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Politik

Abgehängt, trotz Privileg

Drei Arbeitssprachen hat die Europäische Union. Auf dem Papier sind Englisch, Französisch und Deutsch gleichberechtigt. In der Wirklichkeit der EU-Papiere aber wird Deutsch oft abgehängt.

Fernschreiber Brüssel

Verschiedene Regionen und Europa-Parlamentarier haben eine Initiative, die den Gebrauch des Deutschen im offiziellen EU-Verkehr befördern soll. Von der deutschsprachigen Gemeinschaft in Ostbelgien, über die Südtiroler in Nord-Italien bis hin zu den Siebenbürgern im rumänischen Sibiu (Hermannstadt) spannt sich der Bogen der Unterzeichner. Deutsche und Österreicher sind sowieso dabei. Initiiert von der hessischen Landesregierung klagt dieser Verbund darüber, dass (zu) viele wichtige EU-Dokumente und Webseiten nicht ins Deutsche übersetzt würden. Und das soll sich ändern, schließlich ist Deutsch mit knapp 100 Millionen Muttersprachlern die größte Sprache in der EU.

Gewiss, der globale Siegeszug des Englischen macht um die EU keinen Bogen. Das spüren sogar die sprachstolzen Franzosen in Brüssel. Doch die Europäer halten ja ihre Vielsprachigkeit hoch, haben sogar einen eigenen Kommissar dafür. Eben jener Kommissar, der Rumäne Leonard Orban, will die Pro-Deutsch-Resolution aber nur mit spitzen Fingern annehmen. Grundsätzlich, sagt Orban, sei das Deutsche doch bereits privilegiert. Er warnt davor, den mühsam austarierten EU-Sprachenmix und Übersetzungsschlüssel in Frage zu stellen. Wollen die Deutschen mehr Texte in ihrer Sprache, werden sich andere ebenfalls melden. Außerdem kosten zusätzliche Übersetzungen zusätzliches Geld. Mittlerweile zählen die Europäer 23 offizielle Sprachen mit rund 500 Übersetzungsvarianten.

Doch bei dieser Sprach-Resolution kommt noch etwas sehr Deutsches hinzu: Unter den deutschen Bundesländern gab es offenkundig Knatsch, weil Hessen in der internen Arbeitsteilung doch gar nicht zuständig ist für die Sprachenpolitik. Das zuständige Land hat folglich gar nicht erst unterschrieben (wie neun weitere Länder und eine erkleckliche Anzahl deutschsprachiger Abgeordneter auch nicht). Sprachenpolitik als Zuständigkeitsfrage – Zustände sind das, wird sich Leonard Orban denken und erst einmal abwarten, was die Deutschsprechenden politisch wirklich wollen.