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Afrika

Abtreibungen oft Todesursache Nummer Eins

Wenn Abtreibung ein Tabu ist, führen Frauen oft illegal und unter grausigen Umständen den Tod des Embryos herbei. Dabei sterben jedes Jahr rund 70.000 Frauen. Langsam beginnt ein Umdenken.

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Viele Frauen verletzten sich bei Abtreibungen lebensgefährlich

Für viele kenianische Ärzte ist es Alltag: Frauen kommen mit schweren Blutungen, Infektionen und Verletzungen innerer Organe ins Krankenhaus. Sie behaupten, gestürzt zu sein oder einen Unfall gehabt zu haben. Doch für die Mediziner ist die Ursache meist klar: Die Frauen haben versucht, illegal abzutreiben. Sogenannte Hinterhof-Abtreibungen sind ein weit verbreitetes Phänomen in dem ostafrikanischen Land. Schlecht oder gar nicht ausgebildete Laien-Mediziner nehmen gegen Geld Schwangerschaftsabbrüche vor. Unter miserablen hygienischen Bedingungen und mit haarsträubenden Hilfsmitteln wie etwa Schießpulver, Bleichmittel, Stricknadeln oder Kleiderbügeln. "Wir waren bei einer Patientin, die bei jemandem abgetrieben hat, der überhaupt nicht qualifiziert ist", sagt ein Klinikarzt aus Nairobi, der wegen der Brisanz des Themas anonym bleiben möchte. "Die Gebärmutter war durchlöchert – die Verletzungen gingen bis in den Darm. Wir mussten eine umfassende Operation einleiten. Das ist eine übliche Komplikation. Blutungen sind am häufigsten. Manche Patientinnen bluten so stark, dass die sterben."

Abtreibungen – oft Todesursache Nummer Eins

Armut in Afrika

Was tun, wenn die Frauen kein Kind wollen?

In Kenia sind Abtreibungen die Haupttodesursache von Frauen. Auch in anderen afrikanischen Ländern sind sie weit verbreitet. Etwa 100 Afrikanerinnen sterben täglich an den Folgen nicht fachgerecht durchgeführter Schwangerschaftsabbrüche. Im südostafrikanischen Malawi gehen laut offiziellen Angaben über 30 Prozent aller Fälle von Müttersterblichkeit auf solch illegale Abtreibungen zurück. Für Seodi White von der Frauenorganisation "Women in Law in Southern Africa" ließen sich die vielen Todesfälle von Frauen vermeiden. "Wenn man Abtreibungen illegalisiert, treibt man die Frauen doch in den Untergrund. Man treibt sie dazu, unsichere und gesundheitsschädigende Abtreibungen vorzunehmen."

Viele Frauen wissen nicht, wie sie verhüten können

Kondom für Frauen Aids-Aufklärung in Afrika

Viele wissen nicht, dass man sich mit einem Kondom vor einer Schwangerschaft schützt

Oft sind es Frauen aus armen Verhältnissen, die sich zu einer illegalen Abtreibung entschließen. Sie sind häufig nur schlecht darüber informiert, wie sie eine Schwangerschaft verhindern können. Hinzu kommt, dass wirksame Verhütungsmittel nicht ausreichend verfügbar oder zu teuer sind. Werden die Frauen dann schwanger, wissen sie nicht, wie sie ein weiteres Familienmitglied ernähren sollen. "Für die Frauen gibt es da ganz unterschiedliche Motive", sagt Seodi White. "Zum Teil sind sie einfach psychisch nicht bereit. Bei jungen Frauen kommt hinzu, dass Schwangerschaften kulturell und sozial nicht akzeptiert sind in unserem Land, wenn die Frauen nicht verheiratet sind. Um also nicht gegen gesellschaftliche Vorstellungen zu verstoßen, lassen sich die Frauen auf diese Hinterhof-Abtreibungen ein".

Moral und Medizin in Einklang bringen

Quilimane Mosambik Afrika

Die Kirchen billigen Abtreibungen meist nicht

Angesichts der Ausmaße des Problems plant die malawische Frauenorganisation nun, beim Verfassungsgericht des Landes gegen die Regierungspolitik zu klagen. Abtreibungen zu verbieten sei eine Verletzung von Menschenrechten, argumentiert Frauenrechtlerin White. Für den Arzt aus Kenia steht wiederum fest, dass man mit Gesetzen Schwangerschaftsabbrüche nicht verhindern kann. "Unser Land Kenia ist nun mal christlich geprägt. Wir haben klare Vorgaben, was wir tun können. Es ist ja klar, wie Christen zu Abtreibungen stehen." Deswegen muss er immer zwischen medizinischen und moralischen Gesichtspunkten abwägen. "Auf der anderen Seite, als praktizierender Arzt, kann ich einsehen, dass Frauen nachvollziehbare Gründe für einen vorzeitigen Schwangerschaftsabbruch haben. Der sollte dann auch von geschultem Personal durchgeführt werden können."

Erste Schritte hin zur Liberalisierung in Südafrika

Einzelne Bespiele einer solchen Politik gibt es bereits in Afrika. Südafrika hat vor über zehn Jahren sein Abtreibungsrecht liberalisiert. Hier können Frauen bis zur zwanzigsten Schwangerschaftswoche legal abtreiben, wenn sie erklären, dass sie körperlich, wirtschaftlich oder sozial nicht in der Lage sind, ein Kind zu bekommen. Zwar ist seitdem die Zahl der Abtreibungen nicht gesunken. Die Todesfälle infolge von Schwangerschaftsabbrüchen gingen aber um über 90 Prozent zurück.

Autor: Jan-Philipp Scholz

Redaktion: Silke Ballweg