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Politik

Abstiegsgefahr

Ein ungewohntes Bild! Wirklich? Deutschland liegt hinten. Nicht mehr nur - schlimm genug! - im Fußball. Nein, wir sind jetzt richtig Schlusslicht - in der Wirtschaft. Eine Ferndiagnose von Alexander Kudascheff.

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Selbst Griechenland, Portugal, Irland, Finnland, Spanien - alle sind besser, von unseren normalen Konkurrenten Frankreich und England gar nicht zu reden. Was ist vom Wirtschaftswunderland Deutschland geblieben? Nur eine blasse Erinnerung. Und in Europa reibt man sich die Hände, hämisch, zufrieden - und doch auch besorgt. Denn: Hustet der deutsche Wirtschaftsriese, dann kriegt die EU schnell eine Lungenentzündung. Und der Euro beschleunigt noch die europäische Fieberkurve.

Denn nationale Alleingänge - gerade in der Geld- und Zinspolitik sind passé. Das weiß nicht nur Hans Eichel. Der deutsche Wirtschaftsriese wankt auf tönernen Beinen, so der Befund in Europa. Und schlimmer noch: er ist wenig selbstkritisch. Immer noch glaubt er, er könne sich ohne tiefgreifende Reformen aus dem Sumpf ziehen. Dabei ist das Gegenteil richtig: Strukturreformen sind nötiger denn je - in der Arbeitsmarkt-, in der Gesundheits-, in der Steuer-, in der Renten-, in der Bildungspolitik.

Überall hinkt Deutschland hinterher. Die Deutschen können schlechter lesen und schreiben als die meisten anderen Europäer - früher konnten sie das sowieso besser, aber sie konnten auch besser rechnen. Das ist jetzt vorbei. Schweden, Dänen, Finnen, Holländer, Briten - allen fallen tausend Ideen und Reformen ein - und vor allem: Sie verwirklichen sie.

Wenig bleibt liegen - im Gegensatz zu den trägen Deutschen. Bei ihnen bleibt alles liegen oder unvollendet – und deswegen bleiben sie sitzen. Selbst wenn den Deutschen der blaue Brief aus Brüssel erspart blieb: Die Lage ist ernster als in Vorwahlkampfzeiten anscheinend geglaubt wird. Der Befund aus Brüsseler Sicht ist trist: wirtschaftlich ein Sitzenbleiber, in der Bildung ein

Sitzenbleiber, in der Außen-und Verteidigungspolitik, unfähig auch nur eine Kompanie selbst nach Kabul zu bringen, wortbrüchig wenn es um den gemeinsamen Airbus -Transporter geht , und im Fußball sind die Chancen bei der WM auch nur schlecht. Da bleibt den Deutschen nur eins: jammern, denn da sind sie auf jeden Fall Dauerweltmeister.

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  • Datum 24.01.2002
  • Autorin/Autor Alexander Kudascheff
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1kDt
  • Datum 24.01.2002
  • Autorin/Autor Alexander Kudascheff
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