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Kultur

Abseits der Spendenflut

Die Jahrhundertflut in Ostdeutschland war lange Nummer eins in den deutschen Medien. Aber es gibt noch eine weitaus größere Katastrophe: die Hungersnot in Afrika. Doch anscheinend hat dafür niemand mehr Gelder übrig.

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Hungern im Schatten der Aufmerksamkeit

14 Millionen Menschen sind betroffen von der Hungerkatastrophe in Ländern wie Angola, Malawi, Äthiopien und Simbabwe. Als die ersten Zahlen um die Welt gingen, war das Medieninteresse an Afrika groß. Doch dann kam die Flut in Ostdeutschland, die Hungersnot in Afrika interessierte praktisch gar nicht mehr, so Medienkritiker.

Vergessene Krisen

Der Hunger in Afrika rückte in den Hintergrund und hat es bis heute nicht wieder in die Medien geschafft. Das spiegele sich in den Spendeneinnahmen wider, so Beatrix Lohr vom Malteser Hilfsdienst in Berlin im Gespräch mit DW-WORLD. Im September habe man sechs Millionen Euro und Sachspenden im Wert von zwei Millionen zusammengetragen.

Für Afrika könne man bislang keine Bilanz ziehen, aber es werde deutlich weniger sein als bisher, bedauert Lohr. Das Problem sei, dass andere Krisen die Tagesordnung in den Medien bestimmen, die Geiselnahme in Moskau etwa oder das Erdbeben in Italien. "Doch da sind vergessene Krisen auf der Welt – wie die in Afrika." Und dort gebe es eine grausame Regelmäßigkeit: der Hunger. "Wenn wir dafür Spenden wollen, dann brauchen wir auch die Medien", appelliert Lohr.

Solidarität vor der eigenen Haustür

Beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) sieht die Spendenbilanz ähnlich aus: Rund 121 Millionen Euro für Ostdeutschland, für Afrika hingegen etwa 760.000 Euro. Je leichter sich die Spender in die Opfer hineinversetzen könnten, desto größer falle auch die Hilfe aus, so Lübbo Roewer vom DRK Berlin. "Bei einer Naturkatastrophe direkt vor meiner Tür, die auch mich hätte treffen können, sind die Menschen geschockt und sagen, hoffentlich hilft man mir auch, wenn so eine Katastrophe auch mal da passiert, wo ich wohne."

Auch wenn andere Einrichtungen wie Caritas International noch keinen Spendeneinbruch in ihren Bilanzen feststellen können: Alle Hilfsorganisationen kennen das Problem, Spenden für Hungernde zu bekommen, gerade bei Notlagen, die wie die in Afrika, die auch durch politische Misswirtschaft entstanden sind.

Tag für Afrika verschoben

Für November 2002 hatten alle großen deutschen Hilfsorganisationen zusammen einen Tag für Afrika geplant. Durch die Flut in Deutschland aber wurde die Zeit knapp, den Tag hinreichend vorzubereiten. Es war auch keine Fernsehanstalt bereit, noch einmal Sendeplätze für Katastrophenhilfe bereitzustellen. Deshalb wird der Afrika-Tag auf den nächsten Frühjahr verschoben. Doch für viele Afrikaner ist das zu spät: "Wenn die Prognosen stimmen, werden bis dahin tatsächlich viele Menschen hungern und viele auch verhungert sein."

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