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Wirtschaft

Absatz bei Porsche bricht ein

Auch der erfolgsverwöhnte Autobauer ist ein Opfer der weltweiten Finanzkrise: Mit einem Produktionsstopp und einem Sparprogramm will er dem Gegenwind begegnen.

Wendelin Wiedeking (Mitte), sein Stellvertreter Haerter (rechts) und der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche (links)

Lachen in der Krise: Wendelin Wiedeking (Mitte), sein Stellvertreter Haerter (rechts) und der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche

Keine guten Neuigkeiten hatte Vorstandschef Wendelin Wiedeking bei der Hauptversammlung am Freitag (30.01.2009) für die Aktionäre: Der Absatz sei im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/2009 um über 27 Prozent auf 34.000 Fahrzeuge eingebrochen. Der Umsatz sei um mehr als 14 Prozent auf rund drei Milliarden Euro gefallen. Einzig der Gewinn werde dank der Mehrheitsbeteiligung am Volkswagen-Konzern von knapp 51 Prozent aber höher sein als die 1,66 Milliarden Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Gegensteuern ist angesagt

Mit einem Sparprogramm und einer massiven Drosselung der Produktion im Stammwerk Stuttgart-Zuffenhausen will die Konzernspitze eine weitere Talfahrt verhindern. Bis zur Sommerpause sollen die Bänder an weiteren 19 Tagen stillstehen. Elf Ruhetage hatte es bereits im Dezember und Januar gegeben. Die Produktionsdrosselung soll über einen Abbau der Arbeitszeitkonten geregelt werden. In Zuffenhausen arbeiten 4800 Beschäftigte, 2500 davon in der Produktion. Täglich laufen dort 160 Sportwagen vom Band. Bis zum Sommer sollen dann 4800 Fahrzeuge weniger produziert werden. "Wir werden die Märkte nicht mit Fahrzeugen vollpumpen, für die keine Nachfrage besteht", so Wiedeking.

Arbeiter steht im Werk Zuffenhausen an einem hochängenden Porsche und montiert eine Leuchte (ap)

Bis Sommer sollen 4800 Fahrzeuge weniger vom Band laufen

Keine Kurzarbeit

Wenn sich die Situation nicht nennenswert verschlechtere, werde dieses Modell dem Autobauer aus der Krise helfen. Anders als andere deutsche Hersteller zwischen Wolfsburg und München müsse Porsche seine Beschäftigten nicht in Kurzarbeit schicken: "Kurzarbeit oder gar Entlassungen stehen bei uns jedenfalls aktuell nicht auf der Agenda", so Wiedeking.

Beim Sparprogramm würden alle Bereiche in den Fokus genommen, die nicht unmittelbar "wertschöpfend" oder "nicht direkt umsatzwirksam" seien. Alle Projekte, die für das künftige Geschäft "existenziell" seien, blieben von den Sparmaßnahmen unberührt. Dazu gehört nach Angaben des Porsche-Chefs die Weiterentwicklung bestehender Modellreihen und sparsamer Motoren.

Keine Aussage zu VW-Übernahme

Die Rückfront eines VW-Porsche 914, der in den 1970er Jahren gemeinsam produziert wurde (dpa)

2005 begann der Einstieg von Porsche bei VW. Schon in den 1970er Jahren wurde der VW-Porsche 914 gemeinsam produziert

Wie es bei der geplanten Aufstockung der Mehrheit beim Volkswagen-Konzern auf mehr als 75 Prozent weitergeht, wollte Wiedeking nicht sagen. "Unser Ziel ist nach wie vor, die VW-Beteiligung in überschaubarer Zeit auf 75 Prozent der Stammaktien aufzustocken, um den Weg für einen Beherrschungsvertrag frei zu machen. Aber erwarten Sie jetzt kein Datum von mir". Im Januar hatte Porsche sein Kapital bei VW auf 50,76 Prozent aufgestockt. Die geplante weitere Aufstockung auf 75 Prozent verhindern derzeit das VW-Gesetz und die niedersächsische Landesregierung. Diese kann durch ihren 20-prozentigen Stammaktienanteil jede Mehrheitsentscheidung blockieren. Das VW-Gesetz steht dem von Porsche angestrebten Beherrschungsvertrag entgegen, mit dem das herrschende Mutterunternehmen direkt in die Geschäftspolitik des Tochterunternehmens eingreifen kann.

Bundesregierung will es drauf ankommen lassen

Die EU-Kommission und auch Porsche wollen das Gesetz zu Fall bringen. Wiedeking bezeichnete es auf der Haupversammlung als "Anachronismus". Das Gesetz "trete den Gleichheitsgrundsatz mit Füßen" und bringe erkennbar keinen Vorteil für diejenigen, die sich einen Vorteil versprächen.

Die Bundesregierung gibt sich im Streit mit der EU-Kommission weiter hart. Sie will es auf ein neues Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) ankommen lassen. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sagte, die Bundesregierung halte die weiter bestehende niedersächsische Sperrminorität für "europarechtskonform". Die EU-Kommission droht Deutschland wegen des Festhaltens an Sonderrechten für Niedersachsen bei VW erneut mit einer Klage vor dem EuGH. In einem ersten Urteil hatte dieser das VW-Gesetz mit dem Europarecht nicht vereinbar erklärt. Daraufhin wurde es von Bundestag und Bundesrat geändert. Die neue Fassung ist seit Mitte Dezember 2008 in Kraft. Diese beinhaltet aber weiterhin die Sperrminorität von 20 Prozent. Im Aktienrecht üblich ist dagegen eine von 25 Prozent. (hy)

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