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Nahost

Abu Hasna: "Die Bevölkerung ist in Panik"

Eine Feuerpause soll es der Bevölkerung Gazas ermöglichen, sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Denn die humanitäre Situation ist angespannt, wie der UNRWA-Sprecher Abu Hasna erklärt.

Wie ist die humanitäre Lage in Gaza?

Die Situation in Gaza ist sehr schwierig. Schon vor den Bombardements war die Lage schlecht. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 40 Prozent. Man kann Gaza so gut wie gar nicht verlassen. Und auch nur wenige Menschen dürfen hier den Gazastreifen betreten. Es herrscht Wasserknappheit, Trinkwasser gibt es kaum. Einem Bericht der UN zufolge wird es in Gaza bereits 2016 keinen Tropfen Wasser mehr geben, mal abgesehen davon, dass das Wasser oft voller Keime ist. Dazu kommt natürlich auch die psychische Belastung, der die Menschen hier ausgesetzt sind. Nach jeder israelischen Militäroperation hier im Gazastreifen steigt die Gewaltbereitschaft unter den Jugendlichen, es kommt zu Gewalt in Familien. Und die Jugendlichen können sich oft nicht mehr konzentrieren.

Hat sich die Wassersituation durch den Krieg also jetzt weiter verschlechtert?

Die neuen Angriffe haben auch die Wasserpumpen getroffen. Um Wasser zu bekommen, braucht man natürlich auch Elektrizität, wir haben hier allerdings nur fünf Stunden Strom am Tag. Zudem ist das Wasser hier nicht zum Trinken geeignet.

Auch Einrichtungen der UNRWA wurden durch israelische Raketen getroffen. Wie gehen Sie damit um?

Etwa 22 Einrichtungen der UNRWA wurden seit Beginn der Offensive unterschiedlich stark beschädigt. 2008 hat man auch unser Hauptgebäude bombardiert. Es ist noch nicht absehbar, wie wir heute damit verfahren werden.

Die UNRWA verteilt auch Nahrungsmittel in Gaza (Foto: AFP)

Die UNRWA verteilt auch Nahrungsmittel in Gaza

Werden nicht auch UNRWA-Einrichtungen als Bunker oder Schutzorte für die flüchtende Bevölkerung aus Nordgaza genutzt?

Das stimmt. Bis zu 19.000 Menschen haben bei uns Schutz gefunden. Insgesamt haben wir in 24 UNRWA-Schulen Bunker eingerichtet.

Woran fehlt es denn Ihrer Meinung nach derzeit am meisten im Gazastreifen?

Hier fehlt es an allem. Wir haben zu wenig Wasser, zu wenig Medikamente, wir haben auch nicht genügend Ärzte.

Wie ist denn der Umgang der Menschen mit der Situation, was beobachten Sie?

Ob Jung oder Alt - die Menschen sind in Panik. Sie stehen unter psychischer Anspannung und wir können noch nicht absehen, welche Langzeitfolgen das haben wird.

Was erwarten die Menschen denn vom Westen?

Sie wünschen sich Unterstützung, damit diese Gewaltspirale durchbrochen wird. Die Leuten leben hier nicht gut - und das war auch schon vor der israelischen Offensive der Fall. Keiner würde es aushalten, unter diesen Umständen hier zu leben. Es sind so viele Kinder und Zivilisten getötet worden. Egal wo man lebt, es kann hier jeden treffen. Besonders in den Flüchtlingslagern. Die sind so dicht besiedelt, dass dort immer jemand verletzt würde, wenn man blind einen Stein werfen würde.

Wohin sollen denn die Menschen fliehen, die vor neuen Angriffen gewarnt werden?

Die Frage stellen wir auch immer. Hier ist kein Platz. Wo die Leute hin sollen, wissen auch wir nicht.

Wie versucht denn die UNRWA auf das Leid der Menschen aufmerksam zu machen?

Wir schicken ständig Berichte über die Ereignisse mit den aktuellen Statistiken an die Vereinten Nationen und auch an die EU. Wir haben keine politische Agenda. Aber unsere Berichte sprechen für sich und zeigen, dass die Situation in Gaza wirklich gefährlich ist.

Adnan Abu Hasna lebt in Gaza. Er ist Sprecher des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) im Gazastreifen.

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