1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Filme

Abschied von US-Komikerlegende Jerry Lewis

Der Komiker und Entertainer Jerry Lewis galt als Meister des Filmklamauks in den USA. Nun ist er mit 91 Jahren gestorben. Hollywood trauert um einen ihrer Größten.

Mund und Augen weit aufgerissen, kurz darauf schielend verdreht, die Mimik entgleist. Mit seinen Grimassen überzog Jerry Lewis maßlos, machte dies aber so gekonnt, so liebenswürdig und komisch, dass er ganze Generationen mit seinem Humor prägte. Tollpatschig eroberte er die Kinokassen in Filmen wie "Hallo Page" (1960) und "Der Bürotrottel" (1963) und prägte mit seinem ganz eigenen Slapstick und Klamauk nachfolgende Komikergenerationen wie Jim Carrey, Eddie Murphy, Jerry Seinfeld oder Robin Williams.

"Ich bin, weil er war", würdigte US-Komiker Jim Carrey das Lebenswerk. Für Schauspielerin Jamie Lee Curtis, dessen Eltern Janet Leigh und Tony Curtis mit Jerry Lewis zusammengearbeitet hatten, war er Teil der Familie.

Sieben Jahrzehnte umfasste seine Filmkarriere, die in den 1940ern begann. Er sei mit "Schminke im Blut" aufgewachsen, soll Lewis über seine Kindheit und Jugend gesagt haben. Der Sohn jüdisch-russischer Einwanderer lernte schnell von seinem Vater, einem Nachtclub-Sänger mit großem Komik-Talent. Jerry Lewis trat in dessen Fußstapfen und stand bereits mit 18 als Alleinunterhalter auf den Clubbühnen. Hier lernte er 1945 einen italo-amerikanischen Schnulzensänger mit dem Künstlernamen Dean Martin kennen - die Geburtsstunde des erfolgreichsten Komikerduos des US-amerikanischen Nachkriegskinos.

Dean Martin and Jerry Lewis, 1955 (Foto: picture-alliance/dpa/Everett Collection)

Erfolgreichste Komiker-Duo des Nachkriegskinos: Dean Martin (links) und Jerry Lewis

Dean Martin gab den singenden, gut aussehenden Frauenschwarm, Jerry Lewis die stotternde Nervensäge. Statt geskripteter Dialoge improvisierten die beiden häufig, Lewis versuchte oft, nicht das Publikum sondern seinen Filmpartner zum Lachen zu bringen. Das eingespielte, authentische Paar, dass zunächst mit einer eigenen Radiosendung startete, realisierte 16 gemeinsame Kinofilme wie am Laufband. "Ein Kerl mit Sexappeal und ein Affe, so sahen uns viele Menschen", schrieb Lewis später in seinem Buch "Dean an me". 

Unermüdlicher Tausendsassa

Nach zehn Jahren war dann Schluss. Überdrüssig waren sie einander geworden, Dean Martin war es leid, immer das gleiche zu spielen, Jerry Lewis machte alleine weiter: als Regisseur, Produzent, Hauptdarsteller. Und obwohl längst in den 1960er Jahren angekommen, waren seine Slapstick-Einlagen der Nachkriegszeit immer noch zeitlos komisch. Zum regelrechten Blockbuster wurde sein Film "Der verrückte Professor" von 1963, eine Persiflage auf den Horrorfilm "Dr. Jekyll & Mr. Hyde", die 1996 mit Eddie Murphy neu verfilmt wurde.

Jerry Lewis hatte aber auch ernste Seiten. 1972 versuchte er sich an einem besonders delikaten Sujet: In "The day the clown cried" spielte er einen deutschen Zirkusclown, der dazu verurteilt ist, Kindern in Konzentrationslagern den Weg in die Gaskammer zu erleichtern. Damit thematisierte er erstmals auch seine jüdische Herkunft. Doch der Film scheiterte. Lewis, der die Hauptrolle spielte und Regie führte, war das Ergebnis so peinlich, dass er den Film niemals veröffentlichte. Zehn Jahre sollte es dauern, bis sich Lewis davon erholte.

Ernsthaftes Alterswerk

Jerry Lewis 2013 in Cannes (Foto: Getty Images/S.C.Wilson)

Jerry Lewis bei der Premiere von "Max Rose" in Cannes 2013

Dafür stieg er dann umso fulminanter wieder ein: Martin Scorsese besetzte ihn 1982 in "King of Comedy", ein ernster Film über einen alternden Komiker. Zum Tod seines einstigen Hauptdarstellers schrieb Scorsese: "Jerry Lewis war ein Meister. Er war ein Gigant. Er war ein Innovator. Er war ein großer Entertainer." Nie werde er die gemeinsame Drehzeit vergessen. "Er war - ohne Übertreibung - einer unserer Größten."

Es folgten einige wenige Filme, unter anderem auch, da der alternde Komiker gesundheitlich angeschlagen war. 1995 übernahm er in "Funny Bones" noch einmal die Rolle eines alternden Starkomikers. 2013 spielte er in "Max Rose" einen Jazzmusiker, der nach dem Tod seiner Frau sein ganzes Leben in Frage stellt. Premiere feierte er da mit Ende 80 in Cannes - öffentlich zu sehen gab es den Film, der an den Kinokassen eher floppte, dann erst 2016 bei der Retrospektive "Happy Birthday, Mr. Lewis: The Kid Turns 90" im New Yorker Museum of Modern Art. Und auch Hollywood setzte der Komikerlegende, die nun im Alter von 91 in Las Vegas gestorben ist, ein Denkmal. Als einer der wenigen Schauspieler ist Jerry Lewis dort mehrfach verewigt: mit zwei Sternen auf dem "Walk of Fame".

Die Redaktion empfiehlt

Symbolbild Film Festival roter Teppich

Dossier KINO Favoriten: Die Besten des deutschen Films

Was sind die besten Dramen, die lustigsten Komödien, die Top-Schauspielerinnen und die größten Leinwandhelden? In der Serie "KINO Favoriten" präsentiert das DW-Filmmagazin seine ganz persönliche Auswahl.