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Nachrichten

Abschied von Jemen-Geiseln

Mehr als 1000 Menschen haben sich zu einer Trauerfeier für die zwei im Jemen ermordeten Krankenhaus-Praktikantinnen versammelt. Das Schicksal der entführten deutschen Familie bleibt unklar.

Trauerfeier in der Kirche der Immanuel-Gemeinde in Wolfsburg (Foto: ap)

Die Trauerfeier für die getöteten Geiseln war bis auf den letzten Platz besucht

Bei einer Trauerfeier in Wolfsburg haben am Dienstag (23.06.2009) mehr als 1000 Freunde, Verwandte und Gemeindemitglieder Abschied von den zwei in Jemen getöteten Bibelschülerinnen Anita G. und Rita S. genommen. Die beiden 24 und 26 Jahre alten Frauen, die ein Krankenhaus-Praktikum in dem arabischen Land absolvieren wollten, waren dort entführt worden. Die Leichen waren vorige Woche zusammen mit der einer Südkoreanerin in der jemenitischen Provinz Saada gefunden worden. Die Beisetzung der Cousinen soll im engsten Familienkreis stattfinden. Beide Frauen stammten aus dem niedersächsischen Landkreis Gifhorn, sie besuchten eine Bibelschule im westfälischen Lemgo und gehörten der baptistischen Kirche an.

Schicksal unklar

Anita G. und Rita S. (Foto: ap)

Anita G. (r.) und Rita S. sowie eine Südkoreanerin wurden von den Entführern ermordet

Der arabische Fernsehsender Al-Arabija berichtete, dass die ebenfalls verschleppte fünfköpfige deutsche Familie und der mit ihr entführte Brite noch am Leben und in der Provinz Saada den schiitischen Houthi-Rebellen übergeben worden seien. Diese würden kurz davor stehen, die Geiseln freizulassen. Houthi-Rebellen bestritten jedoch kurz darauf, dass ihnen die Geiseln übergeben worden seien. Salih Habra, der Sprecher der Bewegung, sagte, die Rebellen hätten keinerlei Informationen über das Schicksal der Geiseln. Sie hätten nur "einige Erkenntnisse" über die Identität der Geiselnehmer. Kurz zuvor hatten in der Stadt Saada Berichte über angebliche Lösegeldverhandlungen die Runde gemacht.

Keine Bestätigung durch Bundesregierung

Ein jemenitischer Stammesvertreter bestätigte die Version von Al-Arabija. Die sechs Geiseln befänden sich in der Gegend von Rusmat in der nordjemenitischen Provinz Saada. Sie seien dem schiitischen Rebellenführer Abdallah el Risani übergeben worden. Zu den Entführern gehörten zwei Männer, deren Namen mit Mohsen el Tam und Fauas Morki angegeben würden, so der Stammesvertreter weiter.

Auch Mohammed Al-Erjani, der jemenitische Botschafter in Deutschland, äußerte sich zuversichtlich, dass die Entführung bald zu Ende sein werde. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Entführer die deutsche Familie und den britischen Ingenieur nicht getötet hätten und es noch in dieser Woche eine Lösung geben werde.

Der Diplomat betonte weiter, die jemenitische Regierung kenne
inzwischen einige Entführer und habe deshalb über Mittelsmänner
Kontakt aufnehmen können. Er deutete an, die in der Region Saada dominierenden Houthi-Rebellen wüssten, wer die Europäer in der Gewalt habe. Mit der Al-Kaida habe die Geiselnahme nichts zu tun.

Die Bundesregierung konnte oder wollte diese Berichte und Informationen bislang nicht bestätigen. Der Vize-Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke, sagte, es handele sich um Gerüchte, die dem Krisenstab auch bekannt seien. Zu Berichten über die möglichen Hintergründe der Entführung wollte er sich nicht äußern.

Ermordung wegen Missionarsarbeit?

Menschen (Foto: ap)

Viele Menschen reisten extra für den Trauergottesdienst an

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte am Wochenende berichtet, die Entführung der Deutschen könne mit einer möglichen Tätigkeit der Opfer als christliche Missionare zusammenhängen. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes gehe davon aus, dass die Deutschen vor Ort auch als Missionare bekannt gewesen seien. So soll es vor wenigen Monaten einen heftigen Streit gegeben haben, bei der Muslime den verschleppten Familienvater bedroht und ihn zum Stopp seiner Missionierungsversuche aufgefordert hätten. Der Mann soll den Vorfall in einem Rundbrief an Freunde in Deutschland geschildert haben.

In der Region Saada bekämpfen sich seit 2004 schiitische Aufständische und Regierungstruppen. Tausende Menschen wurden bislang in dem Konflikt getötet. (whn/sti/je/ako/dpa/afp)

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