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Europa

Abschied vom Stierkampf in Katalonien

Die Region Katalonien im Nordosten Spaniens verbietet den Stierkampf. Nach einer emotional geführten Debatte entschied das Parlament in Barcelona mehrheitlich gegen den traditionellen Kampf in der Arena.

Stier wirft Torero am Bein zu Boden (Foto: dpa)

Auch wenn er sich wehrt: der Stier ist immer das Opfer bei der 'Corrida'

Es ist ein historischer Sieg für Spaniens Tierschützer und eine bittere Niederlage für Traditionsbewusste: Das Parlament von Katalonien hat am Mittwoch (28.07.2010) die Abschaffung des Stierkampfes beschlossen. Damit verschwinden die blutigen Schaukämpfe ab 2012 aus der wohlhabenden Region im Nordosten des spanischen Festlandes, in der zehn Prozent der insgesamt 46 Millionen Spanier leben. Es ist das erste Verbot seiner Art auf dem spanischen Festland.

"Ende der Folter in den Arenen"

Im Regionalparlament von Barcelona fiel die Entscheidung nach einer emotionalen Debatte, in der sich Gegner und Befürworter unversöhnlich gegenüber standen. Die Befürworter des Stierkampfes, der sogenannten "Corrida", forderten dabei "Stiere ja, Freiheit ja", die Gegner verlangten ein Ende der "Folter" in den Arenen.

Ein Sprecher der gemäßigten Partei Konvergenz und Union (CiU), Josep Rull, sagte, ein Nein zum Stierkampf zeuge nicht von einer antispanischen Gesinnung, wie Befürworter gerne unterstellten. Er verwies auf das englische Fuchsjagd-Verbot. Auch damit werde englischen, britischen und schottischen Traditionen keine Absage erteilt.

Torero und Stier in einer Arena (Foto: AP)

Das blutige Ende eines Stieres in der Arena

Die Abstimmung schloss schließlich mit 68 zu 55 Stimmen gegen den Stierkampf, neun Parlamentarier enthielten sich. Mehrere Parteien hatten den Fraktionszwang aufgehoben und ihren Abgeordneten freigestellt, wie sie abstimmen. Das Thema war auf Anregung der Tierschutzinitiative Prou! (Es reicht!) ins Rollen gekommen. Sie hatte Ende vergangenen Jahres eine entsprechende Petition eingebracht und mehr als 180.000 Unterschriften gesammelt. Anhänger des Stierkampfes kündigten eine Verfassungsklage gegen das Verbot an.

Arena war selten ausverkauft

Anti-Stierkampf-Aktivist mit 'Stop'-Plakat (Foto: dpa)

Sie fordern ein Stierkampf-Verbot in ganz Spanien: Aktivist mit Protest-Plakat

Die letzte noch verbliebene Stierkampfarena in der Regionalhauptstadt Barcelona wird geschlossen. Dort fanden 15 Kämpfe pro Jahr statt, die Arena war selten ausverkauft. In ganz Spanien gilt der Stierkampf mit 40.000 Arbeitsplätzen trotzdem als wichtiger Wirtschaftssektor.

Als erste Region hatten die Kanarischen Inseln 1991 den Stierkampf verboten. Dagegen hatten andere spanische Regionen wie Madrid oder Valencia den Stierkampf zum "schützenswerten Kulturgut" erklärt. Von dem Verbot ausgenommen bleiben die "Correbous", die bei lokalen Feierlichkeiten in der Ebro-Region veranstaltet werden und die Kritiker ebenfalls für Tierquälerei halten. Dabei werden Stiere und Kühe von einer Menge durch die Dörfer gejagt. In einigen Orten werden brennende Fackeln an den Hörnern der Tiere befestigt. Nach Einschätzung spanischer Zeitungen hätte das Stierkampfverbot keine Mehrheit gefunden, wäre auch diese Tradition in den Antrag aufgenommen worden.

Die Zahl der Kämpfe ist in ganz Spanien in den vergangenen Jahren auf rund 1.000 pro Saison gesunken. Grund dafür sind auch geringere Steuereinnahmen, die örtliche Regierungen dazu veranlassen, die Subventionen für Stierkämpfe in Kleinstädten zu kürzen. Tierschützer hoffen, dass auch andere spanische Regionen nachziehen werden.

Autor: Herbert Peckmann (apn, rtr, epd, dpa, afp)

Redaktion: Dirk Eckert

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