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Bundesliga

Abstiegsgipfel der Ratlosen

Sowohl Köln als auch Bremen hatten ihr Duell als Chance auf eine bessere Zukunft angesehen. Nach dem Abpfiff gab es vor allem ratlose Gesichter. Beide Teams werden über lange Zeit Abstiegskandidaten bleiben.

Es war fast schon rührend, wie Dominique Heintz versuchte, die positiven Aspekte dieser Partie hervorzuheben. "Man sieht, dass jeder alles gibt", sagte der Verteidiger des 1.FC Köln nach dem 0:0 gegen Werder Bremen: "Aber man hat auch wieder gesehen, das Vieles gegen uns läuft." Die Kölner haderten mit dem Schicksal, aber auch die Bremer scheinen zunehmend den Glauben in die eigene Leistungsstärke zu verlieren. 

Nach dem Abpfiff zwischen den Rheinländern und Werder Bremen gab es vor allem viele ratlose Gesichter im Kölner Stadion. Die wichtigste Frage, die sich sowohl den FC-Fans und -Verantwortlichen als auch allen Beteiligten auf Seiten der Bremer stellte: Wie wollen diese beiden Teams überhaupt noch einmal einen Treffer erzielen? Gerade einmal jeweils drei Treffer haben die Teams bislang zustande gebracht. Und in dieser Partie gab es auf beiden Seiten große Möglichkeiten, diese erschreckende Bilanz zu verbessern.

Guirassy mehr als unglücklich

Besonders tragisch agierte der Kölner Angreifer Sehrou Guirassy, der kurzfristig für Claudio Pizarro in die Partie kam, weil der Peruaner sich beim Aufwärmen zu dieser Begegnung verletzt hatte. Der 21 Jahre alte Franzose ließ gleich vier große Möglichkeiten aus und brachte es sogar fertig, den Ball nahezu auf der gegnerischen Torlinie um den Torpfosten herum ins Toraus zu bugsieren. "Wir hauen uns rein, machen und tun - und hauen uns die Dinger selbst von der Linie", sagte FC-Verteidiger Dominic Maroh sichtlich ungläubig: "Das tut mir unheimlich weh."

1. Bundesliga 9. Spieltag | 1. FC Köln - Werder Bremen (Reuters/W. Rattay)

Der Spieler ist im Tor, der Ball nicht - Guirassy (r.) bringt eine hundertprozentige Chance nicht unter

"Das war sicher ein wenig unglücklich", räumte auch FC-Trainer Peter Stöger mit gequältem Gesichtsausdruck ein. "Aber er hat alles für die Mannschaft getan. Ich kann nur dann damit nicht leben, wenn einer sich nicht für das Team einsetzt."

Viel Einsatz und Leidenschaft

Allerdings erging es den Bremern nicht besser: Auch sie kämpften, rackerten, warfen sich in jeden Zweikampf. Aber einen Ertrag für den maximalen Einsatz sollten auch sie nicht erwirken. 116,4 Kilometer spulten die Hanseaten ab, die Kölner liefen 114,7 Kilometer. An Leidenschaft und Einsatzfreude mangelte es keinem der Spieler auf dem Feld. Allerdings leisteten sich beide Teams eine schier unendliche Anzahl von Fehlpässen (Köln: 65; Bremen: 60), durch die die große Mehrzahl der Angriffsversuche auf beiden Seiten bereits im Keim erstickt wurde. 

"Man konnte gut erkennen, weshalb beide Teams in dieser Situation stecken", sagte Bremens Zlatko Junuzovic. "Es fehlt beiden an Entschlossenheit und Selbstvertrauen." Was sich auch bei den Bremern vor dem gegnerischen Tor besonders negativ auswirkte.

Denn auch Maximilian Eggestein und Thomas Delaney hätten mehrfach für die Entscheidung zu Gunsten der Bremer sorgen können, gerade in einer Schlussphase, in der beide Seiten unbedingt den Sieg erzwingen wollten und sich einen offenen und vor allem wilden Schlagabtausch leisteten.

Ratlose Trainer

Weder die Kölner noch die Bremer hatten trotz ihrer misslichen Tabellensituation geplant, die defensive Stabilität in den Vordergrund zu stellen und das Offensivspiel zu vernachlässigen. Im Gegenteil: Trotz aller Fehler im Passspiel versuchte es Köln 18 Mal einen Treffer zu erzielen. Die Bremer waren 14 Mal glücklos.

1. FC Köln - Eintracht Frankfurt | Schmatke und Stöger stinkesauer (picture alliance/dpa/F. Gambarini)

Wie geht es weiter? Schmadtke (l.) und Stöger (r.)

Umso ratloser schauten auch beide Trainer nach der Partie drein. "Das ist ein Ergebnis, mit dem wir beide nichts anfangen können", sagte Stöger und blickte fast schüchtern herüber zu seinem Kollegen Alexander Nouri, der diese These mit einem Nicken bestätigte. "Wir können jammern wie wir wollen, es waren Chancen genug da. Wenn du die nicht nutzt, dann wird es schwierig", so Stöger.

Ein weiterer unerfreulicher Aspekt verbindet die beiden Schlusslichter der Bundesliga zudem. Die Diskussionen um die Fußballlehrer werden weiter an Fahrt gewinnen. Nouri steht an der Weser gehörig unter Druck. Sollte der 38-Jährige gegen 1899 Hoffenheim im DFB-Pokal und in der Bundesliga gegen den FC Augsburg nicht erfolgreich sein, dürften die Verantwortlichen konkret über einen Trainerwechsel nachdenken.

Schmadtke unterbindet Trainerdiskussion

Beim 1.FC Köln versichern derweil noch alle Beteiligten, dass sie willens sind, gemeinsam weiterzumachen. Stöger schloss aus, von sich aus aufzuhören. "Ich kann und werde auch nicht von mir aus den Platz räumen, wenn ich nicht sehe, dass es eine andere und bessere Lösung für den Klub gibt", sagte der 51-Jährige. Jörg Schmadtke versuchte weitere Spekulationen schnellstens zu unterbinden. "Es bleibt bei dieser Konstellation. Es gibt keine Diskussion", sagte der FC-Sportdirektor.  

Und so traten beide Mannschaften den Heimweg an mit der Erkenntnis an, dass sie wohl für lange Zeit Abstiegskandidaten bleiben werden und eine große Chance vertan haben, eine positive Zukunft einzuleiten. "Wir schaffen es einfach nicht, den Ball über die Linie zu bekommen. Es ist wie verhext", hatte FC-Torhüter Timo Horn bemängelt. Der 24-Jährige sprach damit - wenn auch ungewollt - stellvertretend sowohl für die Kölner als auch für die Bremer.

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