz, wie zum Beispiel der Kommandeur Isnilon Hapilon, dem IS ihre Loyalität geschworen. Terrorismus-Experte Franco relativiert diese Geste allerdings: "Ich sehe darin mehr das Bedürfnis der Abu Sayyaf, an den Bekanntheitsgrad der IS-Miliz anknüpfen zu wollen, als eine formelle organisatorische Verknüpfung zwischen Abu Sayyaf und IS."

Abu Sayyaf wolle mit ihren Loyalitätsbekundungen zum IS lediglich ihren Drohungen mehr Gewicht geben, um bei Entführungen mehr Lösegeld fordern zu können. Diese Ansicht vertritt auch die philippinische Regierung. Für Jurist La Viña stellt Abu Sayyaf weiterhin eine ernstzunehmende Bedrohung dar. Er bezweifelt allerdings auch, dass es zu einem Schulterschluss kommt: "Der IS wird andere Verbündete in den Philippinen finden. Ich nehme an, dass es sich dabei nicht um Abu Sayyaf handeln wird."

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