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Wirtschaft

Abgase bringen Leipzig nur langsam in Schwung

Vor zehn Wochen startete der Handel mit Emissionsrechten an der Leipziger Strombörse (EEX). DW-WORLD sprach mit Stefan Nießen, Leiter der Pressestelle bei EEX, über die bisherige Entwicklung des Emissionshandels.

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EEX macht Umsatz mit CO2

Vor allem Kohlendioxid aus den Abgasen von Kraftwerken heizt das Weltklima an - mit katastrophalen Folgen. Daher haben sich 122 Länder im Kyoto-Protokoll darauf geeinigt, in Zukunft weniger Treibhausgase in die Atmosphäre auszustoßen. Seit Anfang 2005 brauchen Kraftwerksbetriebe und Industriebetriebe in der EU Zertifikate, die sie zum CO2-Ausstoß berechtigen. Ein Zertifikat berechtigt zum Ausstoß einer Tonne CO2. Die Anlagenbetreiber haben zunächst eine Grundmenge an Zertifikaten zugewiesen bekommen. Brauchen sie mehr, müssen sie am Markt Zertifikate hinzukaufen. Seit dem 9. März können Unternehmen zum ersten Mal an der Börse mit den Emissionsrechten handeln: an der Leipziger Strombörse European Energy Exchange (EEX) Bislang wurde in Leipzig nur Strom gehandelt.

EXX nimmt Betrieb auf

Viel Arbeit kommt auf die Broker an der Börse in Leizig zu

DW-WORLD: Herr Nießen, wie hat sich der Emissionshandel seit dem Start am 9. März 2005 entwickelt?

Wir sind ziemlich früh gestartet. Trotzdem war der Start des Emissionshandels technisch einwandfrei. Allerdings ist es klar, wenn man so frühzeitig auf dem Markt beginnt, steigen die Umsätze nicht schlagartig von Null auf Hundert. Dementsprechend haben sich die Umsätze bislang auch nur verhalten entwickelt - muss man offen sagen.

Was bedeutet verhalten?

Am Dienstag (17.5.) hatten wir einen Umsatz von 2600 Emissionsrechten. Das ist im Moment sogar ein ganz guter Tagesdurchschnitt.

Die "Financial Times Deutschland" meldete am 10. Mai, dass der Handel fast zum Erliegen gekommen sei. Was ist an dieser Meldung dran?

Zu dem Zeitpunkt war es so, dass wir über 14 Tage lang einen Tagesumsatz von nur rund 100 Emissionsrechten hatten. Das hat sich in der letzten Woche wieder gebessert.

Warum kommt der Handel in Leipzig nicht so recht in Schwung? Außerbörslich sprechen die Experten immerhin von einem Boom.

Da werden Äpfel mit Birnen verglichen. Das, was man normalerweise mit dem außerbörslichen Handel meint, ist in der Regel Terminhandel. Dort werden Geschäfte abgeschlossen, bei denen Geschäftsabschluss und Lieferung des Emissionsrechts weit voneinander entfernt sind. Das ist eine andere Art Geschäft als das, was wir machen. Wir führen hier einen Spothandel durch. Der Eigentumsübergang des Emissionsrechts erfolgt zwei Werktage nach Geschäftabschluss.

Dennoch sind die Umsätze nicht groß. Zeitungsberichten zufolge soll das deutsche Register, dass die Emissionsrechte der deutschen Unternehmen erfasst, an der Schnittstelle zum Zentralregister in Brüssel immer wieder ausgefallen sein. Die Unternehmen sollen sich deshalb zurückhalten. Liegt es daran?

Anfang letzter Woche gab es im deutschen Register technische Schwierigkeiten. Laut eigener Angaben sind die jetzt aber behoben. Die Probleme führten dazu, dass der Eingang auf den Konten der Registerstelle zeitweilig nicht möglich war. Das war für uns ein Erschwernis, aber es legte den Handel nicht lahm. Denn wir haben einen Abwicklungsprozess, der auch ein Stück weit unabhängig von diesem System funktionieren kann.

Was heißt das konkret?

Man kann Emissionsrechte in unser System einliefern. Wenn die einmal dort drin sind, kann man damit handeln - unabhängig davon, ob der Eigentumsübergang eins zu eins bei der deutschen Registerstelle gespeichert wird.

Es liegt also nicht an technischen Schwierigkeiten. Warum sind die Umsätze also gering?

Da gibt es verschiedene Gründe und ich kann ihnen sicher auch nicht alle nennen. Es muss sich erst noch eine Erkenntnis bei den Unternehmen durchsetzen. Die Erkenntnis, dass sie ein Risiko haben, wenn sie sich nicht am Handel beteiligen. Denn üblicherweise haben die Unternehmen nicht so viele Emissionsrechte bekommen, wie sie brauchen. Sie haben noch offene Positionen. Und der Preis, zu dem sie diese fehlenden Emissionsrechte nachkaufen müssen, der ändert sich - ändert sich ordentlich. Anfang des Jahres lag er noch bei unter sieben Euro pro Emissionsrecht. Er stieg teilweise auf bis zu 17 Euro. Als Anlagenbetreiber trägt man also ein Marktpreis-Risiko. Dass man das managen muss, das muss sich noch ein Stück weit durchsetzen.

Was tun sie denn dafür, damit sich das durchsetzt?

Wir machen beispielsweise gerade eine Roadshow durch verschiedene deutsche Städte und machen dort ein eintägiges Seminar mit den deutschen Unternehmen, die unter den CO2-Emissionshandel fallen. Dort erklären wir, wie der Großhandel mit Emissionsrechten funktioniert.

Wie schätzen sie die weitere Entwicklung des Emissionshandels an der Leipziger Börse ein?

Der Markt wird weiter reifen. Der Emissionshandel passt gut in unsere Produktpalette. Viele unserer Unternehmen gehören zu den großen Energieversorgern - und 79 Prozent der Emissionszertifikate in Deutschland wurden an Energieunternehmen vergeben. Wir bieten hier einen internationalen Markt an - Teilnehmer aus 16 Ländern machen bereits mit. Und bald werden wir auch einen Terminmarkt für CO2-Emissionsrechte einführen.

Das Interview führte Nicole Scherschun

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