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Sport

Abgang eines Superstars

Kaum einer bewegte den Ball so elegant wie er, kaum einer blieb so bescheiden. Zinedine Zidane hat auf einer Pressekonferenz offiziell seinen Rücktritt erklärt. Ein bisschen mehr Glanz hätte er dabei verdient gehabt.

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Der Ball ist sein Freund: Zinedine Zidane im Dress von Real Madrid

Das Training bei Real Madrid war eigentlich so wie jeden Tag. Mehrere Busse mit Schulkindern sind zum neue pompösen Trainingszentrum des Fußballclubs herangekarrt worden, um den "galaticos" zuzusehen. Und wie immer rufen, kreischen Mädchen mit Zöpfen ihrem Liebling zu. "Beckham, Beckham". Der - wieder einmal langhaarig - schlurft über den Rasen, spuckt. Das kommt bei den Jungs gar nicht gut an, Buhrufe.

Doch eigentlich geht es an diesem Tag sowieso nicht um den David. "Zizou, Zizou, so bleib doch", ruft ein Junge, seine Kameraden stimmen mit ein. Zizou, Zizou! Der winkt. Na ja, so hübsch wie der Beckham ist er ja nicht, sagt ein Mädchen, aber so nett und so sympatisch. Ja auch sie will, dass er bleibt.

Noch drei Spiele für Real Madrid

Real Madrid - Pressekonferenz Zidane

Ein Künstler tritt ab: Zizou gibt seinen Abschied bekannt

Zinedine Zidane geht heute früher als seine Kollegen vom Trainingsplatz. Sein Ziel: das Pressezentrum gleich nebenan. Dort, auf der Dachterrasse, glitzert und funkelt es. Die Sonne spiegelt sich in den Objektiven der Kameras. Die Medienmeute bekommt das Bild, auf das sie schon seit zwei Stunden gewartet hat.

Zinedine Zidane, das Fußballphänomen der 1990er Jahre, läuft mit gesenktem Haupt - vor allem um nicht von der Sonne geblendet zu werden - allein auf das Pressezentrum zu. Nur er und das sanfte Grün des Rasens. Er verschwindet in den Umkleidekabinen. Es ist der Tag, an dem er offiziell als Spieler von Real Madrid seinen Rücktritt erklären wird. Noch drei Spiele für Real Madrid, danach die WM, und dann ist definitiv Schluss.

Warten auf den Superstar

Die Nachricht ist bereits seit gestern bekannt - Zidane hatte sie dem Sender Canal + mitgeteilt. Doch heute, am Mittwoch (26.4.), folgt der Vollzug, es ist der Auftritt für die Fernseharchive. Die Welt der Sportmedien ist gekommen, alle sind gekommen, möchte man sagen. Es ist dicke Luft: zu heiß, zu stickig, zu eng ist es im Presseraum. Die Journalisten nörgeln, alle Schnittchen sind weg. Und Zidane? Der kommt nicht. Wie lange braucht man, um sich umzuziehen, kurz zu duschen - vielleicht eine halbe Stunde? Nach über eineinhalb Stunden immer noch nichts.

"Das sind eben die Launen der Superstars", sagt ein Sportjournalist. Und die Fotografen und Kameras halten weiter drauf, auf diese eine graue Tür, durch die er kommen wird. Es ist diesmal kein Auftritt des Triumphes. Real Madrid befindet sich in einer schweren Krise. Miese Spiele liegen hinter dem Verein, eine Führungskrise rüttelt an den Fundamenten des Clubs.

Ersatz ist nicht in Sicht

Zinedine Zidane - Französischer Nationalspieler EM 2004

Zinedine Zidane: "Rücktritt kein spontaner Entschluss"

Der listige und schwerreiche Präsident Florentino Perez ist zurückgetreten, sein Nachfolger bekommt das Ruder nicht in die Hand. Und jetzt verliert der Verein eines seiner fußballerischen Glanzstücke. Und er verliert nicht nur den Fußballspieler Zidane. Auch die Marke Zidane wird künftig an Wert einbüßen und damit der ganze Verein. Ersatz ist nicht in Sicht, auch Beckham und die anderen Stars zeigen Abnutzungserscheinungen.

Die graue Tür öffnet sich. Zidane ist da, nach über zwei Stunden Wartezeit. Der Verein hat angeordnet, dass die Pressekonferenz auf Spanisch abgehalten wird. Für Zidane nicht die schmeichelhafteste Lösung - unfreiwillige Wortdreher und abgehakter Redefluss sind die Folge. Fluchen bei den französischen Journalisten - es ist doch eigentlich ihr Star, ihr Fußballmagier...

"Fußball? Das ist ja alles für mich"

Die Pressekonferenz dauert über eine Stunde, es ist, als wollen die Journalisten den dreimaligen Weltfußballer der Jahre 1998, 2000 und 2003 nicht gehen lassen. Zidanes Eingangsstatement dauert exakt eine Minute und 25 Sekunden. Das Alter - Zidane wird 34 - sei der Hauptgrund für seinen Rückzug. Der Entscheidung sei ein langwieriger Prozess des Nachdenkens vorausgegangen.

"Ich spiele sei zwei Jahren nicht mehr so, wie ich es möchte." Und der Körper: "Jeden Tag wird es komplizierter". Auf die WM, da freut er sich (Hätte man eine andere Antwort erwartet?). Seine Favoriten? Die üblichen Verdächtigen Brasilien, Italien, etc. (darunter auch Deutschland). "Aber es gibt ja immer Überraschungen". Zwischendurch wünscht man sich, dass dieser Mann, der etwas müde wirkt und mit den Tücken der spanischen Sprache kämpft, endlich gehen darf.

Eins steht wohl fest. Zidane will Real Madrid verbunden bleiben und "ein Projekt mit Kindern" starten. Genaueres stehe noch nicht fest. Die Fragen prasseln über ihn herein und sind meist länger als die Antworten. Einer der Journalisten möchte dann noch genau wissen, was Zidane denn am Fußball so fasziniert habe. Schweigen. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht so genau. Fußball? Das ist ja alles für mich."

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