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Wirtschaft

Abrechnung mit der Abwrackprämie

Der Topf ist leer. Anfänglich waren 1,5 Milliarden Euro für die Abwrackprämie geplant - dann wurde das Budget noch mal aufgestockt. Nun ist seit Mittwoch Schluss mit der staatlichen Autokaufhilfe.

Kaputte Spielzeugautos übereinander getürmt.

Das Ende des Verschrottungsbooms

Die Abwrackprämie sollte die Verbraucher dazu bewegen, neue Autos zu kaufen und so die Autoindustrie vor dem Kollaps bewahren. So wollte die Bundesregierung die Wirtschaftskrise abmildern und ganz nebenbei noch etwas Gutes für die Umwelt tun, nämlich alte Autos von den Straßen entfernen. Wer ein mindestens neun Jahre alten Wagen verschrotten ließ und dafür einen Neu- oder Jahreswagen kaufte, der konnte einen staatlichen Zuschuß in Höhe von 2500 Euro beantragen. Die Autofahrer waren so begeistert von dieser Idee, dass die Bundesregierung den Finanztopf für die Abwrackprämie noch mal aufgestockte auf insgesamt 5 Milliarden Euro.

Seit Mittwoch (2.09.) ist der Topf nun leer. Damit sind statistisch während der Wirtschaftskrise zwei Millionen Altfahrzeuge verschrottet und durch neue ersetzt worden.

Konjunkturhilfe oder Strohfeuer?

Wie sinnvoll aber war die Prämie nun wirklich? Hat sie die für die deutsche Wirtschaft so wichtige Autoindustrie vor dem totalen Absturz bewahrt? Oder haben die Autofahrer nur ihren Neuwagenkauf, den sie sowieso vorhatten, vorgezogen, und kommt nun nach dem Wegfall der Prämie das dicke Ende in Form von fehlender Nachfrage und höheren Staatsschulden?

Neuwagen auf dem Autoterminal (Foto: AP)

Neue Kleinwagen - so sehen die Gewinner der Abwrackprämie aus

Während die Autokäufer von dem Staatszuschuss begeistert waren, äußern sich viele Wirtschaftsexperten eher kritisch. Sie halten die Abwrackprämie für ein "Strohfeuer". Zu ihnen gehört auch Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Nach einer Studie über die Lage der Automobilbranche 2008/2009 meint er, die Prämie sei nicht nachhaltig. Zwar habe die Prämie ohne Zweifel die Nachfrage gesteigert und zu einer Absatzstimulierung beigetragen. Dieses Umsatzplus werde jedoch im nächsten Jahr fehlen. Vor allem aber fehle durch den vorgezogenen Autokauf in vielen Privathaushalten das Geld für andere Investitionen. "Es ist völlig klar, dass das Geld, das man jetzt für den Autokauf ausgegeben hat, nicht mehr für den Kauf eines neuen Sofas ausgeben kann." Zudem wurde ja lediglich der Kauf von neuen Wagen gefördert, was beispielsweise Autoreparaturwerkstätten und Gebrauchtwagenhändler zu spüren bekommen haben.

Ein weiterer Kritikpunkt ist: Die Abwrackprämie habe den deutschen Hersteller weniger genützt als den ausländischen, denn die Staatshilfe gab es auch bei dem Kauf eines ausländischen Modells. Dementsprechend stieg der Marktanteil ausländischer Autobauer in Deutschland in den letzten fünf Monaten auf 45 Prozent – dagegen ging der Export deutscher Autos um 38 Prozent zurück. Das mag daran liegen, dass die deutsche Abwrackprämie ebenso wie die entsprechenden Prämien, die in anderen Ländern eingeführt wurden, hauptsächlich für Kleinwagen genutzt worden sind. Deutschland ist aber vor allem im hochpreisigen Autosegment stark.

Kurzfristiger Boom – langfristiger Schaden?

Ein verwitterter Wagen mit dem Opel-Logo (Foto: AP)

Schrotthändler hatten viel zu tun

Trotz aller Kritik: Dem deutschen Autohandel hat die Prämie zunächst einen Boom beschert. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden fast fünf Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum. “Wir haben in der Studie herausgefunden, dass diese Prämien, die globalen staatlichen Unterstützungen, zumindest den Abwärtstrend der globalen Automobilhersteller abgebremst habe“, so Bratzel.

Aber spätestens im nächsten Jahr werden die Automobilhersteller merken, dass die Kunden nicht mehr bereit sind, weiterhin tief in ihre Taschen zu greifen. Daher meint Bratzel, dass die Abwrackprämie langfristig eher geschadet als genutzt habe. "Insbesondere die Preisverzerrung, die sich in den Köpfen der Leute festgesetzt hat, wird dazu führen, dass im nächsten Jahr das Rabattniveau der Automobilhersteller noch höher sein wird.“ Einer Studie der Universität Duisburg zufolge gibt es allerdings schon jetzt die ersten Rabattschlachten. Im August gab es 344 Rabattaktionen der Hersteller - das war ein neues Rekordniveau. Im Schnitt bekamen Autokäufer so hohe Rabatte, dass sie nur noch 80 Prozent des Listenpreises bezahlen mussten, zu Jahresbeginn waren es noch rund 84 Prozent.

Autorin: Insa Wrede/Jennifer Giwi

Redaktion: Zhang Danhong

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