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Nationalmannschaft

Abschiedsknaller von Podolski

Action nach Drehbuch: Im Freundschaftsspiel gegen England bleibt die deutsche Nationalelf über weite Strecken blass. Für den Knalleffekt sorgt schließlich Lukas Podolski in seinem letzten Länderspiel.

Selten lässt sich ein Spiel auf einen einzigen Moment reduzieren. Die Partie der deutschen Nationalelf gegen England schon. Alles dreht sich um diesen einen Moment in der 69. Minute: Endlich wurde er mal freigespielt. Lukas Podolski legte sich den Ball auf seinen starken linken Fuß. Dann ein kurzer Antritt und der wuchtige Schuss, der perfekt im rechten Torwinkel einschlug. Für Joe Hart, den bis dahin weitgehend beschäftigungslosen Torwart der englischen Elf, gab es nichts zu halten. Ein Traumtor. Es war der Siegtreffer zum 1:0 (0:0) für eine bis dahin unterlegene deutsche Elf. Erzielt vom Mann des Abends, Podolski, der seinen 130. und letzten Auftritt im DFB-Trikot mit seinem 49. Treffer krönte. "Das Tor war ein typischer Poldi", freute sich nach dem Spiel auch Bundestrainer Joachim Löw. "Aber besondere Spieler verdienen auch einen besonderen Abschied wie diesen. Das ist toll für ihn."

Podolski dankt Fans, Familie und dem DFB-Team

Bundestrainer Löw und Lukas Podolski umarmen sich nach der Auswechslung des Spielers. Foto: dpa-pa

Ende eines langen gemeinsamen Wegs: Löw und Podolski

Vor dem Anstoß dankte Podolski für "13 geile Jahre" in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Mit Blick auf die Fans sagte er: "Wenn ich das hier so sehe, würde ich am liebsten jedem die Hand geben und persönlich 'Danke' sagen." Außerdem hob er die Rolle seiner Familie und des Helferstabes der DFB-Elf hervor. Seine kurze Ansprache schloss der Weltmeister mit den Worten: "Danke Dortmund, danke Köln und danke Deutschland!"

Mehr Höhepunkte hielt die erste Halbzeit für die deutschen Fans allerdings kaum bereit. Die junge Elf mit Debütant Timo Werner fand nicht richtig ins Spiel. In der Offensive kam kaum eine Kombination zustande. Die Defensive um die beiden Innenverteidiger Mats Hummels und Antonio Rüdiger hatte gut zu tun und wirkte nicht immer sattelfest. Nach einem Ballverlust von Joshua Kimmich stürmte Adam Lallana allein auf das deutsche Tor zu und schob den Ball an Keeper Andrè Ter Stegen vorbei, das Leder prallte jedoch vom Pfosten zurück ins Feld (31. Minute). Kurz vor der Pause tauchte Dele Alli völlig frei vor Ter Stegen auf, der deutsche Torwart reagierte allerdings glänzend und vereitelte die Riesenchance (41.).

England spritziger und spielfreudiger 

Nach Wiederanpfiff sorgte Julian Brandt mit einem für die bis dahin beste Möglichkeit der deutschen Elf: Sein Schuss von der Strafraumkante landete knapp links neben dem Tor (48.). Danach erspielten sich wieder die Engländer ein Übergewicht und strahlten durchweg mehr Torgefahr aus. Bis zu dem Moment, als Podolski sich ein Herz fasste.

Deutschland Freundschaftsspiel Deutschland vs. England in Dortmund (picture-alliance/dpa/B. Thissen)

Perfekt in den Winkel: Podolskis Abschiedstor

Wenig später erhoben sich dann die 60.109 Zuschauer in Dortmund applaudierend. Bundestrainer Löw holte Podolski, dem er an diesem Abend nicht nur den Einsatz in der Startelf, sondern auch noch die Ehre der Kapitänsbinde mit auf den Weg gegeben hatte, vom Feld. Ob des letzten Streiches seines langjährigen Schützlings konnte sich Löw selbst ein breites Grinsen nicht verkneifen. In der Schlussphase wirkten die Engländer aufgrund des überraschenden Gegentreffers etwas resigniert. Das DFB-Team konnte sich noch einige Möglichkeiten erarbeiten, blieb aber ohne weiteren Torerfolg.

Als "fast schon zu kitschig", empfand der schelmische Thomas Müller die Geschichte dieses Spiels. "Wichtig ist, dass er jetzt diese tollen Momente aufsaugt", empfahl er Podolski, der in den Momenten nach dem Spiel noch eine Ehrenrunde drehte und von seinen Teamkollegen geherzt wurde. Der so umjubelte 31-Jährige schien genau das im Sinn zu haben. "Das ist ein geiler Film: Wir gewinnen 1:0, und ich mache das Ding", sagte Podolski. "Ich weiß ja auch, dass ich einen linken Fuß habe, den mir der liebe Gott oder sonstwer gegeben hat. Ich bin stolz auf die vergangenen 13 Jahre." Stolz war trotz der Niederlage auch Englands Coach Gareth Southgate auf die Leistung seiner Mannschaft, um im gleichen Atemzug ebenso den Mann des Abends zu würdigen. "Normalerweise gibt es keine Märchen im Fußball. Heute hat es eines gegeben. Das ist eine wundervolle Nacht für ihn", sagte Southgate über Podolski.

Abseits des Poldi-Trubels bekam die deutsche Elf von der gut aufgelegten englische Mannschaft die Grenzen aufgezeigt. Offensiv konnten weder Leroy Sané noch Julian Brandt oder Debütant Timo Werner starke Akzente setzen. Die Abwehr um Hummels und Rüdiger agierte nicht immer mit letzter Konsequenz. Am kommenden Sonntag (18 Uhr MESZ, ab 17.45 im DW-Liveticker) wird eine Leistungssteigerung nötig sein. Dann tritt die DFB-Elf in der WM-Qualifikation in Baku gegen Aserbaidschan an. 

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