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Sprachbar

Abgetönte Partikeln

Feinstaubpartikel sind sehr ungesund. Belebend wirken dagegen abgetönte Partikeln. Sie sind in der gesprochenen Sprache das sogenannte "Pünktchen auf dem i". Das ist halt eben so! Denn ganz ohne geht's halt nicht.

Ein Schuss hiervon, ein Teelöffelchen davon, ein Hauch Gewürz und obendrauf noch ein bisschen Dekoration! So werden sie gemacht, die Cocktails, die es in jeder guten Bar gibt. Doch was ist genau drin? "Das sind eben so die Geheimnisse. So ist das halt in unserer Branche. Wir wollen doch alle nicht so gern unsere kleinen Geheimnisse preisgeben, oder?", sagt der Barkeeper von oben herab und schüttelt lässig seinen chromblitzenden Shaker. "Was soll's denn sein?". "Ach, bloß das Übliche", entgegne ich. "Ein Schuss hiervon, ein Teelöffel davon, ein Hauch Gewürz und obendrauf noch ein bisschen Dekoration!"

Klein und unscheinbar

Ein Wasserstrahl in einem Whirlpool

Füllwörter beleben die Sprache

Während der Barkeeper noch überlegt, was er mir zusammenstellen soll, denke ich über die eben gesprochenen Sätze nach. Eben, halt, doch, bloß …Irgendetwas regt sich in meinem Gedächtnis. Was hatte meine Deutschlehrerin, Fräulein Meier, noch gesagt? Ach ja, sie hatte gemeint, das sind abgetönte Partikeln.

Ich habe ihre Worte noch im Ohr: "Partikeln sind kleine unscheinbare Wörter. Im Deutschen sind sie besonders häufig. Besonders in der gesprochenen Sprache. Also zum Beispiel bloß, ganz oder eben. Habt ihr kapiert? Partikeln wurden lange Zeit gedankenlos als Füllwörter bezeichnet, sogar als Wörter ohne besondere Bedeutung. Das ist natürlich Unsinn. Dieses Vorurteil hängt aber vielleicht damit zusammen, dass sie nicht konjugiert beziehungsweise dekliniert werden können und dass sie völlig geschlechtslos sind."

Der Lehrerinnen-Monolog

Ich erinnere mich, dass ich damals ungeduldig wurde und wissen wollte, was es denn nun mit dem Abgetönten auf sich hat. Fräulein Meier hatte um Geduld gebeten. "Mit Geduld und Spucke fängt man jede Mucke", meinte sie und setzte ihre Erklärungen dann fort: "Also zu diesen Partikeln zählen außer den eben genannten zum Beispiel noch halt, ja, doch, eigentlich, ganz und ziemlich."

Der Barkeeper unterbricht meine Erinnerungen an Fräulein Meiers Erklärungen und stellt wortlos einen farbenfrohen Cocktail vor meine Nase. Ich setze meinen Gedankenfluss fort. Das war ein wirklich heftiges Thema, diese Partikeln. Vor allem in der gesprochenen Sprache, hatte Fräulein Meier gesagt, seien diese Dinger, diese Partikeln, häufig. In Kurzsätzen, die sich nicht ganz korrekt anhören. "Wenn Du mit dir selber sprichst, musst du ja nicht alles so ausformulieren", hatte sie gemeint. Ziemlich klar eigentlich.

Der Ton macht die Musik

Puzzleteilchen

Jedes Teilchen ist irgendwie wichtig!

Dann hatte sie weiter erklärt: "Wisst ihr, Partikeln, das heißt ja streng genommen Teilchen. Sprachteilchen in unserem Fall. Die sind zwar klein, aber irgendwie doch wichtig. Was wäre, wenn man zum Beispiel nur sagen würde: 'Das ist so', anstatt 'Das ist halt so'. Bei 'Das ist halt so' wird eindeutig ist betont. Die kleine Partikel halt bewirkt die Betonung. Und sie verstärkt die gesprochene Aussage. Also in etwa so: 'Das ist halt so! Sieh das doch endlich ein!'.

Ja, und jetzt sind wir endlich bei der Auflösung, der Abtönung. In dem Wort Abtönung steckt das Wort Ton. Und ihr kennt das Sprichwort 'Der Ton macht die Musik'. Würde ich hier zum Beispiel nur herumschreien, könnte ich euch nichts beibringen. Ihr würdet dicht machen. Auch der Umgangston, also die Art mit anderen zu sprechen, ist wichtig.

Wie drücke ich etwas richtig aus?

Eine Lupe mit einem Fragezeichen

Vermutlich ....

Der Umgangston kann so oder so sein. Abtönende Partikeln färben somit einen Sachverhalt – oder allgemeiner ausgedrückt eine Satzaussage – auf unterschiedliche Weise sprachlich ein. Anders ausgedrückt: Sie können ganz verschiedene Funktionen haben. Immer aber sagen sie etwas über die Stellung des Sprechenden zum Inhalt des Gesprochenen aus.

Durch verschiedene Partikel wie doch, eben und halt kann eine Feststellung noch verstärkt werden. Und damit machen wir jetzt Schluss für heute. Es war doch sehr viel Stoff…", hatte Fräulein Meier geendet, noch vor dem Pausenklingeln.

Ein perplexer Barkeeper

Plötzlich dringt die Stimme des Barkeepers an mein Ohr. "Schmeckt Ihnen mein farbenfroher Cocktail nicht? Sie haben ihn ja noch gar nicht angerührt." So aus meinen Gedanken gerissen, antworte ich nur: "Doch, doch. Vermutlich war ich nicht präzise genug. Aber, das ist halt so! Auch wir Sprachkünstler haben unsere kleinen Geheimnisse, und sogar ziemlich viele. Übrigens, wissen Sie, was abgetönte Partikeln sind? Bloß mal, so 'ne Frage…"



Fragen zum Text

"Wo kommst du … her?" – Ergänzen Sie die Partikel, die Überraschung ausdrückt.

1. eigentlich

2. vermutlich

3. wirklich

Ist man sich nicht ganz sicher, dann verwendet man die Partikel …

1. wirklich.

2. halt.

3. vermutlich.

"Ich mag sogar Erbsen" drückt aus, dass …

1. ich Erbsen sehr gerne esse.

2. ich alles außer Erbsen esse.

3. ich alles esse, selbst Erbsen, die mir eigentlich nicht so gut schmecken.

Arbeitsauftrag

"Das ist vermutlich so", "Das kann doch nicht wahr sein!", "Ich bin halt nicht so einer!" – drei Beispiele für die Verwendung von Modalpartikeln. Bilden Sie weitere ähnliche Sätze und erklären Sie die Bedeutung des jeweiligen Satzes.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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