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Europa

"Abschiedsgeschenke" für die Gastarbeiteři in Tschechien

Die tschechische Regierung denkt an die Zukunft. Das Kabinett hat einstimmig beschlossen: Ausländer, die freiwillig zurück in ihre Heimat gehen, bekommen vom Staat ein "Abschiedsgeschenk".

Vietnamesische Ladenbesitzer auf einem Markt in Tschechien (Foto: dpa/16.06.2007)

In Tschechien gibt es dank der Gastarbeiter viele "Vietnamesenmärkte"

Ein Flugticket in Richtung Heimat und 500 Euro bar auf die Hand - das bietet die tschechische Regierung zunächst 2000 Nicht-EU-Bürgern an, die im Land leben und arbeiten. Oder als Folge der Wirtschaftskrise schon entlassen wurden. Die Bedingung: Die Ausländer müssen mittellos sein, um die Unterstützung beanspruchen zu können.

Zuckerbrot und Peitsche

Flugzeug mit Kondensstreifen

Das Geschenk: ein Flugticket und 500 Euro

Den Staat kostet dieses "Motivations-Paket" fast 61 Millionen Kronen, umgerechnet rund 2,2 Millionen Euro. Das sei aber gut investiertes Geld, sagt Innenminister Ivan Langer. "Denn wenn wir das Problem nicht angehen würden, kämen noch höhere Aufwendungen auf uns zu. Zum einen finanzielle, zum anderen sicherheitspolitische, also insbesondere drohende Straftaten und ähnliches", erklärt er.

Die Regierung will also ein Abgleiten der Ausländer in die Illegalität verhindern. Innerhalb des nächsten halben Jahres laufen fast 70.000 Arbeitsbewilligungen aus. Visa-Erteilungen sollen stark eingeschränkt, Agenturen, die Ausländer anstellen, stärker kontrolliert werden.

Die Ursache für das Problem bleibt

Der tschechische Innenminister (Foto: dpa/23.11.2007)

Der tschechische Innenminister Ivan Langer

Es trifft Ukrainer, Mongolen, vor allem aber Vietnamesen. "2000 Vietnamesen würden das Angebot sofort annehmen. Aber wir müssen damit rechnen, dass wir uns innerhalb des nächsten halben Jahres um weitere 12.000 Vietnamesen kümmern müssen", sagt Marcel Winter von der Tschechisch-vietnamesischen Gesellschaft.

Die Regierung kümmere sich nur um die Folgen, nicht aber um die Ursachen des Problems, kritisiert Winter. Die Agenturen hätten in der Vergangenheit die "Gastarbeiteri" – wie sie hierzulande oft genannt werden - ins Land geholt, ohne auf ihre Sprachkenntnisse und ihre Qualifikation zu achten, sagt er.

Viele werden wohl bleiben

Eine vietnamesische Händlerin (Foto:07.09.2002)

Es ist fraglich, ob das "Motivations-Paket" funktioniert

Viele Ausländer haben in ihrer Heimat Schulden gemacht, um nach Tschechien zu gelangen. Zu Hause warten auf die meisten Arbeitslosigkeit und Geldprobleme. Und: Ihre Familien brauchen das in Tschechien verdiente Geld.

Pavel Čižinský von der Bürgerberatung glaubt nicht, dass die Anreize der Regierung fruchten. "Ein Ausländer weiß: Wenn ich jetzt in meine Heimat zurückreise, dann bekomme ich später kein zweites Visum mehr für die Tschechische Republik. Da ist es dann eigentlich gleichgültig, ob jemand zur Rückkehr gezwungen wird oder das Angebot annimmt", erklärt er. Denn wenn die Menschen freiwillig gingen, könnten sie in den nächsten Jahren nicht einfach wiederkommen.

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