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Wirtschaft

Absurdes aus Brüssel: Staatshilfen für die Autobranche

Mit Milliardenkrediten will die EU-Kommission der europäischen Autoindustrie helfen, umweltfreundliche Autos zu entwickeln. Eine absurde Idee – findet Henrik Böhme in seinem Kommentar.

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Henrik Böhme

Henrik Böhme

Eigentlich ist der September ein guter Monat für Europas Autohändler. Normalerweise gilt er als absatzstarker Monat. Doch normal ist derzeit gar nichts mehr. Und so war der zurückliegende September der schlechteste seit zehn Jahren: Ein Absatzminus von acht Prozent - das wirkte beim EU-Industriekommissar Günter Verheugen offenbar wie eine Alarmglocke. Und so wurde ein seit Monaten geplantes Treffen mit Konzernchefs, Gewerkschaftern und Regierungsvertretern aus Europas wichtigsten Autoländern medienwirksam zum "Autogipfel" aufgeblasen.

Schon im Vorfeld gab es ein bekanntes Phänomen zu bestaunen: Laufen die Geschäfte gut, dann wird jede Vorschrift, die aus Brüssel kommt, als Teufelszeug verdammt. Werden die Zeiten schlechter, dann ruft die Industrie nach staatlichen Hilfen. 40 Milliarden Euro sollten es schon sein, so postulierte es die Vereinigung europäischer Autoproduzenten. Schließlich würde die Konkurrenz in den USA ebenfalls Milliarden Dollar an zinsgünstigen Krediten bekommen, um grünere Autos zu entwickeln. Und tatsächlich hat sich die EU-Kommission weichklopfen lassen: Man werde - so versprach es Kommissionspräsident Barroso - der Industrie bei der Entwicklung umweltfreundlicher Autos unter die Arme greifen.

Wer stoppt den Unsinn?

Spätestens hier kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Wie kann das angehen? Einerseits verlangt Brüssel von den Autobauern, bis 2012 den Ausstoß von Kohlendioxid kräftig zu senken. Vor allem die deutschen Hersteller, die ihr Geld hauptsächlich mit PS-starken Oberklasse-Wagen verdienen, laufen dagegen Sturm. Und jetzt plötzlich soll es Geld aus europäischen Töpfen geben, um das CO2-Ziel zu erreichen? Wer stoppt diesen Unsinn?

Staatshilfen für Europas Autoindustrie sind absurd. Denn verglichen mit der Lage der US-Amerikanischen Konkurrrenz stehen die Europäer immer noch gut da. Die Probleme von Daimler, Volvo, Fiat und Co sind hausgemacht. Die Entwicklung sparsamer Autos wurde jahrelang nur nebenher und halbherzig betrieben. Die Absatzflaute ist keine Folge der Finanzmarktkrise. Auf ihrem Heimatmarkt stagniert beispielsweise die deutsche Autoindustrie seit Jahren schon. Man muss ihr zu Gute halten, dass der Ruf nach Subventionen nie aus ihren Reihen kam.

Krise als Katalysator

Die Branche steht europaweit vor einer schwierigen Phase. Sie erlebt nun aber keine desaströse Krise, sondern einen vorerst normalen konjunkturellen Abschwung. Keiner kann derzeit vorhersagen, wieviele Jobs auf der Strecke bleiben werden. Doch die kommenden Monate, sie werden wie ein Beschleuniger wirken: Wer jetzt als Erster eine sparsame, günstige und zukunftssichere Technologie auf den Markt bringt, wird der große Gewinner sein.

Natürlich heben die Franzosen jetzt besonders selbstbewusst die Hand und sagen: Macht es doch einfach so wie wir: Deutschlands Nachbar fördert die Anschaffung umweltfreundlicher Kleinwagen mit staatlichen Mitteln. Das Ergebnis kann sich in der Tat sehen lassen: Der September war für Frankreichs Autobauer kein Krisenmonat. Sie verkauften über acht Prozent mehr Autos. Darüber sollte man wirklich mal nachdenken. Die Idee von Frankreichs Präsident Sarkozy allerdings, notleidende Autokonzerne wie andere wichtige Industriezweige teilzuverstaatlichen, die sollte am besten ganz schnell beerdigt werden. Die "Sozialistischen Staaten von Europa" - das kann wirklich niemand ernsthaft wollen.

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