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Gesundheit

Abgasmanipulation: Vor allem Kinder leiden

Abgase schaden der Gesundheit. Deshalb hat die EU Grenzwerte für die Luftverschmutzung eingeführt. In vielen Städten liegt die Belastungen höher als erlaubt. Schuld sind vor allem Manipulationen bei Diesel-PKW.

In vielen europäischen Städten ist die Belastung der Luft mit giftigen Stickoxiden (NO2) zu hoch. In der Umgebung von großen Straßen wird der EU-Grenzwert von maximal 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft oft weit überschritten.

Vor 18 Grundschulen in Düsseldorf führte Greenpeace im Februar Messungen durch und veröffentlichte jetzt die Ergebnisse: Die NO2-Werte lagen zwischen 44 und 72 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. 

Hauptverantwortlich für das Atemgift sind vor allem Diesel-PKW. Durch die inzwischen bekannt gewordenen Manipulationen der Autohersteller bei der Abgasreinigung haben viele PKW Umweltplaketten erhalten, deren Richtlinien sie im Straßenverkehr nicht einhalten. Bei den in Europa neu verkauften Diesel-PKW (Euro 6) liegt die Überschreitung des Stickoxid-Ausstoßes im Durchschnitt etwa 700 Prozent über dem Grenzwert. Im Winter ist sie sogar noch höher.

Mehr Todesfälle und Asthma bei Kindern  

Stickoxide werden im Verkehr vor allem von Dieselmotoren freigesetzt sowie bei der Verbrennung von Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfällen.

Laut Europäischer Umweltagentur sterben in der EU jährlich etwa 72.000 Menschen durch die zusätzliche Belastung durch NO2 in der Luft, davon etwa 22.000 in Italien, 14.000 in Großbritannien, 10.000 in Deutschland, 8000 in Frankreich und 6000 in Spanien.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigt das Gesundheitsrisiko mit zunehmender Konzentration. Bei einer langfristigen Zusatzbelastung von 10 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter in der Luft steige die Zahl der Sterbefälle um jeweils 5,5 Prozent und die Zahl von Atemwegserkrankungen bei Kindern um 15 Prozent.

Schweröl Feinstaub Schiff Asthma (Fotolia/uwimages)

Kinder leiden unter den giftigen Stickoxiden besonders - Atemwegserkrankungen und Asthma nehmen zu

Darüber hinaus beeinträchtigen hohe Stickoxidwerte langfristig das Lungenwachstum von Kindern und stehen im Verdacht, die Entwicklung des Kindes im Mutterleib zu beeinträchtigen. "Erhöhte Stickoxidwerte sind ein ernstes Gesundheitsrisiko", sagt Meltem Kutlar Joss vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut. Es hat eine Studienübersicht zu Gesundheitsrisiken durch NO2 im Auftrag von Greenpeace erstellt. "Zahlreiche Studien belegen, dass der Luftschadstoff auch die Gesundheit von Kindern gefährden kann."

Blaue Plakette für bessere Luft?

Bremen hat mit einem Durchschnittswert von 22 Mikrogramm NO2 eine gesündere Luft als viele andere Städte. In Deutschland werden die Grenzwerte von 40 Mikrogramm nach Angaben des deutschen Städtetages in 80 Städten seit Jahren überschritten. Spitzenreiter ist Stuttgart mit einem Jahresmittel von 64 Mikrogramm.

"Die chronischen Stickoxidprobleme deutscher Städte gefährden die Gesundheit von Zehntausenden von Stadtbewohnern", sagt Daniel Moser, Greenpeace-Verkehrsexperte. "Bürgermeister müssen an besonders belasteten Schulen Kinderschutzzonen durchsetzen - notfalls auch mit Fahrverboten", ergänzt sein Kollege Benjamin Stephan.

Rasche Abhilfe schafft nach einem Gutachten im Auftrag des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg die Einführung einer blauen Plakette. Mit ihr können schmutzige Dieselfahrzeuge aus den Städten herausgehalten werden. Doch bisher stößt dieser Vorschlag  auf großen Widerstand bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Allerdings stehen auch viele Städte zunehmend unter Druck, denn Anwohner haben Klage eingereicht, damit die gesetzlich vorgeschriebene Luftreinhaltung gewahrt wird. Noch vor dem Sommer will der Bundesrat über die Einführung einer blauen Plakette entscheiden.

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