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Asien

Absage an chinesischen Investor

Ein chinesischer Multimillionär wollte in Island hunderte Quadratkilometer Land kaufen, doch die isländische Regierung erteilt seinen Plänen eine Abfuhr. Der Geschäftsmann vermutet politische Gründe.

Huang Nubo konnte sein Immobilienprojekt in Island nicht umsetzen. (Foto: AP)

Huang Nubo konnte sein Immobilienprojekt in Island nicht umsetzen

Grímsstadir á Fjöllum heißt der karge Landstrich im Nordosten Islands, den der chinesische Multimillionär Huang Nubo kaufen wollte. Auf dem 300 Quadratkilometer großen Gebiet – das entspricht etwa der Fläche der Stadt München – sollte nach Huangs Plänen ein Golf- und Tourismusressort entstehen. Monatelang verhandelte Huang, der laut Forbes Liste auf Platz 129 der 400 reichsten Chinesen liegt, mit den isländischen Behörden. Die haben seinen Plänen nun eine Abfuhr erteilt. Das isländische Innenministerium erklärte vergangene Woche, dass man den Landkauf nicht zulasse. „Ich habe nicht mit diesem Ergebnis gerechnet", so Huang Nubo gegenüber DW-WORLD.DE. "Als wir den Landkauf beantragten, stellte das isländische Innenministerium einige Bedingungen. Sie sagten, wir müssten in Island eine Firma registrieren und zwei Drittel der Aufsichtsratsmitglieder müssten Isländer sein." Diese Bedingungen, sagt Huang, habe er erfüllt.

Das Innenministerium in Reykjavik sieht das anders. Die isländischen Gesetze sähen strikte Voraussetzungen für Landkauf vor, so das Ministerium vergangene Woche. Es sei klar, dass Huangs Firma "keine der Voraussetzungen" für den Landkauf erfülle.

Geopolitische Einflussnahme Chinas?

Von Anfang an hatte Huangs Plan zahlreiche Gegner. Immerhin macht der 300 Quadratkilometer große Landstrich rund 0,3 Prozent der Fläche Islands aus. Kritiker des Projekts glauben, dass hinter dem Privatinvestor die chinesische Regierung stecken könnte. Schließlich war Huang einst Beamter der chinesischen Regierung. Die Projektgegner befürchten geopolitische Einflussnahme Chinas auf das NATO-Mitglied Island. China wolle sich außerdem positionieren, wenn die arktischen Gewässer wegen des Klimawandels abtauen und für die Schifffahrt zugänglich werden. Dann ist der Weg frei für neue Handelsrouten und zu den gewaltigen Rohstoffvorkommen, die unter dem Nordpol vermutet werden.

Diese Vermutungen seien Unsinn, sagt Huang Nubo. Er betont sein langes enges Verhältnis zu Island. Während seines Studiums lebte er gemeinsam mit einem isländischen Kommilitonen zusammen und pflegt bis heute den Kontakt. Immer wieder reist er auf die Insel, finanziert einen Kulturfond in Island. Er glaubt, der Grund für die Absage der isländischen Regierung sind nicht die isländischen Gesetze, sondern die allgemeine Angst des Westens vor chinesischen Investitionen. "Ich glaube der Westen hat eine Art geheimes Abkommen oder eine Art Glasmauer errichtet, die chinesische Unternehmen abblockt. Ich finde, das ist ein Denken des Kalten Krieges, es ist einfach ein ungerechtes Verhalten."

Misstrauen zwischen China und dem Westen

Seit Ausbruch der jüngsten Finanzkrise gehen chinesische Investoren verstärkt in Europa auf Einkaufstour. Besonders angeschlagene Länder stehen im Fokus: In Griechenland kontrolliert der chinesische Logistikkonzern Cosco den Hafen von Piräus für 35 Jahre. In Italien baut Cosco den Hafen von Neapel aus. Der staatliche chinesische Energiekonzern China International Power plant eine Beteiligung am portugiesischen Energieversorger Energias de Portugal. Die chinesische Regierung kauft griechische, spanische, portugiesische und italienische Staatsanleihen. Gerade in Krisenzeiten seien chinesische Milliarden in Europa zwar willkommen, sagt Eberhard Sandschneider, Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Gleichzeitig herrsche aber auf beiden Seiten großes Misstrauen. "Einen ähnlichen Argwohn hatten wir vor Jahren schon einmal zu japanischen Investitionen." Es gebe zwar viel Gedankenaustausch zwischen dem Westen und China, aber keine wirkliche Kommunikation, so Sandschneider. "Unter dem Strich ist das ausgesprochene Misstrauen prägend, sowohl für die amerikanisch-chinesischen als auch für die europäisch-chinesischen Beziehungen."

Sandschneider: Das ausgesprochene Misstrauen ist prägend. (Foto: DGAP/dapd)

Sandschneider: "Das ausgesprochene Misstrauen ist prägend."

Huang Nubo hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die isländische Regierung ihre Entscheidung noch mal ändert. Doch selbst wenn aus dem Projekt in Island nichts wird, hat der umtriebige Multimillionär schon neue Pläne. Nächstes Jahr will er eine Delegation in andere nordeuropäische Länder schicken, um neue Investitionsmöglichkeiten auszuloten.

Autor: Christoph Ricking
Redaktion: Ana Lehmann